Die mongolische Regierung evaluiert die Beschaffung und den operativen Einsatz von Verkehrsflugzeugen des chinesischen Herstellers Commercial Aircraft Corporation of China (Comac).
Im Rahmen eines Arbeitstreffens am 25. September in Shanghai erörterten der mongolische Verkehrsminister B. Delgersaikhan und Comac-Chef Shen Bo die Bedingungen für eine mögliche Flottenerneuerung der Staatsfluggesellschaft MIAT Mongolian Airlines. Das Treffen befasste sich zudem mit Optionen zur Intensivierung der bilateralen Luftverkehrsbeziehungen sowie der Beschaffung des kleineren Regionalflugzeugs C909, das zuvor unter der Bezeichnung ARJ21 vertrieben wurde.
Die technische Auswertung durch das mongolische Ministerium umfasst wesentliche betriebliche und regulatorische Kriterien für den Flugbetrieb. Untersucht werden die gegenseitige Anerkennung der zivilen Musterzulassung, die Flugsicherheitsstandards sowie die Zuverlässigkeit der Triebwerke und Systeme bei extremer Kälte und auf hochgelegenen Flugplätzen. Zudem stehen Betriebskosten, Reichweite, Treibstoffeffizienz, Ersatzteilversorgung und Wartungsstrukturen im Fokus der Prüfung. Der Hersteller Comac stellte technische Unterstützung bei den Betreiberstrukturen sowie Schulungsangebote für mongolisches Flug- und Wartungspersonal in Aussicht.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der China versucht, seine im Inlandsverkehr erprobten Flugzeugmuster international zu etablieren. Während die etablierten westlichen Flugzeugbauer Boeing und Airbus mit Lieferkettenproblemen und langen Wartezeiten kämpfen, bietet Comac Staaten in Asien und Afrika eine Alternative. Dennoch steht der internationale Export der C919 vor Hürden, da dem Flugzeugmodell bislang die behördlichen Zulassungen durch die US-amerikanische Federal Aviation Administration (FAA) sowie die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) fehlen, was den weltweiten Flugbetrieb und Weiterverkauf maßgeblich einschränkt.
Für die mongolische Fluggesellschaft MIAT, deren Flotte derzeit vor allem aus Boeing-Maschinen besteht, würde die Einfügung chinesischer Flugzeugmuster Anpassungen bei Wartungsprozessen, Pilotenlizenzen und Logistik erfordern. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass ein operativer Einsatz der C919 in der Mongolei vor allem durch die geopolitische Nähe und wirtschaftliche Verflechtung mit China motiviert ist, die langfristige Wirtschaftlichkeit gegenüber etablierten Flottenmodellen jedoch erst in der Praxis nachgewiesen werden muss.