Das montenegrinische Verkehrsministerium hat die Ausschreibung für den Betrieb von fünf staatlich subventionierten Flugverbindungen (Public Service Obligation, PSO) ab dem Flughafen Podgorica eingeleitet. Ausschreibungsobjekt sind Direktverbindungen zu den europäischen Städten Brüssel, Paris, Frankfurt, Zagreb und Bari.
Das geschätzte Gesamtauftragsvolumen der Verträge beläuft sich auf rund 4,79 Millionen Euro exklusive Mehrwertsteuer. Fluggesellschaften haben bis Ende August Zeit, ihre Angebote bei den Behörden einzureichen. Die Verträge verpflichten den jeweiligen Betreiber zu einem ganzjährigen Flugbetrieb mit mindestens drei wöchentlichen Frequenzen pro Strecke.
Im Vergleich zu früheren Plänen der Regierung weist das finale Ausschreibungsverfahren Modifikationen auf. Während im ursprünglichen Konzept noch sechs Ziele vorgesehen waren und der Betriebsstart für den Sommer 2026 angedacht war, wurde die Strecke nach Amsterdam gestrichen. Die Ausschreibungsbedingungen schreiben zudem die Verwendung von Flugzeugen mit mindestens 110 Sitzplätzen vor, was den Kreis der potenziellen Bieter im Wesentlichen auf Betreiber von Schmalrumpfflugzeugen beschränkt. Die Vergabeentscheidung erfolgt zu 90 Prozent über den angebotenen Preis pro Hin- und Rückflug und zu 10 Prozent über die Sitzplatzkapazität des eingesetzten Fluggeräts.
Um die Verlässlichkeit des Flugbetriebs sicherzustellen, enthält der Entwurf der Leistungsvereinbarung finanzielle Sanktionen bei Mängeln. Für jeden nicht durchgeführten Flug droht den Fluggesellschaften eine Pönale von 2.000 Euro, sofern die Annullierung nicht vorab von einer Arbeitsgruppe des Ministeriums genehmigt wurde. Das Ministerium behält sich darüber hinaus das Recht zur fristlosen Kündigung vor, falls vertragliche Pflichten wiederholt verletzt werden. In Branchenkreisen wird die staatliche Fluggesellschaft Air Montenegro als aussichtsreicher Kandidat für den Zuschlag gehandelt.
Marktbeobachter bewerten den Einsatz von PSO-Subventionen als zweischneidig. Zwar sichern die Verträge dem Balkanstaat die Anbindung an wichtige europäische Drehkreuze, jedoch verfehlen rein preisbasierte Vergabekriterien oft das Ziel, nachhaltigen Wettbewerb zu etablieren. Die Vorgabe von Mindestkapazitäten schließt kleinere Regionalfluggesellschaften aus, was die Position etablierter Akteure verstärken könnte. Ob die staatlichen Zuschüsse ausreichen, um die Routen auch außerhalb der touristischen Hauptsaison wirtschaftlich und stabil zu betreiben, bleibt abzuwarten.