Boeing 737-800 (Foto: Flughafen Erfurt GmbH / Alice Koch).
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Münster: Mavi-Gök-Boeing 737-800 schießt über die Piste hinaus

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Am gestrigen Abend, dem 3. September 2025, ereignete sich am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) ein schwerwiegender Zwischenfall, als eine Boeing 737-800 der türkischen Fluggesellschaft Mavi Gök nach der Landung über das Ende der Start- und Landebahn hinausschoss.

Der Flug mit der Nummer 4M351 aus Antalya, der 190 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder an Bord hatte, kam erst wenige Meter jenseits der regulären Piste zum Stillstand. Glücklicherweise gab es keine Verletzten zu beklagen. Dieser Vorfall führte zu einer stundenlangen Einstellung des Flugbetriebes, was die Umleitung mehrerer Flüge zur Folge hatte. Die Untersuchung des genauen Herganges wurde von den zuständigen Behörden bereits aufgenommen.

Der Hergang des Zwischenfalls

Der Flug 4M351, der planmäßig aus der türkischen Stadt Antalya kam, landete um 20:30 Uhr auf dem FMO. Wie Augenzeugen und erste Berichte nahelegen, verlief die Landung selbst zunächst ohne erkennbare Schwierigkeiten. Das Unglück ereignete sich erst beim Ausrollen des Flugzeuges. Aus noch ungeklärter Ursache konnte das Flugzeug nicht innerhalb der vorgesehenen Strecke zum Stehen gebracht werden. Die Maschine, eine Boeing 737-800, schoss über das Ende der 2.170 Meter langen Piste hinaus und rollte in den angrenzenden Sicherheitsbereich. Dabei wurden mehrere Leuchtfeuer, die zur Kennzeichnung des Pistenendes dienen, beschädigt. Erst im grasbewachsenen Gelände jenseits der befestigten Fläche kam das Flugzeug zum Stillstand.

Die Reaktion der Flughafenmitarbeiter und der Rettungsdienste war umgehend. Innerhalb weniger Minuten waren die Feuer- und Rettungskräfte vor Ort. Die Fluggäste wurden über herbeigeschaffte Fluggasttreppen aus dem Flugzeug evakuiert und mit Bussen zum Terminal gebracht. Berichte von Insassen schildern eine ruhige und professionelle Evakuierung. „Es gab keine Panik“, berichtete eine Passagierin aus Münster. „Die Crew hat uns sehr gut informiert und beruhigt. Wir konnten alle das Flugzeug normal verlassen.“

Auswirkungen auf den Flugverkehr

Der Zwischenfall hatte direkte und erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Flugbetrieb am FMO. Aus Sicherheitsgründen wurde die Start- und Landebahn umgehend für den gesamten Verkehr gesperrt. Vier ankommende Flüge, die auf dem Weg nach Münster/Osnabrück waren, mussten umgeleitet werden. Diese Flüge steuerten alternative Flughäfen in der Region an, darunter Paderborn und Dortmund.

Die Sperrung der Piste führte zu einem logistischen Kraftakt für die Flughafenverwaltung. Ein Team von Technikern, Ingenieuren und Sicherheitskräften arbeitete unter Hochdruck daran, die Boeing zu bergen und die beschädigte Infrastruktur zu reparieren. Die Bergung eines Flugzeuges dieser Größe ist ein komplexes Unterfangen, das spezielle Ausrüstung und viel Personal erfordert.

Der Flughafen informierte die Öffentlichkeit laufend über die Entwicklungen. In den sozialen Medien wurde die Sperrung frühzeitig bekanntgegeben, und Reisende wurden dazu angehalten, sich vor der Anreise über den Status ihrer Flüge zu informieren. Erst in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages konnte die Normalität wieder hergestellt werden. Um 2:40 Uhr, fast sechs Stunden nach dem Zwischenfall, wurde der Flugbetrieb am FMO offiziell wieder aufgenommen.

Die Rolle der Fluggesellschaft Mavi Gök und die Untersuchung

Mavi Gök, eine relativ junge Fluggesellschaft, die sich auf Charterflüge spezialisiert hat, hat sich zu dem Vorfall noch nicht im Detail geäußert. Der Fokus liegt derzeit auf der Kooperation mit den Ermittlungsbehörden. Boeing, der Hersteller der Unglücksmaschine, wurde ebenfalls über den Vorfall informiert und hat seine Unterstützung bei den Untersuchungen angeboten. Solche Zwischenfälle sind für die Luftfahrtindustrie von höchster Relevanz, da sie Aufschlüsse über mögliche technische Mängel oder operative Fehler geben können.

Die genaue Ursache für das Überschießen der Landebahn bleibt vorerst unklar. Verschiedene Faktoren könnten eine Rolle gespielt haben, darunter die Witterungsbedingungen, die Bremsleistung des Flugzeuges, das Gewicht der Maschine oder menschliches Versagen. Am Abend des Unglückes war die Piste nass, was die Bremswirkung beeinträchtigen kann. Die Ermittlungen werden nun die Flugschreiber, das sogenannte Black Box, sowie die Cockpit-Stimmenrekorder auswerten. Diese Daten werden Aufschluss über die Entscheidungen der Piloten und den technischen Zustand des Flugzeuges geben. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat bereits Ermittler zum Flughafen entsandt, die nun mit der Aufklärung des Vorfalls befasst sind.

Rückblick auf ähnliche Vorfälle

Unfälle, bei denen Flugzeuge über die Landebahn hinausschießen, sind in der Luftfahrtgeschichte nicht unbekannt. Solche Ereignisse werden als „Runway Excursion“ bezeichnet. Eines der bekanntesten Beispiele in jüngerer Vergangenheit ist der Vorfall am Flughafen in Köln/Bonn im Jahr 2021, als ein Frachtflugzeug der Fed-Ex über die Piste hinausrollte. Solche Ereignisse können durch eine Kombination ungünstiger Faktoren ausgelöst werden, wie etwa widrige Witterungsbedingungen, eine zu späte Landung auf der Piste oder ein technisches Gebrechen am Bremssystem der Maschine.

Die Luftfahrtindustrie hat in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Sicherheit bei der Landung zu erhöhen. Moderne Flugzeuge sind mit ausgeklügelten Bremssystemen ausgestattet, darunter auch Schubumkehr und Spoiler, die den Auftrieb verringern und die Bremswirkung erhöhen. Zusätzlich sind viele Flughäfen mit längeren Landebahnen und sogenannten Überroll-Sicherheitszonen, den „Runway End Safety Areas“ (RESA), ausgestattet. Diese Zonen dienen dazu, ein Flugzeug abzufangen, bevor es in kritische Bereiche vordringen kann.

Der Vorfall am FMO unterstreicht die Wichtigkeit dieser Sicherheitsvorkehrungen und die Schnelligkeit der Reaktion von Rettungskräften. Es bleibt abzuwarten, welche genauen Ursachen die Untersuchung der BFU zu Tage fördern wird. Die Tatsache, dass keiner der 196 Personen an Bord verletzt wurde, ist ein positives Zeichen und spricht für die robusten Sicherheitsstandards und die professionelle Arbeit der Crews. Bis zur endgültigen Klärung bleiben Spekulationen über die Ursache des Zwischenfalls jedoch rein hypothetisch.

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