Nach chinesischem Übernahmeversuch: Ermittlungen gegen Motor Sich

Antonow An-24 (Foto: Jan Gruber).
Antonow An-24 (Foto: Jan Gruber).

Nach chinesischem Übernahmeversuch: Ermittlungen gegen Motor Sich

Antonow An-24 (Foto: Jan Gruber).
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Zwei Tage nachdem der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, ein Dekret zur Sanktionierung chinesischer Investoren unterzeichnet hatte, die die Kontrolle über Motor Sich erlangen wollten, leitete der Sicherheitsdienst der Ukraine „Ermittlungs- und Betriebsmaßnahmen in der Stadt Saporischschja“ ein, in der der ukrainische Motorenhersteller tätig war sollte am 31. Januar eine Hauptversammlung abhalten.

Die Regierung will verhindern, dass das Unternehmen und die Technologie in ausländische Hände geraten. Befürchtet wird, dass dies andernfalls die nationale Sicherheit gefährden könnte. Konkret geht es um den Aktionär Skyrizon, dessen Anteile seit einigen Jahren eingefroren sind. Diesem wird unter anderem vorgeworfen eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln zu sein, jedoch defacto unter der Kontrolle Chinas zu stehen. Die Behörden sollen nun mögliche illegale Aktivitäten bei Motor Sich ermitteln. Die Ermittlungen, für die die Unschuldsvermutung gilt, sind noch nicht abgeschlossen.

Vorgeworfen wird auch, dass Skyrizon über eine Kooperation mit einem Oligarchen eine Beteiligung „mit Strohmann“ erwerben wollte. Aufgrund der noch von der Trump-Regierung ausgesprochenen Sanktionen gegen China landete das chinesische Unternehmen am 14. Jänner 2020 auf der schwarzen Liste. Die Firmengruppe des Oligarchen vertritt laut lokalen Medienberichten die Ansicht, dass es sich um einen „seriösen Käufer“ handeln würden und gab sich hinsichtlich der U.S.-Sanktionen unwissend und überrascht.

USA vermuten China als Strohmann für Russland

Doch es wird noch schräger: Am 31. Jänner 2021 wurde eine Sitzung abgehalten, die nachträglich seitens des Aufsichtsrats für illegal erklärt wurde. Dagegen schießt nun Skyrizon verbal und behauptet, dass man rechtmäßiger Eigentümer von Motor Sich wäre und das Management dies anzuerkennen habe. Daran denken die Firmenchefs aber nicht.

Die Sache zieht sich schon seit einigen Jahren hin, denn bereits im Jahr 2016 unternahmen die Chinesen einen Übernahmeversucht. Damals erhoben die Vereinigten Staaten von Amerika einen Einspruch und warnten die Regierung der Ukraine eindringlich davor, dass China die durchaus fortschrittliche Technologie verwenden könnte und anschließend für militärische Zwecke an Russland verkaufen könnte. Der Sicherheitsdienst der Ukraine leitete eine Überprüfung ein und fror die bereits erworbenen Aktien ein. Diese sind bis heute nicht freigegeben worden.

Airline-Tochter ist ein fliegendes Museum

Antonow An-24 (Foto: Jan Gruber).

Auf den Flugbetrieb der Motor Sich Airlines, die insbesondere für den Einsatz durchaus historischen Fluggeräts aus Sowjetzeiten bekannt ist, sollen die Aktivitäten keinen Einfluss haben. Der Carrier führte zuletzt den aufgrund der Pandemie reduzierten Flugplan durch. Derzeit fliegt Motor Sich auch verstärkt Fracht.

Die Maschinen des Carriers sind zum Teil ordentlich in die Jahre gekommen und als eine der wenigen Airlines der Ukraine steht man auf der „schwarzen Liste“ der Europäischen Union. Die wichtigste Route des Carriers ist Saporischschja-Kiew Schuljany. Diese wird im Regelfall mit Antonow An-24 bedient. Motor Sich ist die einzige Airline, die dieses Muster noch für Passagierflüge einsetzt. Beispielsweise ist die UR-MSI im Jahr 1962 gebaut worden und mittlerweile 59 Jahre alt. Diese An-24 kommt fast täglich ab Saporischschja nach Kiew Schuljany und/oder Minsk zum Einsatz.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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