Im ÖBB-Nightjet (Foto: Simon Tartarotti/Unsplash).
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Nachtzüge: ÖBB müssen Zürich-Barcelona abblasen

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Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben vor, den Flugverkehr zwischen Zürich und Barcelona auf die Schiene zu verlagern, indem sie eine Nachtzugverbindung aufbauen wollten. Dieses ehrgeizige Projekt sollte ursprünglich mit dem Fahrplanwechsel 2024 realisiert werden, doch nun müssen die Pläne vorerst auf Eis gelegt werden.

Die zwischen Zürich und Barcelona geplante Nachtzugverbindung galt als eine der innovativsten Ideen der ÖBB, doch die Umsetzung stößt auf unerwartete Hürden. Hauptsächlich scheitert das Vorhaben an der Finanzierung und an den logistischen Herausforderungen, die mit einer solchen grenzüberschreitenden Verbindung verbunden sind.

Das Projekt: Nachtzüge für eine „nachhaltige“ Mobilität

Die Idee, eine Nachtzugverbindung zwischen Zürich und Barcelona einzuführen, war ein zukunftsorientiertes Konzept der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die zunehmend auf umweltfreundliche und nachhaltige Verkehrslösungen setzen. Der Nachtzug sollte eine Alternative zum Flugverkehr darstellen, der zwischen den beiden Städten täglich viermal durchgeführt wird. Mit der Einführung des Zuges hätte nicht nur der CO2-Ausstoß der Flüge eingespart werden sollen, sondern auch den Reisenden eine bequeme Möglichkeit geboten werden, während der Nacht zu reisen und gleichzeitig die Kosten und den Aufwand für eine Übernachtung zu sparen.

Die Nachtzugverbindung von Zürich nach Barcelona hätte durch den zentral gelegenen Zürcher Hauptbahnhof (HB) einen idealen Ausgangspunkt gehabt. Der SBB-Bahnhof ist hervorragend mit dem internationalen Bahnnetz verbunden, insbesondere im Bereich der Nachtzüge. Zudem ist Barcelona, als attraktive Reise- und Geschäftsmetropole, von Zürich aus in einem relativ kurzen Zeitraum erreichbar. Für Geschäftsreisende und Touristen gleichermaßen wäre dies eine interessante Alternative zu den Flugreisen, die aktuell die Strecke dominieren. Doch nun steht das Projekt auf der Kippe.

Finanzierungsprobleme und technologische Herausforderungen

Die Umsetzung des Projekts scheiterte vor allem an einem Mangel an finanziellen Mitteln und an technischen Hürden, die bei der Verwirklichung einer grenzüberschreitenden Nachtzugverbindung zwischen der Schweiz und Spanien auftraten. Wie die ÖBB auf Anfrage von airliners.de bestätigten, war die Schweiz zwar daran interessiert, das Nachtzugnetz auszubauen, doch konnte die nötige Finanzierung durch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) nicht bereitgestellt werden. Dieses Problem hatte zur Folge, dass das Projekt zunächst nicht realisiert werden konnte.

Auch die technischen Anforderungen sind nicht zu unterschätzen. Der Nachtzug zwischen Zürich und Barcelona hätte zwei Landesgrenzen überschreiten müssen, was die Notwendigkeit zur Nutzung verschiedener Signal- und Sicherungssysteme mit sich brachte. Ein weiteres Problem stellen die unterschiedlichen Stromversorgungssysteme dar. Während die Schweiz und Österreich mit dem gleichen Stromnetz betrieben werden, müssen die Züge in Spanien mit einer anderen Spannung arbeiten, was zusätzliche technische Anpassungen erforderlich gemacht hätte. Eine weitere Hürde stellte die Frage der Zulassung dar, da der Nachtzug eine grenzüberschreitende Strecke befahren würde. Diese Herausforderungen haben nicht nur den finanziellen, sondern auch den organisatorischen Aufwand erheblich erhöht.

Trotz dieser Komplikationen hätte der Einsatz moderner Nachtzüge der neuesten Generation, die der ÖBB zur Verfügung stehen, diese Strecke grundsätzlich technisch möglich gemacht. Jedoch musste auch die Tatsache berücksichtigt werden, dass die Züge für eine grenzüberschreitende Strecke mit festen Zugverbänden und Steuerwagen ausgerüstet wären, was für das Projekt einen weiteren zusätzlichen Aufwand bedeutet hätte.

Der mögliche Nachfolger: Ein komplizierter Start, aber nicht das Ende

Obwohl das Projekt vorerst nicht realisiert wird, schließen die ÖBB eine spätere Umsetzung nicht vollständig aus. Der Grund für das Aussetzen des Projekts liegt weniger an einem grundsätzlichen Verzicht, sondern vielmehr an der Notwendigkeit, eine tragfähige Lösung für die Finanzierung zu finden. In den kommenden Jahren könnte es durchaus zu einer erneuten Prüfung des Projekts kommen, insbesondere wenn sich die Bedingungen in der internationalen Zusammenarbeit und im Bereich der nachhaltigen Mobilität weiter verbessern.

Die Einführung eines Nachtzuges zwischen Zürich und Barcelona hätte zweifelsohne einen signifikanten Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen geleistet, insbesondere da vier Flüge pro Tag zwischen den beiden Städten stattfinden. Der Nachtzug hätte somit nicht nur den Reisenden eine bequeme und umweltfreundliche Alternative geboten, sondern auch einen nachhaltigen Beitrag zur Mobilitätswende geleistet.

Die Zukunft des Nachtverkehrs in Europa

Die ÖBB verfolgen weiterhin eine aggressive Strategie zum Ausbau des Nachtverkehrs und investieren in die Modernisierung und Erweiterung ihres Nachtzugnetzes. Besonders hervorzuheben sind die bereits bestehenden Verbindungen nach Hamburg, Wien und anderen europäischen Metropolen, die eine Vielzahl von Geschäftsreisenden und Touristen ansprechen. In Zukunft könnte der grenzüberschreitende Nachtzugverkehr weiter ausgebaut werden, wobei eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den europäischen Bahnunternehmen notwendig ist, um die Herausforderungen der grenzüberschreitenden Verbindungen zu bewältigen.

Ein weiteres Beispiel für das Bestreben der ÖBB, das Nachtzugnetz zu stärken, ist die Partnerschaft mit den Deutschen Bahn und den französischen Staatsbahnen SNCF. Diese Zusammenarbeit zielt darauf ab, auch in Ländern wie Frankreich und Deutschland das Nachtverkehrsnetz zu erweitern und so die grenzüberschreitende Mobilität zu fördern.

Das geplante Nachtzugprojekt zwischen Zürich und Barcelona zeigt, wie komplex und herausfordernd grenzüberschreitende Mobilitätsprojekte sein können. Trotz der technischen Machbarkeit und der umweltpolitischen Notwendigkeit musste das Vorhaben aufgrund von Finanzierungsproblemen und logistischen Hürden vorerst ausgesetzt werden. Dennoch bleibt das Projekt auf der Agenda der ÖBB, die weiterhin an der Zukunft des Nachtverkehrs arbeiten und ihre Verbindungen über die Grenzen hinweg ausbauen wollen.

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1 Comment

  • Joachim Falkenhagen , 29. November 2024 @ 14:39

    Contributing factors not mentioned are
    * lack of available locomotives at ÖBB that would not not exceed the 17 ton per axle weight limit for French LGV high speed lines (Locomotives from the Talgo Avril line from the TGVs might be suitable after some modification) – thus reliance on the lower historic train routes in France and less attractive total travel time;
    * night closure of all French high speed lines (in spite of less requirement for maintenance in smaller routes like the Rhin-Rhone LGV along parts of the Lyon – Dijon – Mulhouse – Basel section);
    * track access and other costs for the rail infrastructure.
    * Lack of carbon pricing for flights, or of other supportive regulation like a quota for non-fossil-fuel-operated travel abroad.
    * A split train, Y-shaped service also to Frankfurt would attract additional passengers at low incremental costs, .

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