Die Reisebranche im Nahen Osten und in der Golfregion steht vor einer beispiellosen Krise, nachdem die militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem Iran, Israel und den USA eine neue Stufe der Gewalt erreicht haben. Infolge massiver Raketenangriffe und Drohneneinschläge, die unter anderem prominente touristische Wahrzeichen in Dubai trafen, hat das Auswärtige Amt umfassende Reisewarnungen für die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Katar, den Oman, Jordanien und Israel ausgesprochen.
Die Auswirkungen sind verheerend: Die zentralen Luftverkehrsdrehkreuze der Region – Dubai, Abu Dhabi und Doha – wurden für den zivilen Flugverkehr vollständig geschlossen. Laut Schätzungen des Deutschen Reiseverbandes sind derzeit rund 30.000 deutsche Pauschalreisende unmittelbar von den Ereignissen betroffen, sei es als Urlauber vor Ort oder als Transitpassagiere auf dem Weg zu Zielen in Asien und im Indischen Ozean. Während Kreuzfahrtschiffe in den Häfen festliegen und Fluggesellschaften wie Lufthansa, Emirates und Qatar Airways ihre Verbindungen gestrichen haben, berichten Sicherheitsdienste von direkten Einschlägen in Luxushotels, was die Region faktisch zur Sperrzone für den internationalen Tourismus macht.
Angriffe auf touristische Infrastruktur in Dubai
Die Intensität der Kämpfe hat am vergangenen Wochenende eine Dimension erreicht, die auch die vermeintlich sicheren Zonen der Urlaubsmetropolen erfasst. Besonders dramatisch stellt sich die Lage in Dubai dar. Informationen des Sicherheitsdienstleisters A3M zufolge geriet bereits am Samstag das Fairmont Hotel auf der künstlichen Insel The Palm nach einem Beschuss durch Raketen oder Drohnen in Brand. Die Lage verschärfte sich am Sonntag weiter, als Berichte über einen Treffer auf das Burj al Arab, eines der bekanntesten und luxuriösesten Hotels der Welt, die Runde machten. Dass diese ikonischen Wahrzeichen direkt ins Visier geraten sind, markiert einen Wendepunkt für die Sicherheitseinschätzung der gesamten Region. Die Gebiete rund um die betroffenen Hotels gehören normalerweise zu den am stärksten frequentierten Tourismuszonen der Welt.
In der benachbarten Metropole Abu Dhabi kam es ebenfalls zu schwerwiegenden Zwischenfällen. Während iranischer Vergeltungsschläge wurde der dortige internationale Flughafen getroffen. Die Betreibergesellschaft bestätigte einen tödlichen Vorfall, bei dem eine Person ums Leben kam und sieben weitere Personen verletzt wurden. Auch am Flughafen von Dubai wurden mehrere Verletzte gemeldet. Diese gezielten Angriffe auf die Verkehrsinfrastruktur haben dazu geführt, dass eine geordnete Evakuierung der tausenden gestrandeten Touristen derzeit kaum möglich ist. Immerhin signalisierten lokale Behörden in Abu Dhabi, dass die Unterkunftskosten für festsitzende Passagiere vorerst staatlich übernommen werden sollen.
Zusammenbruch der Luftbrücken und globale Folgeschäden
Die Schließung der großen Drehkreuze am Golf zieht Kreise, die weit über die unmittelbare Konfliktregion hinausreichen. Da Flughäfen wie Dubai und Doha als zentrale Knotenpunkte für den Weltluftverkehr fungieren, ist das gesamte Streckennetz in Richtung Osten und Süden kollabiert. Zahlreiche Fernverbindungen auf die Seychellen, nach Mauritius, Thailand oder Bali sind unterbrochen, da die notwendigen Umsteigeverbindungen schlichtweg nicht mehr existieren. Deutsche Reiseveranstalter haben bereits reagiert und sämtliche Pauschalreisen, die über diese Transitpunkte führen sollten, für die kommenden Tage konsequent abgesagt.
Fluggesellschaften wie Etihad, Emirates und Qatar Airways haben ihren Betrieb in die betroffenen Gebiete nahezu vollständig eingestellt. Auch die Lufthansa hat ihre Flugpläne angepasst und streicht sämtliche Verbindungen in die Krisenregion. Für die betroffenen 30.000 Reisenden aus Deutschland bedeutet dies eine Phase extremer Ungewissheit. Der Deutsche Reiseverband steht in ständigem Kontakt mit den Veranstaltern, um Lösungen für die Rückführung der Urlauber zu finden, sobald sich erste Korridore für Evakuierungsflüge öffnen. Die Komplexität der Lage wird dadurch verschärft, dass viele Reisende über verschiedene Fluggesellschaften und Portale gebucht haben, was eine zentrale Koordination der Rückholung erschwert.
Kreuzfahrtflotten in der geografischen Falle
Besonders prekär ist die Situation für die Passagiere der großen Kreuzfahrtgesellschaften. Mehrere Schiffe befinden sich derzeit im Persischen Golf und können diesen aufgrund der militärischen Lage nicht verlassen. Die Mein Schiff 4 von Tui Cruises liegt im Hafen von Abu Dhabi fest, während die Mein Schiff 5 in Doha (Katar) verweilt. Die MSC Euribia von MSC Cruises befindet sich im Hafen von Dubai. Da die einzige Route in den Indischen Ozean durch die schmale Straße von Hormus führt, die unmittelbar an iranisches Staatsgebiet grenzt, gelten diese Schiffe strategisch als blockiert.
Die Reedereien haben den Bordbetrieb auf Notfallmodus umgestellt. Landausflüge wurden eingestellt, und die Gäste wurden angewiesen, sich in sicheren Bereichen der Schiffe aufzuhalten. Eine Fortsetzung der Kreuzfahrten ist unter den aktuellen Bedingungen ausgeschlossen. Die größte Sorge der Kapitäne und Reedereien gilt einer möglichen Verminung oder vollständigen Sperrung der Meerenge durch den Iran, was die Schiffe für unbestimmte Zeit in einer geografischen Sackgasse festsetzen würde. Die Evakuierung der Passagiere von den Schiffen per Flugzeug ist aufgrund der geschlossenen Flughäfen derzeit ebenfalls kein gangbarer Weg.
Sicherheitsmanagement und Krisenvorsorge
Das Auswärtige Amt in Berlin hat seine Warnhinweise in den letzten Stunden mehrfach verschärft. Reisende, die sich noch in der Region aufhalten, werden dringend dazu aufgefordert, sich in die Krisenvorsorgeliste Elefand einzutragen. Nur so kann eine effektive Kommunikation zwischen den diplomatischen Vertretungen und den Staatsbürgern im Ernstfall gewährleistet werden. In Deutschland nutzen die meisten Reisebüros das Echtzeit-Informationssystem von A3M, um Kunden über die stündlich wechselnde Lageeinschätzung zu informieren.
Die aktuelle Krise verdeutlicht die Anfälligkeit des modernen Massentourismus gegenüber geopolitischen Verwerfungen. Regionen, die noch vor wenigen Tagen als Inbegriff von Luxus und Sicherheit galten, haben sich innerhalb von Stunden in ein Kriegsgebiet verwandelt. Die wirtschaftlichen Einbußen für die Tourismusindustrie am Golf werden bereits jetzt als historisch eingestuft. Experten gehen davon aus, dass selbst nach einer eventuellen Deeskalation Monate vergehen könnten, bis das Vertrauen der internationalen Reisenden wiederhergestellt ist und die Versicherungskosten für Flüge und Aufenthalte in der Region wieder ein tragbares Niveau erreichen. Bis dahin bleibt der Golf eine Zone, die von der touristischen Landkarte weitgehend gestrichen ist.