Der österreichische Tourismus verzeichnete im Jahr 2024 mit 154,3 Millionen Nächtigungen einen neuen Höchstwert, der das Ergebnis des Vorjahres um 2,1 Prozent und das Vorkrisenniveau von 2019 um 1,1 Prozent übertraf. Trotz dieser quantitativen Erfolge stand die sinkende Ertragslage der Tourismusbetriebe im Zentrum der Debatte zum Bericht „Tourismus in Österreich 2024“ im Nationalrat. Die Regierung, vertreten durch Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, betonte, dass der Kampf gegen die Inflation eine „Top-Priorität“ sei, da steigende Personal-, Lebensmittel- und Energiekosten die Betriebe zu Preisanpassungen zwingen, die nicht vollständig weitergegeben werden können.
Der Tourismusbericht wurde im Nationalrat einstimmig zur Kenntnis genommen, doch die Debatte zeigte deutliche Differenzen in den Lösungsvorschlägen der Fraktionen. Die FPÖ forderte „konkrete Schritte“ und bessere Rahmenbedingungen, da die Wertschöpfung trotz hoher Nächtigungszahlen stagniere. Kritisiert wurden fehlende Planungssicherheit, Überregulierung und mangelnde Entlastungen. Die ÖVP hob den Tourismus als Stabilitätsfaktor der Wirtschaft hervor und verwies auf die Anhebung der Saisonkontingente für Arbeitskräfte, sah aber die neun unterschiedlichen Tourismusgesetze in den Bundesländern als mögliche Ursache für verschiedene Abgaben, was eine Vereinheitlichung wünschenswert mache.
Die SPÖ betonte, dass es nicht nur um Rekorde gehe, sondern um den Ausbau der Vorreiterrolle Österreichs. Als zentrale Maßnahme zur Standortsicherung wurde der in Begutachtung befindliche Tourismusbeschäftigtenfonds genannt, der zur längeren Bindung von Personal in der Branche beitragen soll. Die NEOS sahen die Zukunft primär in einem qualitativen Ganzjahrestourismus und forderten ebenfalls Entlastungen, insbesondere bei den Energiepreisen. Ferner wurde die Relevanz des Fachkräftemangels fraktionsübergreifend thematisiert, wobei die Grünen die Ausweitung der Rotweißrotkarte ins Spiel brachten und die Bedeutung der Kinderbetreuung für die Erschließung des Arbeitskräftepotenzials bei Frauen betonten. Der Rückgang der Ertragslage bleibt somit trotz des neuen Nächtigungsrekords die zentrale Herausforderung der Branche.