Das US-Verkehrsministerium (Department of Transportation – DOT) hat entschieden, dass Reisende, die von den massiven Flugausfällen und Verzögerungen aufgrund der jüngsten Stilllegung von Flugzeugen der Airbus A320-Familie betroffen waren, keinen Anspruch auf Entschädigungsleistungen gegenüber den Fluggesellschaften haben. Die Entscheidung, die zuerst von Reuters gemeldet wurde, betrifft Tausende von Passagieren, deren Reisepläne, insbesondere während der Hauptreisezeit um Thanksgiving, durch die Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisung (Airworthiness Directive) der FAA gestört wurden.
Das DOT kam zu dem Schluss, dass die durch die notwendigen Reparaturarbeiten ausgelösten Störungen nicht unter jene Kriterien fallen, die Fluggesellschaften zur Bereitstellung von Kompensationsleistungen wie Hotelunterkünften, Mahlzeiten oder anderen Annehmlichkeiten verpflichten würden. Diese Leistungen werden in den USA üblicherweise nur dann gewährt, wenn die Störung auf Ursachen zurückzuführen ist, die im direkten Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft liegen.
Regulatorische Begründung für die Ablehnung
In einer Mitteilung vom 9. Dezember erläuterte das DOT seine Haltung. Es erklärte, dass Annullierungen oder längere Verzögerungen, die auf unplanmäßige Wartungsarbeiten infolge einer Lufttüchtigkeitsanweisung beruhen, nicht als Umstände angesehen werden, die im Kontrollbereich der Fluggesellschaft liegen. Das Ministerium präzisierte: „[Das DOT] wird Annullierungen oder längere Verzögerungen, die auf unplanmäßige Wartungsarbeiten infolge einer Lufttüchtigkeitsanweisung zurückzuführen sind, die nicht aufgeschoben werden kann oder vor einem Flug behoben werden muss, nicht als Umstände behandeln, die für die Zwecke dieser Art von Kundendienstverpflichtungen der Fluggesellschaften in der Kontrolle der Fluggesellschaft liegen.“
Demzufolge wird die Notfallanweisung der Federal Aviation Administration (FAA) zur Behebung einer Software-Schwachstelle nicht als ein Ereignis eingestuft, das eine Entschädigungspflicht der Fluggesellschaften gegenüber den Passagieren auslöst. Während die größten US-Fluggesellschaften in der Regel kostenlose Umbuchungen, Hotelaufenthalte und Essensgutscheine bei Störungen in ihrer direkten Verantwortung anbieten, entfällt diese Verpflichtung bei einem sogenannten force majeure oder – wie in diesem Fall – bei behördlich angeordneten Maßnahmen, die auf externe Ursachen zurückzuführen sind.
Globale A320-Flotte betroffen
Die Stilllegung von Flugzeugen wurde Ende November ausgelöst, nachdem Ermittler einen Zwischenfall an Bord einer JetBlue Airbus A320 mit einer Software-Schwachstelle in Verbindung brachten, die durch solare Strahlung ausgelöst werden konnte. Airbus ordnete daraufhin am 28. November die Stilllegung Tausender von Flugzeugen der A320-Familie an. Mit rund 6.000 betroffenen Flugzeugen entsprach dies etwa der Hälfte der weltweiten Airbus A320-Flotte.
Obwohl die Behebung der Software-Schwachstelle für die meisten Flugzeuge schnell erfolgen konnte, konnten einige Fluggesellschaften erhebliche Störungen ihrer Flugpläne nicht vermeiden, insbesondere in der hochfrequentierten Reisezeit um Thanksgiving. Zahlreiche Carrier mussten Flüge annullieren oder Passagiere vor drohenden Verspätungen und Ausfällen warnen. American Airlines warnte beispielsweise vor „operativen Verzögerungen“ und korrigierte die anfänglich geschätzte Zahl der betroffenen Flugzeuge später auf 209 nach unten. Auch andere Fluggesellschaften weltweit meldeten Flugplanstörungen. Im Gegensatz dazu konnten einige europäische Airlines, wie easyJet, nach erfolgreicher Durchführung der erforderlichen Software-Updates über Nacht einen normalen Betrieb aufrechterhalten.
Hintergrund des Vorfalls: Sonnenstrahlung und Bordelektronik
Auslöser für die Notfallanweisung war ein schwerwiegender Zwischenfall am 30. Oktober 2025 an Bord eines JetBlue-Fluges von Cancún nach Newark. Während des Fluges kam es zu einem plötzlichen, unkontrollierten Höhenverlust, nachdem eine Fehlfunktion im sogenannten Elevator Aileron Computer auftrat. Die Ermittler stellten fest, dass diese Fehlfunktion auf Störungen zurückzuführen war, die durch „intensive“ solare Strahlung verursacht wurden. Das Flugzeug musste daraufhin in Tampa notlanden.
Flugprofildaten von FlightAware zeigten, dass die Airbus A320 in nur fünf Minuten von 35.000 Fuß auf 18.000 Fuß absank. Solche schnellen Höhenänderungen treten normalerweise nur bei schweren Turbulenzen auf. Bei dem Vorfall wurden drei Passagiere verletzt, die mit Schnittwunden in Krankenhäuser gebracht werden mussten.
Experten erklären, dass starke solare Strahlung während geomagnetischer Ereignisse oder Sonneneruptionen die Bordelektronik von Flugzeugen stören kann. Geladene Teilchen können Daten in kritischen Systemen verändern, Navigations- und Triebwerkssteuerungssysteme stören und temporäre Fehler, wie den abrupten Höhenverlust, auslösen. Dieser Vorfall hat die Luftfahrtindustrie erneut auf die potenziellen Risiken aufmerksam gemacht, die von sogenanntem Weltraumwetter und seiner Interaktion mit der hochentwickelten Flugzeugsoftware ausgehen. Die Luftfahrtbehörden sind nun gefordert, die Auswirkungen solarer Phänomene auf kritische Flugsysteme genauer zu untersuchen und langfristige Schutzmaßnahmen zu entwickeln, um die Sicherheit im Flugbetrieb zu gewährleisten.