Die freie Erkundung des Urlaubszieles mittels eines Mietwagens gehört für viele Reisende zum idealen Ferienerlebnis. Doch die Preise für Leihfahrzeuge können sich erheblich unterscheiden und ungeahnte Kostenfallen bergen, wie eine aktuelle Untersuchung der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK Oberösterreich) aufzeigt. In einem Vergleich von 18 beliebten europäischen Urlaubsdestinationen wurden Preisunterschiede von bis zu 165 Prozent festgestellt.
Die Studie, welche die Angebote von sechs namhaften Mietwagenfirmen für die erste Augustwoche 2025 analysierte, liefert wichtige Erkenntnisse und praktische Empfehlungen für Konsumenten, um das passende und kostengünstigste Fahrzeug für ihre Reise zu finden und unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Das Fazit der Experten: Ein umfassender Vergleich und die direkte Buchung beim Anbieter von zu Hause aus sind unerläßlich.
Umfassender Preisvergleich: AK Oberösterreich beleuchtet Mietwagenmarkt
Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat sich in ihrer jüngsten Untersuchung dem Mietwagenmarkt für Urlaubsreisende gewidmet. Für den detaillierten Preisvergleich wurden die Angebote von sechs international bekannten Mietwagenfirmen – darunter Branchengrößen wie Hertz, Avis, Europcar, Sixt, Enterprise und Sunny Cars – für die erste Augustwoche des Jahres 2025 im Internet recherchiert. Die Auswahl der Destinationen umfaßte 18 der beliebtesten europäischen Urlaubsziele, darunter zahlreiche griechische Inseln, Zypern, die italienischen Inseln Sardinien und Sizilien, verschiedene Regionen in Spanien und Portugal, Frankreich sowie Kroatien.
Im Fokus der Recherche stand die Suche nach der günstigsten verfügbaren Fahrzeugkategorie. Dabei wurde streng darauf geachtet, daß die angeführten Preise alle wesentlichen Leistungen umfaßten: sämtliche Steuern, unbegrenzte Kilometer sowie einen umfassenden Versicherungsschutz, bestehend aus Vollkaskoversicherung und Diebstahlversicherung. Zudem wurde die Möglichkeit berücksichtigt, ein Navigationssystem hinzuzumieten. Diese umfassende Herangehensweise sollte sicherstellen, daß die Vergleichbarkeit der Angebote gewährleistet war und versteckte Kostenfaktoren möglichst frühzeitig aufgedeckt wurden.
Die Ergebnisse des Preisvergleichs offenbarten beachtliche Diskrepanzen. Das absolut günstigste Leihauto ohne Selbstbehalt konnte die AK auf der kanarischen Insel Gran Canaria ausfindig machen, wo ein Fahrzeug bereits für 202 Euro pro Woche zu haben war. In den meisten der untersuchten Destinationen erwies sich Sunny Cars als der Anbieter mit dem besten Angebot ohne Selbstbehalt, was die Positionierung dieses Vermittlers im Segment der Vollkasko-Angebote unterstreicht.
Preishochburgen und Kostenfallen: Wo das Mieten teuer wird
Während Gran Canaria als verhältnismäßig preisgünstiges Pflaster für Mietwagenreisende identifiziert wurde, zeigten sich andere Destinationen als deutlich kostspieliger. Die teuersten Orte für die Anmietung eines Fahrzeugs waren laut AK-Studie Lissabon, Madeira und Sardinien. In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon lag das günstigste verfügbare Angebot ohne Selbstbehalt bei 333 Euro, während das teuerste Angebot für dieselbe Kategorie und denselben Zeitraum stolze 888 Euro erreichte. Dies entspricht einer immensen Preisdifferenz von 555 Euro für ein und dasselbe Mietauto, was die Notwendigkeit eines genauen Vergleichs für Reisende verdeutlicht.
Ein weiterer entscheidender Faktor, der die Kosten maßgeblich beeinflussen kann, ist die Frage des Selbstbehalts bei Versicherungen. Die AK Oberösterreich warnt hier vor erheblichen finanziellen Risiken: Laut den vorliegenden Angeboten können im Falle eines Versicherungsschadens bis zu 2.783 Euro vom Mieter als Selbstbehalt zu zahlen sein. Vergleicht man das jeweils günstigste Angebot je Destination mit und ohne Selbstbehalt, so ergeben sich im Durchschnitt Mehrkosten von 90 Euro pro Woche, um den Selbstbehalt gänzlich auszuschließen. Dies mag auf den ersten Blick wie eine zusätzliche Ausgabe erscheinen, jedoch bietet eine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt die größtmögliche Sicherheit und erspart im Schadensfall unangenehme Überraschungen und hohe Eigenleistungen. Die Entscheidung für oder gegen einen Selbstbehalt sollte daher sorgfältig abgewogen werden, insbesondere angesichts der hohen Summen, die im Schadensfall fällig werden könnten.
Buchungsempfehlungen: Direkter Weg zum Anbieter und Vorsicht bei Plattformen
Um das Mietauto nicht zur Kostenfalle werden zu lassen, gibt die AK Oberösterreich klare Empfehlungen für Reisende. An erster Stelle steht die Aufforderung, in Ruhe Preise zu vergleichen und sich keinesfalls durch vermeintliche „Schnäppchen“ oder Zeitdruck zu überstürzten Entscheidungen verleiten zu lassen. Eine sorgfältige Recherche von zu Hause aus, bevor die Reise beginnt, ist unerläßlich.
Ein weiterer wichtiger Hinweis betrifft den Buchungsweg: Die AK empfiehlt, den Mietwagen direkt beim Anbieter zu buchen und nicht über Online-Buchungsplattformen. Die Erfahrung zeigt, daß Online-Plattformen bei Problemen oder Unstimmigkeiten erfahrungsgemäß wenig hilfreich sind und selten günstigere Konditionen bieten als die direkten Buchungsportale der Mietwagenfirmen selbst. Dies kann in Schadensfällen oder bei Unklarheiten im Vertrag zu langwierigen und frustrierenden Auseinandersetzungen führen.
Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet der ÖAMTC, der als etablierter Automobilclub einen speziellen Service für seine Mitglieder anbietet. Der ÖAMTC ermöglicht einen Online-Vergleich der Angebote von renommierten Anbietern wie Avis, Europcar, Enterprise, Hertz und Sixt. Die über den ÖAMTC gebuchten Preise beinhalten in der Regel einen umfangreichen Versicherungsschutz ohne Selbstbehalt. Zudem profitieren Mitglieder bei Buchung über den Club oft von einem Preisvorteil von bis zu fünf Prozent. Dies macht den ÖAMTC zu einer vertrauenswürdigen Option für Reisende, die Wert auf Sicherheit und verläßliche Konditionen legen.
Praktische Hinweise für die Mietwagenübernahme und -rückgabe
Neben dem Buchungsprozeß sind auch die Übernahme und Rückgabe des Mietwagens entscheidende Momente, in denen Kostenfallen lauern können. Die AK Oberösterreich rät Reisenden, den Mietvertrag gründlich durchzulesen, bevor sie ihn unterschreiben. Hierbei sollten alle wichtigen Regelungen genau geprüft werden. Dazu zählen insbesondere der Versicherungsschutz (Haftpflichtversicherung, Mindestversicherungssumme, Vollkasko- und Diebstahlversicherung, mit oder ohne Selbstbehalt), die Tankregelung (voll/voll oder voll/leer), Regelungen für zusätzliche Fahrer, das Mindestalter der Fahrer sowie das Verhalten im Schadensfall. Unklarheiten in diesen Punkten können später zu hohen Nachforderungen führen.
Bei der Übernahme des Mietwagens vor Ort ist besondere Wachsamkeit geboten. Es kommt nicht selten vor, daß Kunden dort zusätzlich zur Kasse gebeten werden, beispielsweise durch den Versuch, ihnen eine unnötige Zusatzversicherung zu verkaufen, obwohl bereits ein ausreichender Schutz gebucht wurde. Eine sorgfältige Prüfung der Dokumente und ein kritischer Blick auf die angebotenen Zusatzleistungen sind hier unerläßlich.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die ausgiebige Besichtigung des Fahrzeugs vor der Abfahrt. Alle bereits vorhandenen Schäden, seien es Kratzer, Dellen oder Absplitterungen, müssen unbedingt vom Vermieter im Übergabeprotokoll festgehalten werden. Es empfiehlt sich zudem, eigene Fotos oder Videos vom Zustand des Fahrzeugs zu machen, um im Streitfall einen Nachweis zu haben.
Bei der Rückgabe des Fahrzeugs sollte man sich immer bestätigen lassen, daß der Mietwagen schadensfrei übergeben wurde. Dies kann durch ein unterschriebenes Protokoll oder eine schriftliche Bestätigung des Vermieters erfolgen. Für den Fall, daß bei der Rückgabe niemand vom Vermieter vor Ort ist, wie es beispielsweise bei Abgaben außerhalb der Geschäftszeiten vorkommen kann, erspart ein bereits abgeschlossener Vollkaskoschutz ohne Selbstbehalt nachträgliche Diskussionen und Forderungen. Das Festhalten des Kilometerstandes und des Tankfüllstandes bei Übergabe und Rückgabe ist ebenfalls ratsam.
Die Studie der AK Oberösterreich zum Mietwagenmarkt verdeutlicht, daß die flexible Erkundung des Urlaubszieles zwar reizvoll ist, aber einer genauen Planung und Voraussicht bedarf. Die enormen Preisunterschiede und die potenziellen Kostenfallen, insbesondere im Zusammenhang mit Versicherungen und Zusatzleistungen, machen einen umfassenden Vergleich und eine bewußte Buchungsentscheidung unumgänglich. Die Empfehlung, direkt beim Anbieter zu buchen, Verträge genau zu prüfen und den Fahrzeugzustand sorgfältig zu dokumentieren, sind goldwert für jeden Reisenden. Wer diese Ratschläge befolgt, kann seinen Urlaub unbeschwert genießen und den Mietwagen als praktisches Fortbewegungsmittel nutzen, anstatt ihn zur unerwarteten Kostenfalle werden zu lassen.