Flughafen Leipzig/Halle (Foto: Flughafen Leipzig/Halle GmbH, Uwe Schossig).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Mitteldeutschen Flughafen AG: Ausstieg aus der staatlichen Defizitfinanzierung bis 2030 beschlossen

Werbung

Die Landesregierungen von Sachsen und Sachsen-Anhalt haben einen weitreichenden Plan zur finanziellen Konsolidierung der Mitteldeutschen Flughafen AG (MFAG) vorgelegt. Das am 21. Januar 2026 vorgestellte Konzept sieht vor, die staatlichen Zuschüsse für die Standorte Leipzig/Halle und Dresden in den kommenden vier Jahren schrittweise abzubauen, um ab 2030 eine vollständige Eigenfinanzierung des operativen Betriebs zu erreichen.

Während Sachsen-Anhalt seinen Fokus ausschließlich auf den Frachtknotenpunkt Leipzig/Halle legt, wird der Freistaat Sachsen für den Flughafen Dresden eine zusätzliche Übergangsfinanzierung bereitstellen. Hintergrund dieser Entscheidung ist eine aktuelle Studie, die den Flughäfen eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für die gesamte Region attestiert. Mit einer jährlichen Bruttowertschöpfung von über vier Milliarden Euro und der Sicherung von mehr als 50.000 Arbeitsplätzen gelten die Airports als zentrale Infrastrukturobjekte. Trotz der aktuell angespannten Sanierungslage zeigen sich sowohl die Politik als auch das Management zuversichtlich, dass die operative Wende bereits im laufenden Geschäftsjahr eingeleitet werden kann.

Stufenplan zur Reduzierung der Landesmittel

Die finanzielle Vereinbarung zwischen den beiden Anteilseignern sieht eine klare Degression der Ausgleichszahlungen vor. Für das Jahr 2026 sind noch Kompensationsleistungen in Höhe von insgesamt 37 Millionen Euro eingeplant. In den Folgejahren sinken diese Beträge kontinuierlich: 2027 auf 28 Millionen Euro, 2028 auf 21 Millionen Euro und 2029 auf 13 Millionen Euro. Ab dem 1. Januar 2030 soll die MFAG keine weiteren Mittel aus den Landeshaushalten für den allgemeinen Betrieb erhalten. Die Lastenverteilung folgt dabei den Gesellschafteranteilen, wobei Sachsen 81,3 Prozent der Summen trägt und Sachsen-Anhalt die verbleibenden 18,7 Prozent beisteuert.

Sachsens Finanzminister Christian Piwarz bezeichnete die aktuelle Phase als eine sehr angestrengte Sanierungssituation, betonte jedoch, dass erste Erfolge der Restrukturierung bereits sichtbar seien. Das Ziel sei die schwarze Null im operativen Geschäft, die laut dem Vorstandsvorsitzenden der MFAG, Götz Ahmelmann, bereits für 2026 angestrebt wird. Damit soll die Basis geschaffen werden, um künftige Investitionen und laufende Kosten ohne die Hilfe der Steuerzahler zu bewältigen. Die Vereinbarung steht derzeit noch unter dem Vorbehalt der endgültigen Haushaltsbeschlüsse in beiden Landtagen sowie der formellen Unterzeichnung durch die Ministerpräsidenten.

Sonderregelung für den Standort Dresden

Ein wesentlicher Aspekt des neuen Konzepts ist die Differenzierung zwischen den beiden Standorten. Während Leipzig/Halle als einer der bedeutendsten Frachtflughäfen Europas über ein stabiles Geschäftsmodell verfügt, steht der Flughafen Dresden vor spezifischen Herausforderungen. Um den Betrieb in der sächsischen Landeshauptstadt abzusichern, hat sich der Freistaat Sachsen bereit erklärt, ab 2027 bis vorerst 2030 jährlich neun Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung zu stellen.

Dieser sogenannte Strukturausgleich ist explizit für Aufgaben nichtwirtschaftlicher Art vorgesehen, also für Infrastrukturvorhalte, die für den Luftverkehrsstandort notwendig sind, aber nicht unmittelbar durch Marktgebühren gedeckt werden können. Sachsen-Anhalt ist an dieser Sonderfinanzierung nicht beteiligt, da dessen Engagement vertraglich auf den Standort Leipzig/Halle begrenzt bleibt. Diese finanzielle Flankierung soll Dresden die nötige Zeit verschaffen, um seine Position im Wettbewerb der Regionalflughäfen zu festigen und eigene Erlösquellen weiterzuentwickeln.

Wirtschaftliche Hebelwirkung und regionale Bedeutung

Zur Untermauerung der Sanierungsstrategie wurde eine detaillierte Analyse durch die IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Funktion der Flughäfen als ökonomische Motoren für Mitteldeutschland. Mit einer jährlichen Bruttowertschöpfung von 4,6 Milliarden Euro leisten die Standorte einen massiven Beitrag zum regionalen Bruttoinlandsprodukt. Besonders beeindruckend ist die Zahl der assoziierten Arbeitsplätze: Über 52.000 Stellen hängen direkt oder indirekt von der Funktionsfähigkeit der beiden Airports ab.

Ein weiteres Argument für die Fortführung der Unterstützung bis 2030 ist das steuerliche Aufkommen. Laut der Untersuchung generieren die Flughäfen jährlich etwa 875 Millionen Euro an Steuereinnahmen für Bund, Länder und Kommunen. Damit übersteigen die fiskalischen Rückflüsse die staatlichen Subventionen um mehr als das Sechsfache. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Investition in die MFAG keine reine Subventionierung eines Verlustgeschäfts ist, sondern eine Sicherung von Steuerquellen und Beschäftigung in strukturell wichtigen Branchen wie Logistik, Mikroelektronik und Tourismus.

Operative Herausforderungen und Marktumfeld

Trotz der positiven volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung muss sich die Mitteldeutsche Flughafen AG in einem schwierigen Marktumfeld behaupten. Der Standort Leipzig/Halle profitiert massiv vom globalen E-Commerce und seiner Rolle als europäisches Drehkreuz für große Logistikkonzerne. Hier liegen die Wachstumsraten im Frachtbereich stabil auf hohem Niveau, was die Erreichung der Gewinnzone erleichtert.

Dresden hingegen kämpft mit den veränderten Rahmenbedingungen im innerdeutschen Linienverkehr. Hier liegt der Fokus verstärkt auf der Anbindung des Hightech-Standorts Silicon Saxony an internationale Drehkreuze. Die Sanierung umfasst daher nicht nur Kosteneinsparungen, sondern auch eine Optimierung der Entgeltstrukturen und eine Steigerung der Erträge aus dem Non-Aviation-Bereich, wie etwa Vermietungen und Dienstleistungen am Boden. Götz Ahmelmann betonte, dass die Sanierung kein Selbstzweck sei, sondern dazu diene, die Flughäfen als Lebensader für die Region dauerhaft und unabhängig zu erhalten.

Ausblick auf die Sanierungsziele bis 2030

Der beschlossene Ausstiegspfad markiert eine Zäsur in der Geschichte der mitteldeutschen Luftfahrtinfrastruktur. Die kommenden vier Jahre werden zur Bewährungsprobe für das Management der MFAG. Sollte das Ziel der operativen schwarzen Null im Jahr 2026 erreicht werden, wäre dies ein wichtiges Signal an die Finanzmärkte und die politischen Entscheider. Der schrittweise Entzug der Landesmittel zwingt das Unternehmen zu einer konsequenten marktwirtschaftlichen Ausrichtung.

Die Einmütigkeit zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt gilt dabei als entscheidender politischer Faktor. Durch das klare Bekenntnis zur Holding-Struktur wird ein Auseinanderbrechen der Gesellschaft verhindert, was die Verhandlungsposition gegenüber Airlines und Logistikpartnern stärkt. Sollten die Annahmen der Sanierungsstudie eintreffen, werden die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden zum Ende des Jahrzehnts als finanziell autarke Einheiten operieren und damit die Phase der staatlichen Defizitabdeckung endgültig beenden.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung