Irkut MS-21 (Foto: UAC Irkut).
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MS-21-310: Russischer Mittelstreckenjet absolviert Testflug nach jahrelangen Verzögerungen

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Die erste Serienmaschine des russischen Verkehrsflugzeugs vom Typ MS-21-310 hat am 3. August 2026 ihren Jungfernflug absolviert. Der Prototyp hob vom Werksgelände der United Aircraft Corporation im sibirischen Irkutsk ab und verblieb für die Dauer von einer Stunde und 23 Minuten in der Luft.

Während des Ersterprobungsfluges erreichte das zweistrahlige Passagierflugzeug eine Fluggeschwindigkeit von 600 Kilometern pro Stunde sowie eine Flughöhe von 6.000 Metern. Der Testflug erfolgte wenige Tage nach einem Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der am 24. Juli 2026 das Luftfahrtwerk in Irkutsk im Rahmen einer Inspektion besichtigte. Das Modell MS-21-310 ist als Äquivalent zu den westlichen Konkurrenzmodellen der Baureihen Airbus A320 und Boeing 737 konzipiert und stellt die erste Variante dieses Musters dar, die weitgehend aus baulichen Komponenten russischer Fertigung zusammengesetzt ist. Die Entwicklung des gesamten MS-21-Programms ist jedoch seit dem ursprünglichen Start im Jahr 2009 von mehrjährigen zeitlichen Verzögerungen und technischen Umgestaltungen geprägt.

Der technologische Wandel von westlichen Bauteilen zur Eigenfertigung

Die Ursprünge des Flugzeugprogramms reichen bis in das Jahr 2009 zurück, als die russische Luftfahrtindustrie mit der Entwicklung eines zeitgemäßen Mittelstreckenflugzeugs begann. In der ursprünglichen Basisversion, die unter der Bezeichnung MS-21-300 geführt wurde, setzte der Hersteller United Aircraft Corporation in erheblichem Umfang auf Bauteile und Systeme westlicher Zulieferer. Als Antriebsart dienten für die Ersterprobung Triebwerke des Typs PW1400G des US-amerikanischen Herstellers Pratt & Whitney. Auch bei den Verbundwerkstoffen für die Tragflächen sowie bei den Avioniksystemen griff die russische Luftfahrtbranche auf internationale Partner zurück.

Im Zuge der Ausrichtung auf eine höhere technologische Unabhängigkeit initiierte die Unternehmensführung die Entwicklung der Modellvariante MS-21-310. Diese Version zeichnet sich durch den Einbau von inländischen Komponenten aus und wird von Triebwerken des russischen Typs PD-14 angetrieben. Die schrittweise Ersetzung ausländischer Bauteile durch einheimische Nachbauten beschleunigte sich nach den politischen Entwicklungen im Jahr 2014 im Zusammenhang mit der Annexion der Halbinsel Krim. Durch die nachfolgenden Einschränkungen im Handelsverkehr sah sich die russische Luftfahrtbranche gezwungen, Schlüsselkomponenten im eigenen Land zu entwickeln.

Auswirkungen geopolitischer Restriktionen auf die Luftfahrtlieferketten

Mit dem Beginn der militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine im Februar 2022 und den daraufhin verhängten internationalen Sanktionen wurde die russische Luftfahrtindustrie vollständig von den weltweiten Lieferketten der Luft- und Raumfahrtbranche abgeschnitten. Ausländische Hersteller stellten die Lieferung von Ersatzteilen, Triebwerken und Elektronikbausteinen ein. Für die United Aircraft Corporation verblieb die Variante MS-21-310, die nahezu komplett aus russischen Teilen gefertigt werden soll, als einzige Möglichkeit zur Fortführung des zivilen Flugzeugbauprogramms.

Dieser erzwungene Austausch sämtlicher westlicher Importkomponenten führte zu einer erneuten Verschiebung der Zeitpläne. Ingenieure mussten Steuerungssysteme, Treibstoffanlagen, Kabinenausstattungen und Fahrwerke neu konstruieren oder auf lokale Lieferanten anpassen. Diese Anpassungen verlängerten die Testphasen und verzögerten die geplante Serienfertigung für die heimischen Fluggesellschaften um mehrere Jahre. Die Zulassungsprozesse für die neu integrierten Systeme nehmen zusätzliche Zeit in Anspruch.

Aktueller Stand des Zertifizierungsverfahrens und Produktionskapazitäten

Trotz des absolvierten Erstfluges der ersten Serienmaschine befindet sich der Flugzeugtyp MS-21-310 im August 2026 weiterhin im behördlichen Zertifizierungsverfahren. Die Erlangung der Flugzulassung durch die zuständigen Luftfahrtbehörden bildet die Voraussetzung für den kommerziellen Einsatz im Passagierverkehr. Nach Angaben von Unternehmensvertretern der United Aircraft Corporation befinden sich im Werk in Irkutsk derzeit 18 Flugzeuge des Typs MS-21-310 in unterschiedlichen Stadien der Fertigung.

Die Auslieferung der ersten Einheiten an russische Fluggesellschaften wie Aeroflot, die ihre Flotten aufgrund fehlender westlicher Ersatzteile umstellen müssen, hängt vom zeitlichen Verlauf der verbleibenden Testflüge ab. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die Skalierung der Serienproduktion bei vollständig neu aufgebauten Lieferketten organisatorische Herausforderungen mit sich bringt. Die serienmäßige Herstellung der PD-14-Triebwerke sowie die Bereitstellung von Verbundwerkstoffen in hoher Stückzahl bleiben kritische Faktoren für den Hochlauf der Produktion.

Perspektiven für den russischen Zivilluftfahrtsektor

Der Erstflug der MS-21-310 wird von offizieller Seite als Schritt zur Aufrechterhaltung der nationalen Zivilluftfahrt gewertet. Da der Import westlicher Verkehrsflugzeuge sowie der Zugang zu Wartungsdiensten blockiert sind, konzentriert sich die Luftfahrtpolitik des Landes auf die eigene Flugzeugproduktion. Neben der MS-21 bilden die Regionalmaschine Superjet 100 in einer ebenfalls importsubstituierten Variante sowie die Tu-214 die Pfeiler dieser Eigenversorgungsplanung.

Ob die geplante Serienfertigung der MS-21-310 in den kommenden Jahren die Ausfälle bei den Bestandssicherungen westlicher Modelle kompensieren kann, bleibt abzuwarten. Der Bedarf der russischen Fluggesellschaften an neuen Mittelstreckenflugzeugen ist hoch, da die bestehenden Airbus- und Boeing-Flotten ohne regelmäßige Herstellerunterstützung an ihre Betriebsgrenzen stoßen. Der Fortgang des Zertifizierungsprogramms der MS-21-310 wird daher bestimmend für die operative Leistungsfähigkeit des zivilen Luftverkehrs in den kommenden Jahren sein.

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