Flughafen Bukarest-Băneasa (Foto: Magercu).
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Modernisierungspläne für den Flughafen Bukarest-Băneasa: Drei internationale Bietergruppen

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Die Nationale Flughafengesellschaft Bukarest (CNAB) hat einen entscheidenden Schritt zur langfristigen Neuausrichtung des Flughafens Aurel Vlaicu, besser bekannt als Băneasa, eingeleitet. Für die Erstellung einer umfassenden Machbarkeitsstudie zur Modernisierungs- und Erweiterungsstrategie des zweitgrößten Bukarester Flughafens sind drei Angebote von namhaften internationalen Planungs- und Ingenieurbüros eingegangen.

Das ehrgeizige Projekt zielt darauf ab, die Kapazitäten des historischen Stadtflughafens massiv zu erhöhen und die Infrastruktur für den modernen kommerziellen Luftverkehr sowie den wachsenden Bereich der Business-Aviation zu rüsten. Herzstück der Planungen ist der Bau eines neuen Passagierterminals mit einer Kapazität von mindestens 1.600 Fluggästen pro Stunde sowie die potenzielle Integration bestehender Hangar-Strukturen des benachbarten Luftfahrtunternehmens Romaero. Mit einem geschätzten Auftragswert von 7,43 Millionen Lei für die Dokumentationsphase setzt die CNAB ein klares Signal für den Luftfahrtstandort Bukarest, der nach einem Verkehrsaufkommen von fast 695.000 Passagieren im Jahr 2025 nun eine deutliche Kapazitätserweiterung auf bis zu 2,5 Millionen Passagiere pro Jahr anstrebt.

Internationale Expertise für Bukarests Luftfahrtinfrastruktur

Die Ausschreibung hat ein breites Echo in der internationalen Ingenieurswelt gefunden. Drei Konsortien haben ihre Unterlagen eingereicht, um die künftige Gestalt des Flughafens Băneasa zu entwerfen. Zu den Bietern gehört erstens das Unternehmen Urban Scope als Federführer in Zusammenarbeit mit Partnern wie Setec International und verschiedenen Spezialberatern. Zweitens bewirbt sich Egis România zusammen mit Arcadis Consulting aus Großbritannien und Egis Avia um den Auftrag. Das dritte Angebot stammt von einer Allianz unter der Leitung von Quadratum Architecture, die mit dem renommierten Büro Haskoning Nederland (NACO – Netherlands Airport Consultants) kooperiert, einem Schwergewicht im Bereich der globalen Flughafenplanung.

Die Auswahl dieser Akteure unterstreicht die Komplexität des Vorhabens. Es geht nicht nur um ein einfaches Gebäude, sondern um die Integration eines modernen Terminals in das bestehende System aus Start- und Landebahnen sowie Rollwegen. Die Planer haben nach Erteilung des Auftrags acht Monate Zeit, um eine detaillierte Strategie vorzulegen, die sowohl die technische Machbarkeit als auch die wirtschaftliche Effizienz der Investitionen beleuchtet.

Zwei Pfade für das neue Passagierterminal

Die CNAB lässt den Planern in der Ausschreibung zwei grundsätzliche Optionen für die Erweiterung offen. Die erste Variante sieht eine Umnutzung von Bestandsflächen vor. Hierbei würde der Hangar Nummer 2 des Unternehmens Romaero übernommen und in ein modernes Terminal mit einer Fläche von 4.000 Quadratmetern umgewandelt. Hinzu käme eine angrenzende Freifläche von 18.000 Quadratmetern zur operativen Nutzung. Diese Lösung könnte baugeschichtliche Aspekte mit moderner Funktionalität verknüpfen und wertvolle Flächenressourcen nutzen.

Die alternative Variante besteht im Neubau eines Terminals auf eigenem Grund und Boden der CNAB, konkret im nördlichen Bereich der Start- und Landebahn. Unabhängig von der gewählten Option muss das neue Terminal einen schnellen Zugriff auf die gesamte Flugplatzinfrastruktur gewährleisten. Die Zielvorgabe von 1.600 Passagieren pro Stunde verdeutlicht den Anspruch, Băneasa als leistungsfähige Alternative zum Hauptflughafen Otopeni zu etablieren, insbesondere für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und Low-Cost-Carrier, die von der stadtnäheren Lage profitieren möchten.

Spezialisierung auf Business-Aviation und General Aviation

Ein wesentlicher Pfeiler der neuen Strategie ist die konsequente Trennung der Verkehrsströme. Um den Betrieb zu maximieren und den hohen Anforderungen der Geschäftsluftfahrt gerecht zu werden, soll ein dediziertes Terminal für die allgemeine Luftfahrt und den Business-Sektor entstehen. Auch hier stehen zwei Wege zur Debatte: Entweder die Übernahme des Romaero-Hangars Nummer 3 oder ein Neubau im nördlichen Sektor.

Dieser Fokus auf die Business-Aviation ist eine Reaktion auf die steigende Nachfrage nach diskreten und effizienten Abfertigungsprozessen in der rumänischen Hauptstadt. Băneasa genießt aufgrund seiner Lage innerhalb des Stadtgebiets einen erheblichen Wettbewerbsvorteil für Geschäftsreisende. Durch eigene Hangars und exklusive Abfertigungsanlagen soll der Flughafen zum führenden Drehkreuz für Privat- und Firmenjets in Südosteuropa ausgebaut werden. Dies beinhaltet auch die notwendige infrastrukturelle Anbindung am Boden, wie etwa neue Parkflächen für Passagiere in unmittelbarer Nähe zum aktuellen Terminal.

Kapazitätssteigerung und operative Effizienz

Die Modernisierungspläne enden nicht bei den Neubauten. Das bestehende Terminal für die allgemeine Luftfahrt soll grundlegend reorganisiert werden. Ziel ist es, die jährliche Abfertigungskapazität auf 2,5 Millionen Passagiere zu schrauben. Dies erfordert eine umfassende Neukonfiguration der Abläufe, um das Gleichgewicht zwischen Ankunfts- und Abflugströmen zu optimieren. Eine effiziente Nutzung der Infrastruktur steht dabei im Vordergrund, um Wartezeiten zu minimieren und das Serviceniveau für die Fluggäste deutlich zu heben.

Finanziell stützt sich die CNAB auf einen Mix aus verschiedenen Quellen. Neben Eigenmitteln der Flughafengesellschaft sollen Bankkredite, öffentliche Mittel sowie europäische Fördergelder zur Realisierung des Großprojekts herangezogen werden. Die Tatsache, dass Băneasa im Jahr 2025 bereits den siebten Platz unter den rumänischen Flughäfen einnahm, unterstreicht die Notwendigkeit dieser Investition. Das Wachstumspotenzial ist durch die aktuelle Infrastruktur begrenzt, weshalb die nun eingeleitete Strategie als absolut notwendig für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit angesehen wird.

Integration in das städtische Umfeld und wirtschaftlicher Ausblick

Die Entwicklung des Flughafens Băneasa ist eng mit der städtebaulichen Entwicklung Bukarests verknüpft. Da der Flughafen von Wohn- und Gewerbegebieten umgeben ist, stellt die Erweiterung hohe Anforderungen an die logistische Planung. Der Ausbau der Parkplatzkapazitäten ist dabei nur ein erster Schritt. Die Machbarkeitsstudie wird auch untersuchen müssen, wie die erhöhten Passagierzahlen im Stadtverkehr abgewickelt werden können.

Wirtschaftlich betrachtet verspricht die Modernisierung eine Stärkung des Luftfahrtstandorts Rumänien. Durch die Schaffung spezialisierter Terminals kann Băneasa Profile schärfen, die am größeren Flughafen Otopeni aufgrund des Massengeschäfts oft zu kurz kommen. Mit der Vergabe der Machbarkeitsstudie an eines der drei internationalen Konsortien wird der Grundstein für ein Jahrzehnt der baulichen Transformation gelegt, die Băneasa von einem historischen Relikt zu einem hochmodernen Stadthafen des 21. Jahrhunderts wandeln soll.

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