Symbolfoto NTSB (Foto: NTSB).
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Miami-Unfall: Ermittlungsergebnisse zeigen abgebrochenes Durchstartmanöver

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Die amerikanische Transportsicherheitsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) hat erste Auswertungen der Flugdatenaufzeichnung zum Absturz eines Frachtflugzeugs auf dem Miami International Airport vorgelegt.

Die Analyse deutet darauf hin, dass die Besatzung der Maschine wenige Sekunden vor dem Verlassen der Start- und Landebahn versuchte, die Landung abzubrechen und ein Durchstartmanöver einzuleiten. Bei dem Vorfall am 6. September 2026 schoss eine 32 Jahre alte Boeing 767-300 der Fluggesellschaft 21 Air, die im Auftrag von Amazon Air betrieben wurde, über das Ende der Landebahn 30 hinaus. Das Flugzeug durchbrach die Flughafenumzäunung und kollidierte auf einer öffentlichen Straße mit zwei Fahrzeugen. Bei dem Ereignis kamen fünf Personen am Boden ums Leben. Die Untersuchungen der Behörde konzentrieren sich nun auf die zeitliche Abfolge der Piloteneingaben, die Funktionsweise der Bremssysteme sowie die Befragung der beiden Flugzeugführer.

Rekonstruktion des Landeverlaufs anhand der Datenspeicher

Auf einer Pressekonferenz am 8. September 2026 erläuterten die Vorsitzende des NTSB, Jennifer Homendy, und der leitende Unfalluntersucher Chihoon Shin die vorläufigen Ergebnisse des Flugdatenschreibers. Den Daten zufolge berührten das Bugfahrwerk sowie das rechte Hauptfahrwerk 30 Sekunden vor dem Ende der Aufzeichnung bei einer Geschwindigkeit über Grund von 158 Knoten die Landebahn. Erst 23 Sekunden vor Ende der Aufzeichnung wurden die Radbremsen betätigt, gefolgt vom Aufsetzen des linken Hauptfahrwerks bei 134 Knoten rund 19 Sekunden vor Ende der Aufzeichnung.

Die Auswertung zeigt, dass 15 Sekunden vor dem Aufzeichnungsende bei einer Geschwindigkeit von 120 Knoten die Radbremsen gelöst wurden. Gleichzeitig wurden die Schubhebel nach vorne bewegt, was einer Leistungseinstellung für ein Durchstartmanöver entspricht. Nur vier Sekunden später, 11 Sekunden vor Ende der Datenerfassung und bei einer Geschwindigkeit von 117 Knoten, wurden die Schubhebel wieder in den Leerlauf zurückgezogen und die Bremsen erneut betätigt. Die Schubhebel verblieben bis zum Ende der Aufzeichnung im Leerlauf, während der Bremsdruck aufrechterhalten wurde. Sieben Sekunden vor dem Ende der Aufzeichnung registrierten die Sensoren Veränderungen der Beschleunigungswerte in allen drei Raumachsen bei einer Restgeschwindigkeit von 96 Knoten. Die letzte erfasste Geschwindigkeit lag bei 65 Knoten. Aus den Daten geht hervor, dass weder die Störklappen auf den Tragflächen noch die Schubumkehr der Triebwerke aktiviert wurden.

Qualifikation der Besatzung und Zustand der Aufzeichnungsgeräte

Die Flugunfalluntersuchungsbehörde hat für den 9. September 2026 Befragungen mit dem Chefpiloten der Fluggesellschaft sowie den beiden an Bord befindlichen Piloten anberaumt. Der 55-jährige Kapitän der Maschine verfügt über eine Gesamtflugerfahrung von 7.145 Stunden. Er flog zuvor Transporthubschrauber vom Typ Black Hawk für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und erhielt seine Musterberechtigung für die Boeing 767 im Mai 2026. Der 37-jährige Erster Offizier weist eine Gesamtflugleistung von 2.655 Stunden auf und erwarb die Berechtigung für diesen Flugzeugtyp am 2. April 2025.

Beide Flugschreiber der verunglückten Maschine wurden geborgen und in das Labor des NTSB nach Washington D.C. transportiert. Nach Angaben der Behörde enthält der Stimmenrekorder mehr als zwei Stunden Audiodaten in guter Qualität. Der Flugdatenschreiber zeichnete über einen Zeitraum von rund 55 Stunden mehr als 400 Parameter auf. Darüber hinaus lagen der Behörde die Gewichtsberechnungen vor. Das Startgewicht der Maschine betrug 114,4 Tonnen, während das berechnete Landegewicht bei 104,9 Tonnen lag.

Spurensicherung und weitere Schritte der Untersuchung

Am 8. September 2026 begannen die Ermittler der Behörde mit der Befragung der zuständigen Fluglotsen im Kontrollturm des Flughafens Miami sowie mit der Sicherung von Trümmerteilen an der Unfallstelle außerhalb des Fencings. Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, warum die aerodynamischen Bremsmittel und die Schubumkehr nicht zum Einsatz kamen und weshalb die Entscheidung für ein Durchstartmanöver zu einem späten Zeitpunkt getroffen und kurz darauf wieder widerrufen wurde.

Die Ermittlungen befinden sich in einem frühen Stadium. Neben den technischen Systemen des Flugzeugs werden auch die Umweltbedingungen, die Windverhältnisse zum Zeitpunkt der Landung sowie die Arbeitsabläufe in der Flugbetriebszentrale von 21 Air geprüft. Ein abschließender Bericht zur Unfallursache wird erst nach Auswertung aller technischen Parameter und Befragungsergebnisse erwartet.

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