Dreamliner am EuroAirport (Foto: EuroAirport).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Nach dem Streik: Air Canada fährt den Flugbetrieb hoch

Werbung

Nach Tagen des Stillstands in der Luftfahrt hat die kanadische Fluggesellschaft Air Canada eine vorläufige Einigung mit der kanadischen Union of Public Employees (CUPE) erzielt, die den Streik ihrer 10.000 Flugbegleiter beendet. Die Einigung, die unter der Aufsicht eines Schlichters zustande kam, erlaubt es der Fluggesellschaft, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Obwohl die Nachricht bei den von dem Arbeitskampf betroffenen Passagieren für Erleichterung sorgt, warnt das Unternehmen vor einer schnellen Rückkehr zur Normalität. Die Wiederherstellung eines normalen Flugplans nach einer derart weitreichenden Störung ist eine komplexe logistische Herausforderung, die Tage, wenn nicht gar Wochen in Anspruch nehmen wird. Der beendete Streik ist ein entscheidender Wendepunkt, er markiert jedoch lediglich das Ende des Arbeitskonflikts und den Beginn eines schwierigen Wiederherstellungsprozesses.

Konflikt am Boden, Chaos in der Luft: Die Chronologie des Streiks

Der Arbeitskampf bei Air Canada hatte sich in den Tagen vor seinem Ausbruch bereits angekündigt. Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen zwischen dem Unternehmen und der CUPE, die die Interessen der Flugbegleiter vertritt, gab die Gewerkschaft eine 72-stündige Streikankündigung heraus. Der offizielle Ausstand begann am Samstag, dem 16. August, doch in Erwartung der Störung hatte die Fluggesellschaft bereits am Donnerstag zuvor begonnen, Flüge zu streichen. Die Auswirkungen auf das Flugnetz waren verheerend. Aus den Daten von FlightAware geht hervor, daß Air Canada und ihre Freizeitarmschiene Air Canada Rouge zwischen dem 16. und 18. August täglich mehr als 730 Flüge annullieren mußten. Tausende von Passagieren blieben gestrandet, und der Flugverkehr in ganz Kanada war massiv gestört.

Der Konflikt eskalierte, als die Gewerkschaft die Anweisung der kanadischen Regierung mißachtete, die Mitglieder zur Arbeit zurückzukehren. Die Canadian Industrial Relations Board (CIRB), ein unabhängiges Tribunal, das für die Beilegung von Arbeitskonflikten in Kanada zuständig ist, hatte die Weisung erteilt, um den Streik zu beenden. Doch die CUPE wies ihre Mitglieder an, diese „Rückkehr-Anordnung“ zu ignorieren, was die CIRB veranlaßte, den Streik als ungesetzlich zu bezeichnen. Die Gewerkschaft hatte die angebotene Gehaltserhöhung als nicht ausreichend kritisiert, da sie ihrer Ansicht nach nicht einmal die Inflation ausgleichen würde. Die Pattsituation wurde erst durch die Einbeziehung eines unabhängigen Schlichters gelöst.

Die logistische Mammutaufgabe: Wie eine Fluggesellschaft wiederbelebt wird

Die Wiederaufnahme eines so weitläufigen Flugbetriebs nach einem Streik ist mit enormen logistischen Herausforderungen verbunden. Ein Flugzeugbetrieb ist ein komplexes, eng verzahntes System, bei dem jedes Glied eine entscheidende Rolle spielt. Die Annullierungen führten dazu, daß Flugzeuge und Besatzungen nicht mehr an ihren vorgesehenen Standorten waren, sondern über das gesamte Netzwerk verstreut blieben.

Zunächst muß die Fluggesellschaft alle ihre Flugzeuge wieder an die richtigen Flughäfen verlegen. Dies erfordert eine präzise Planung, um sicherzustellen, daß die Maschinen an den richtigen Drehkreuzen für die Wiederaufnahme der Flüge bereitstehen. Parallel dazu muß die gesamte Kabinenbesatzung – rund 10.000 Flugbegleiter – wieder eingesetzt werden. Dies ist weitaus komplizierter, als es scheint. Die Arbeits- und Ruhezeiten der Besatzungen sind durch strenge Sicherheitsvorschriften geregelt. Jeder einzelne Flugbegleiter muß einen Mindestruhezeitraum einhalten, bevor er seinen Dienst wieder aufnehmen kann. Die Neuzusammenstellung der Crew-Einsatzpläne ist ein massives Unterfangen, das Stunden der Neuberechnung und Koordination erfordert. Des Weiteren müssen die Flugzeuge, die tagelang am Boden gestanden haben, umfangreichen technischen Checks unterzogen werden, bevor sie wieder in die Luft dürfen. Dies alles erfordert Zeit und sorgfältige Planung, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Die Kosten des Stillstands: Wirtschaftliche Folgen für das Unternehmen und die Reisenden

Der Streik bei Air Canada hat gewiß tiefe Spuren in der Bilanz des Unternehmens hinterlassen. Die täglichen Annullierungen von mehr als 730 Flügen führten zu Einnahmeverlusten in Millionenhöhe. Die direkten Kosten des Streiks umfaßten nicht nur die Erstattung von Flugtickets oder die Ausstellung von Gutscheinen, sondern auch zusätzliche administrative Kosten für die Umbuchung der betroffenen Passagiere. Schätzungen zufolge dürfte der Streik das Unternehmen mehrere Dutzend Millionen kanadische Dollar gekostet haben. Die weitreichendere und vielleicht nachhaltigere Konsequenz ist jedoch der Vertrauensverlust bei den Kunden. Die Verärgerung über gestrichene Urlaubsreisen und verpaßte Geschäftsabschlüsse kann die Reputation des Unternehmens langfristig schädigen und Reisende dazu veranlassen, in Zukunft auf konkurrierende Fluggesellschaften auszuweichen.

Aus Sicht der Gewerkschaft ist der Streik hingegen ein notwendiges Mittel, um ihre Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und angemessener Bezahlung durchzusetzen. Obwohl die genauen Details der Einigung nicht bekannt sind, bis sie von den Mitgliedern ratifiziert wurde, ist zu erwarten, daß die Gewerkschaft Zugeständnisse erhalten hat.

Ende der Verhandlungen, Beginn der Aufarbeitung: Die Rolle der Schlichtung

Die Rolle des Vermittlers war entscheidend für die Beendigung des Streiks. Schlichtungsverfahren in der Arbeitswelt sollen eine Lösung herbeiführen, wenn die direkten Verhandlungen festgefahren sind. Der Schlichter ist eine neutrale dritte Partei, die beide Seiten dazu bringt, eine für beide akzeptable Einigung zu finden. In diesem Fall ermöglichte der Prozeß die Beendigung des Streiks, noch bevor die Details der Einigung veröffentlicht wurden. Solange die Ratifizierung des Abkommens durch die Gewerkschaftsmitglieder läuft, gilt die Friedenspflicht, was bedeutet, daß keine weiteren Streiks möglich sind.

Dies gibt Air Canada die notwendige Zeit, um den Betrieb zu stabilisieren und die Flugpläne schrittweise wiederherzustellen. Michael Rousseau, der Präsident und CEO von Air Canada, hat sich bei den betroffenen Passagieren entschuldigt und um Geduld gebeten, da die Wiederherstellung des vollen Betriebs gewiß eine Woche oder länger dauern wird.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung