Der Flughafen Klagenfurt übernimmt neben seiner Funktion für den zivilen Luftverkehr eine regelmäßige Rolle als logistischer und operativer Stützpunkt für das Österreichische Bundesheer. Im Rahmen von militärischen Ausbildungs- und Übungsvorhaben stellt der Kärntner Landesflughafen seine Start- und Landebahnen sowie Abstellflächen für unterschiedliche Luftfahrzeuge zur Verfügung.
Ein aktuelles Beispiel für diese Kooperation bildet die Übungsserie SERE (Survive, Evade, Resist, Extract), die vom 24. August bis zum 4. September 2026 in Kärnten stattfindet. Rund 130 Angehörige des Jagdkommandos trainieren dabei spezielle Einsatzverfahren, wozu auch die Aus- und Fortbildung von Fallschirmspringern unter Nutzung der zivilen Infrastruktur gehört. Neben Übungen wie dieser nutzen die Luftstreitkräfte den Standort regelmäßig für temporäre Verlegungen von Abfangjägern des Typs Eurofighter sowie als Basis für Hubschraubereinsätze.
Ablauf und Hintergründe der Übungsserie SERE in Kärnten
Die Abkürzung SERE steht für die militärischen Kernfähigkeiten Überleben, Ausweichen, Widerstehen und Extraktion. Diese Ausbildungsinhalte sind darauf ausgerichtet, Personen in isolierten oder extremen Lagen auf das Verhalten hinter feindlichen Linien oder in unwegsamen Gebieten vorzubereiten. Das Jagdkommando als Spezialverband des Bundesheeres führt diese Einheiten durch, um die Handlungsfähigkeit in komplexen Szenarien aufrechtzuerhalten.
Während der zwei Wochen dauernden Ausbildungsmassnahme dient der Flughafen Klagenfurt als Ausgangspunkt für fliegerische Operationen. Zum Einsatz kommt unter anderem ein Transportflugzeug vom Typ C-130 Hercules. Von Klagenfurt aus starten die Maschinen, um Fallschirmabsprünge im Kärntner Luftraum und über ausgewählten Absetzzonen durchzuführen. Die Nähe des Flughafens zu den alpinen Trainingsräumen ermöglicht kurze Anflugzeiten und eine effiziente Abwicklung der Flugstunden.
Das Spektrum der Kooperation zwischen Zivilflughafen und Streitkräften
Die Nutzung des Standorts Klagenfurt durch das Bundesheer beschränkt sich nicht auf vereinzelte Manöver, sondern beruht auf einer jahrelangen Übungspraxis. Der Flughafen bietet dem Militär eine funktionierende Infrastruktur mit langen Startbahnen, Betankungsanlagen, Flugsicherungsdiensten und Hangars, ohne dass das Bundesheer vor Ort eine dauerhafte und voll ausgebauten Luftwaffenbasis unterhalten muss.
Ein wichtiger Aspekt ist die temporäre Stationierung von Eurofighter-Abfangjägern. Wenn die Heimmuskete am Militärflugplatz Zeltweg wegen Wartungsarbeiten an der Piste oder Großveranstaltungen nicht voll nutzbar ist, verlegen die Luftstreitkräfte Teile der aktiven Luftraumüberwachung nach Klagenfurt. Von dort aus sichern die Eurofighter die permanente Überwachung des österreichischen Luftraums. Darüber hinaus fungiert der Standort als Stützpunkt für militärische Hubschrauber, die sowohl für Ausbildungsflüge als auch für Assistenzeinsätze bei Naturkatastrophen oder Suchaktionen im südösterreichischen Raum eingesetzt werden.
Beurteilung durch Unternehmensführung und Militärkommando
Die Führung des Flughafens Klagenfurt und das Militärkommando Kärnten bewerten die operative Partnerschaft positiv. Geschäftsführer Maximilian Wildt verweist auf die Eignung des Standorts für unterschiedliche militärische Vorhaben. Der Zivilflughafen fungiere als leistungsfähiger Partner, der zur Auslastung der vorhandenen Kapazitäten beitrage und die regionale Infrastruktur zur Verfügung stelle.
Aus der Perspektive des Militärkommandanten von Kärnten, Brigadier Philipp Eder, sichert die Kooperation die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Die Flexibilität bei der Nutzung ziviler Plätze sei für das Bundesheer notwendig, um die Luftraumüberwachung lückenlos zu gewährleisten und den Streitkräften realitätsnahe Ausbildungsbedingungen zu bieten. Die Kombination aus zivilem Linien- beziehungsweise Charterverkehr und militärischer Nutzung gehört an mehreren österreichischen Regionalflughäfen zur gängigen Praxis.
Rahmenbedingungen und ökonomische Faktoren der Mehrfachnutzung
Regionalflughäfen wie Klagenfurt stehen vor der Herausforderung, ihre Infrastruktur gleichmäßig auszulasten. Vor dem Hintergrund schwankender Passagierzahlen im zivilen Liniengeschäft stellen Entgelte für militärische Starts, Landungen und Bodendienste eine zusätzliche Einnahmequelle dar. Die logistische Abwicklung militärischer Flüge erfordert genaue Absprachen mit der zivilen Flugsicherung Austro Control, um den normalen Flugbetrieb nicht zu beeinträchtigen.
Gleichzeitig führt die Nutzung durch Düsenflugzeuge wie den Eurofighter oder schwere Transportmaschinen gelegentlich zu Lärmbelastungen für die umliegenden Anwohner. Die Flughafenbetriebsgesellschaft und das Bundesheer versuchen, diese Auswirkungen durch festgelegte An- und Abflugrouten sowie eine Konzentration der Flugzeiten auf die Tagesstunden zu begrenzen. Dennoch bleibt das Spannungsfeld zwischen den betrieblichen Erfordernissen der Streitkräfte und den Interessen der Anrainer ein wiederkehrendes Thema im Umfeld des Flughafens.
Ausblick auf die künftige Rollenverteilung am Standort Klagenfurt
Die Entwicklung der Sicherheitslage in Europa hat in den vergangenen Jahren zu einer Neubewertung der Aufgaben des Bundesheeres geführt. Damit einher geht ein erhöhter Bedarf an Ausbildungsflügen und Transportkapazitäten. Für den Flughafen Klagenfurt bedeutet dies, dass militärische Nutzer auch künftig als fester Bestandteil in der Belegungsplanung verbleiben werden.
Die Infrastruktur des Standorts wird weiterhin so vorgehalten, dass eine rasche Umstellung von ziviler Nutzung auf militärische Erfordernisse möglich ist. Damit bleibt der Flughafen Klagenfurt ein Knotenpunkt für die regionale Anbindung im Luftverkehr und gleichzeitig ein Element der militärischen Versorgungs- und Ausbildungskette in Südösterreich.