Eurofighter Halcón (Foto: Airbus /Juanjo Sanz - Mango Producciones).
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Milliardenschwerer Auftrag sichert Eurofighter-Produktion: Deutschland bestellt 20 Kampfjets der Tranche 5

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Der deutsche Bundestag steht vor der Freigabe einer milliardenschweren Investition in die Luftwaffe und das europäische Eurofighter-Programm. Demnach soll der Haushaltsausschuss in Kürze die Beschaffung von 20 zusätzlichen Eurofighter-Kampfjets der neuesten Ausführung, bekannt als Tranche 5, autorisieren. Die Gesamtkosten für die Flugzeuge und 52 Triebwerke belaufen sich laut einer Beschlussvorlage auf 3,75 Milliarden Euro. Die Auslieferung der Kampfflugzeuge an die Bundeswehr ist für den Zeitraum von 2031 bis 2034 vorgesehen.

Obwohl der Hersteller Airbus auf eine größere Bestellung gehofft hatte, liefert der Auftrag über 20 Maschinen dem multinationalen Konsortium eine dringend benötigte Planungssicherheit, um die Produktionslinien bis zur möglichen Einführung des Nachfolgesystems, des Future Combat Air System (FCAS), im Jahr 2040 aufrechtzuerhalten. Der Beschluss ist das teuerste Einzelvorhaben in der aktuellen Sitzung des Haushaltsausschusses und unterstreicht die militärische Notwendigkeit, die Kampffähigkeit der deutschen Luftwaffe zu modernisieren und langfristig zu sichern.

Die Tranche 5: Eine Brücke in die Zukunft der Luftverteidigung

Die Eurofighter-Bestellung ist ein direktes Resultat der Überlegungen der Bundesregierung zur Modernisierung der Streitkräfte und zur Schließung von Fähigkeitslücken. Die neuen Flugzeuge der Tranche 5 werden die deutsche Eurofighter-Flotte, die aktuell über 138 Jets verfügt, auf einem technologisch aktuellen Stand halten.

Die Jets der Tranche 5 sind als eine Brückenlösung zwischen der aktuellen Generation von Kampfflugzeugen und dem in Entwicklung befindlichen deutsch-französisch-spanischen FCAS konzipiert. Die Entwicklung von FCAS steht derzeit vor Herausforderungen, was die Notwendigkeit unterstreicht, die vorhandenen Fähigkeiten des Eurofighters maximal auszubauen.

Ablösung der ersten Generation

Zuletzt hatte Deutschland vor fünf Jahren, im Jahr 2020, 38 Eurofighter der Tranche 4 bestellt – ein Projekt, das auch unter dem Namen „Quadriga“ bekannt ist. Diese Maschinen dienen hauptsächlich dem Ersatz der ältesten Eurofighter-Modelle der Tranche 1, die zwischen 2003 und 2008 beschafft wurden. Die Jets der ersten Baureihe können ausschließlich für den Luftkampf eingesetzt werden, und viele Ersatzteile werden nicht mehr hergestellt, was deren Betrieb mittelfristig zunehmend teuer und kompliziert machen würde. Die neuen Tranche-4- und nun die geplanten Tranche-5-Flugzeuge stellen eine technologische Vereinheitlichung und Flexibilisierung der Flotte sicher. Sie sind mit modernster E-Scan-Radartechnik ausgestattet, die eine verbesserte Erfassung und Verfolgung von Luft- und Bodenzielen erlaubt.

Politische und finanzielle Dimension

Die Verhandlungen über eine weitere Eurofighter-Bestellung wurden bereits von der Vorgängerregierung angestoßen, wobei zwischenzeitlich sogar eine Größenordnung von bis zu 35 Flugzeugen im Raum stand. Die nun auf 20 Maschinen reduzierte Bestellung spiegelt möglicherweise eine Abwägung zwischen den finanziellen Realitäten der Bundeswehr und der Notwendigkeit der Industrieförderung wider.

Der Haushaltsausschuss des Bundestags spielt bei derartigen Großprojekten eine zentrale Rolle, da alle Beschaffungs- und Entwicklungsvorhaben der Bundeswehr ab einem Volumen von 25 Millionen Euro seine gesonderte Zustimmung benötigen. Die Freigabe von 3,75 Milliarden Euro für die Tranche 5 ist dabei nur ein Teil eines umfassenderen Beratungszyklus, in dem der Ausschuss über 14 Rüstungsprojekte im Wert von insgesamt sieben Milliarden Euro entscheidet.

Das Eurofighter-Konsortium unter Druck

Der Eurofighter Typhoon ist ein Gemeinschaftsprojekt der Rüstungsunternehmen Airbus (Deutschland, Spanien), BAE Systems (Großbritannien) und Leonardo (Italien). Das Programm bündelt jahrzehntelange europäische Erfahrung im militärischen Flugzeugbau. Laut Schätzungen sichert das Programm in den Partnerländern knapp 100.000 Arbeitsplätze in über 400 Firmen und wird als Symbol für technologische Souveränität betrachtet.

Der letzte deutsche Auftrag liegt nun fünf Jahre zurück, was für die Aufrechterhaltung des Produktionsflusses und die Beschäftigung von hochspezialisiertem Personal eine Herausforderung darstellt. Neue Aufträge sind existentiell wichtig, um die Kapazitäten auszulasten, bis die Entwicklungsphase von FCAS abgeschlossen ist und dessen Produktion beginnen könnte. Ohne eine lückenlose Auslastung droht das Risiko, wertvolles Know-how und qualifizierte Arbeitskräfte zu verlieren.

Hoffnung auf internationale Aufträge

Die Partner des Eurofighter-Konsortiums setzen daher große Hoffnungen auf Exportaufträge, um ihre Auftragsbücher aufzufüllen.

  • Saudi-Arabien: Hier besteht seit Längerem Interesse an weiteren Käufen, doch die Exportfreigabe durch Deutschland war in der Vergangenheit wegen politischer Bedenken blockiert. Ein grundsätzliches Signal der Offenheit der Bundesregierung für einen Export könnte die Situation entspannen.
  • Türkei: Die Türkei hat Interesse am Kauf von bis zu 40 Eurofighter-Jets signalisiert. Das Vereinigte Königreich und die Türkei haben im Juli 2025 ein Memorandum of Understanding für den Export des Eurofighters geschlossen. Deutschland hatte eine Freigabe lange Zeit aufgrund politischer Differenzen hinausgezögert. Berichten zufolge scheint der Weg für eine mögliche Lieferung nun aber geebnet. Die Türkei betrachtet den Eurofighter-Kauf auch als Option zur Modernisierung ihrer Luftstreitkräfte, während sie gleichzeitig ihre Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über die Beschaffung von F-16-Jets vorantreibt.
  • Katar: Auch von Katar, das bereits Eurofighter gekauft hat, werden weitere Bestellungen erwartet.

Die Bestellungen der Partnernationen, wie die nun anstehende deutsche Tranche 5, sowie die potenziellen Exporte sind entscheidend, um die Produktion und die Weiterentwicklung des Eurofighter Long Term Evolution (LTE)-Programms zu sichern. Das LTE-Programm ist darauf ausgerichtet, die zentrale Systeme, wie Radar und Missionsrechner, kontinuierlich zu verbessern, um die Leistungsfähigkeit des Jets bis zum Ende seiner geplanten Nutzungsdauer zu gewährleisten.

Der deutsche Beschaffungsentscheid für 20 Flugzeuge ist ein wichtiger Schritt, der sowohl die Einsatzbereitschaft der Luftwaffe bis zur Einführung des FCAS absichert als auch einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung der europäischen Rüstungsindustrie leistet. Die ersten Auslieferungen der Tranche 5 in den Jahren 2031 bis 2034 werden dann die modernsten Kampfflugzeuge der deutschen Luftwaffe darstellen.

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