Kaum zu glauben, aber in der 196-jährigen Geschichte der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft gab es bis Ende Juli 2025 noch nie eine Themenfahrt „Ungarische Nacht“. Die DDSG Blue Danube, eines der Nachfolgeunternehmen der legendären DDSG, wagte sich am 25. Juli 2025 über die Premiere und erstmals stand eine Ausfahrt der MS Admiral Tegetthoff ganz im Zeichen der Küche des österreichischen Nachbarlandes.
Dass die Geschichte der DDSG, die in den 1990er-Jahren auf Betreiben der damaligen Regierung zerschlagen und in Scheibchen verkauft wurde, auch von Ungarn geprägt ist, liegt auf der Hand. Immerhin bildeten Österreich und sein heutiges Nachbarland bis zur Auflösung der k.u.k-Monarchie den Staat Österreich-Ungarn. In den damaligen „Ländern der Heiligen Ungarischen Krone“ befanden sich die wichtigste Werft und ein bedeutendes Kohlerevier der DDSG. Selbst im Passagierverkehr war das Schiff über einen sehr langen Zeitraum das Verkehrsmittel der Wahl, wenn man von Wien nach Budapest (oder umgekehrt) kommen wollte, denn es war schlichtweg schneller als die Bahn, die Kutschen oder Automobile. Mittlerweile gibt es keine Linienschiffe mehr zwischen den beiden Hauptstädten, da diese gegenüber dem Straßen- und Eisenbahnverkehr schlichtweg schon allein aus Zeitgründen nicht mehr konkurrenzfähig sind.
Nachfolger einer Traditionsreederei
Der Erste Weltkrieg führte dazu, dass unter anderem „Die Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder“ (Österreich) und die „Länder der Heiligen Ungarischen Krone“ (Ungarn“ getrennte Wege gegangen sind. Die DDSG konnte eine Lösung finden, um weiterhin Zugang zum unternehmenseigenen Kohlerevier sowie der wichtigen Werft zu haben. Man arrangierte sich mit Ungarns Diktator Admiral Miklós Horthy. Nachdem sich auch Österreich unter Engelbert Dollfuß und seinem Nachfolger Kurt Schuschnigg in eine Diktatur verwandelt hat, wurde das Management dazu gezwungen Wartungen und Neubauten ausschließlich in Österreich machen zu lassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war aber endgültig Schluss mit Besitztümern der DDSG in Ungarn, denn diese wurden dann enteignet. Linienschifffahrten konnten, trotz „Eisernem Vorhang“ in geringem Umfang zwischen Wien und Budapest aufgenommen werden, denn Österreich war ein neutraler Staat und noch dazu eine Art Handelsdrehscheibe für die Ostblock-Staaten für ihre Geschäfte mit dem Westen, die es, wenn jemand fragte, ohnehin nicht gab. Sowohl bei Passagieren als auch insbesondere im Bereich der Fracht war eine Nachfrage vorhanden, die völlig legal bedient werden konnte. Die DDSG stand, nach der Rückgabe seitens der Sowjetunion, bis zur Zerschlagung Anfang der 1990er-Jahre im Eigentum der Republik Österreich.
So wirkt es schon verwunderlich, dass erst die heutige Nachfolgegesellschaft für Passagierfahrten, die DDSG Blue Danube, im Jahr 2025 eine Themenfahrt „ungarische Nacht“ an den Start gebracht hat. Wie heißt es so schön? Spät, aber doch. Oder: Für alles gibt es ein erstes Mal. Somit hatte Flottenkapitän Johannes Kammerer und seine Steuerfrau, Kapitänin Stefanie Oberlechner, die Ehre das DDSG-Flaggschiff MS Admiral Tegetthoff zur Premierenfahrt unter dem Motto „Ungarische Nacht“ auf der Donau ab Wien zu steuern. Kammerer begrüßte daher mit Stolz seine Passagiere und betonte, dass es eine absolute Premiere in der langen Geschichte der DDSG ist.
Die Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft hat noch die die Bordgastronomie selbst betrieben. Von Anfang an war diese an externe Gastronomen verpachtet und einen „Einheits-Caterer“ hatte die DDSG in all den 196 Jahren auch noch nie. Für das leibliche Wohl auf der MS Tegetthoff sogt JP Donau-Catering von Pal Szakal. Sämtliche Speisen, die während der „Ungarischen Nacht“ an den Buffets angeboten werden, sind im Fahrpreis inkludiert. Die Getränke hingegen müssen direkt beim Kellner bezahlt werden.
Hohe Qualität der Speisen, Verbesserungsbedarf beim Show-Programm
Während die Schifffahrt an sich und die angebotenen Speisen und auf Wunsch zu erwerbenden Getränke in allen Belangen punkten konnten, sah es beim Show-Programm, das ja eigentlich unter dem Titel „Ungarische Nacht“ stehen sollte, ein bisschen anders aus. Was stellt man sich eigentlich unter einem solchen Motto vor? Vermutlich ungarische Speisen und dazu klassische ungarische Musik, sowohl volkstümlich als auch modern.
Die Qualität der Speisen ist hoch und lässt keinerlei Raum für Kritik. Auch wenn man verbissen nach dem sprichwörtlichen „Haar in der Suppe“ suchen wollte, um zumindest irgendetwas zum Meckern zu haben, nichts zu machen, alles perfekt und so wie man es von gehobener Mittelklasse-Gastronomie erwarten kann. Auch die Auswahl der Speisen ist offensichtlich gut durchdacht, so dass es nicht nur ein guter Querschnitt durch die ungarische Küche ist, sondern dass auch garantiert jeder etwas für sich findet, das ihm besonders gut schmecken wird.
Beim Show-Programm ist die DDSG durchaus gut beraten, wenn dieses für die nächste „Ungarische Nacht“, die für den 26. August 2025 geplant ist, optimiert wird. Die Live-Performance, die Jimmy & Nika, die in ihrem Heimatland Ungarn ausgesprochen bekannt sind, zeigt überwiegend moderne ungarische Musik. Den einen oder anderen Ausflug ins Traditionelle machen die beiden Profis schon, aber vielleicht würde es dem ganzen Abend sehr gut tun, wenn eben diese beiden Künstler noch mehr von ihrer Heimat, egal ob modern oder traditionell, „rüberbringen“ würden.
Anschließend legt der aus Ungarn stammende DJ Fysher auf. Verbesserungsvorschlag: Weniger Songs abspielen, die in Österreich ohnehin jeder kennt, aber dafür mehr ungarische Titel und Lieder, denn der Abend steht unter dem Motto „Ungarische Nacht“. Schomlauer Nockerl und „Schifoan“ von Wolfgang Ambros passen irgendwie nicht so ganz zusammen. Ein paar andere Platten auflegen und dann wird das schon. Immerhin war es ja die Premierenfahrt und gerade die DDSG ist dafür bekannt, dass ständig optimiert wird.

Tische (Foto: Jan Gruber). 
Buffet (Foto: Jan Gruber). 
Buffet (Foto: Jan Gruber). 
Buffet (Foto: Jan Gruber). 
Buffet (Foto: Jan Gruber). 
Buffet (Foto: Jan Gruber). 
Buffet (Foto: Jan Gruber). 
Buffet (Foto: Jan Gruber). 
Buffet (Foto: Jan Gruber). 
Wurstplatte (Foto: Jan Gruber). 
Suppe (Foto: Jan Gruber). 
Speisen (Foto: Jan Gruber). 
Speisen (Foto: Jan Gruber). 
Speisen (Foto: Jan Gruber).
Fazit: Der zufriedene Magen hat gewonnen
Der reguläre Fahrpreis für Erwachsene liegt bei 69 Euro. Angesichts der heutigen Preise in der landseitigen Gastronomie ist es ein fairer Preis, denn man kann so viel Essen wie man möchte, die Getränke muss man fast immer extra bezahlen und Show und Schifffahrt gibt es auch noch dazu. Schon allein im Bereich des Speisenangebots ist die „Ungarische Nacht“ der DDSG konkurrenzfähig mit der Wiener Gastronomie. Rechnet man Entertainment und die Fahrt auf der MS Admiral Tegetthoff dazu, ist es ein durchaus faires Angebot.
Abschließend lässt sich festhalten, dass die DDSG Blue Danube generell mit ihrem Themenfahrten interessante Möglichkeiten bietet, um während einer entspannten Schifffahrt auf der Donau ein tolles Erlebnis zu haben. Spaß, gutes Essen und interessante Shows werden geboten. Preislich sind diese auf dem Niveau, das man in der besseren Gastronomie in Österreichs Bundeshauptstadt ebenfalls bezahlen würde, nur gibt es dort zumeist keine Show dazu und erst recht keine Rundfahrt auf der Donau. Es empfiehlt sich ausdrücklich rechtzeitig online, in den DDSG-Ticketbüros oder in Reisebüros zu reservieren, denn viele Abendfahrten sind sehr beliebt und schnell ausgebucht.









