Die namibische Regierung treibt die Gründung einer neuen nationalen Fluggesellschaft voran. Das Kabinett hat den Namen des künftigen staatlichen Unternehmens als Namibia Air (Pty) Ltd. bestätigt, wie der Minister für Bauwesen und Verkehr, Veikko Nekundi, mitteilte. Die Fluggesellschaft wird sich zu 100 Prozent in Staatsbesitz befinden und soll planmäßig im kommenden Geschäftsjahr den Betrieb aufnehmen.
Dieses Vorhaben ist ein zentraler Bestandteil des Implementierungsplans des Regierungsprogramms der regierenden South West African People’s Organisation (SWAPO), die sich seit 2022 für einen Nachfolger der 2021 liquidierten Air Namibia eingesetzt hat. Der Neustart zielt darauf ab, die nationale Anbindung zu stärken, die regionale Integration in Afrika zu fördern und zugleich die finanziellen Fehler der Vergangenheit konsequent zu vermeiden.
Lehren aus dem Zusammenbruch der Vorgängergesellschaft
Die Neugründung von Namibia Air erfolgt vor dem Hintergrund der schmerzhaften Liquidierung des früheren staatlichen Flag-Carriers Air Namibia. Die Vorgängergesellschaft hatte über drei Jahrzehnte hinweg staatliche Beihilfen in Höhe von rund 8 Milliarden Namibischen Dollar (etwa 467 Millionen US-Dollar) erhalten, ohne jemals profitabel zu arbeiten. Am Ende führten ein untragbarer Schuldenberg von geschätzt über 3 Milliarden Namibischen Dollar, unrentable Leasingverträge für Flugzeuge wie die A330-200, Ineffizienzen in der Personalstruktur und defizitäre Langstreckenverbindungen, insbesondere nach Frankfurt am Main, zum endgültigen Aus im März 2021. Die Regierung sah sich gezwungen, die staatliche Unterstützung einzustellen, um die nationalen Finanzen zu entlasten und Mittel für andere dringende Prioritäten wie das Gesundheitswesen und das Bildungswesen freizumachen. Die endgültige Liquidation wurde von Gläubigern wie der Namibia Airports Company (NAC) vorangetrieben, der Air Namibia hohe Gebühren schuldete.
Minister Nekundi unterstrich, dass Namibia Air die kommerziellen Fehlentscheidungen von Air Namibia entschlossen umgehen muss. Dazu zählen nicht wettbewerbsfähige Leasingraten, eine zu große Belegschaft und das Festhalten an unprofitablen Routen. Alle Entscheidungen bezüglich des Streckennetzes, der Flottenauswahl und des Personals sollen ausschließlich kommerziellen Kriterien unterliegen, um die langfristige Überlebensfähigkeit des Unternehmens zu sichern und Steuergelder zu schützen.
Entwicklung des Geschäftsmodells und der Flottenstrategie
Das namibische Ministerium für Bauwesen und Verkehr befindet sich derzeit in der Phase der Finalisierung der Marktanalysen, Verkehrsprognosen und des gesamten Geschäftsmodells für Namibia Air. Erst nach Abschluss dieser detaillierten wirtschaftlichen Bewertungen wird die nächste Analysephase, der Flottenplan, in Angriff genommen.
Eine der wichtigsten noch offenen Entscheidungen ist die Frage, ob die zukünftigen Flugzeuge gekauft oder geleast werden sollen. Minister Nekundi betonte, dass diese Wahl erst nach einer umfassenden Analyse der wirtschaftlichen Kennzahlen getroffen wird. Bei Air Namibia waren es gerade die kostspieligen und unflexiblen Leasingverträge für Großraumflugzeuge, die einen erheblichen Beitrag zum finanziellen Ruin leisteten. Das neue Management wird daher einen schlanken und effizienten Ansatz verfolgen müssen. Die ehemalige Flotte von Air Namibia umfasste zum Zeitpunkt der Einstellung des Betriebs verschiedene Flugzeugtypen, darunter Airbus A319-100 und A330-200 sowie Embraer E135.
Der Minister kündigte an, dass die Belegschaft von Namibia Air bewusst klein gehalten werden soll, um den globalen Effizienzstandards zu entsprechen. Obwohl ehemalige Mitarbeiter der liquidierten Air Namibia aufgrund ihrer Branchenkenntnisse für eine Anstellung in Betracht gezogen werden können, wird eine Einstellung ausschließlich von den benötigten Fähigkeiten und der Erfahrung des Einzelnen abhängen – alle Entscheidungen unterliegen dem strikten Geschäftskonzept zur Sicherstellung des langfristigen Erfolgs.
Strategische Bedeutung für die regionale Anbindung
Über die rein kommerzielle Zielsetzung hinaus soll Namibia Air eine Schlüsselrolle bei der Verwirklichung der regionalen Integrationsziele Namibias spielen. Die Fluggesellschaft wird dabei neu ratifizierte Fünftfreiheiten nutzen, um die Konnektivität und den Handel innerhalb Afrikas zu stärken. Fünftfreiheiten ermöglichen es einer Fluggesellschaft, Passagiere zwischen zwei fremden Ländern im Rahmen eines Fluges zu befördern, der in ihrem Heimatland beginnt oder endet. Solche Rechte sind entscheidend für die Errichtung eines rentablen Streckennetzes in Afrika und die Positionierung Namibias als regionaler Verkehrsknotenpunkt.
Ferner wird Namibia Air strategische Partnerschaften und Zubringervereinbarungen mit anderen etablierten Fluggesellschaften anstreben. Solche Kooperationen sind übliche Wachstumsinstrumente in der Luftfahrt, um die Reichweite zu erhöhen, ohne sofort in eigene Langstreckenkapazitäten investieren zu müssen.
Die Wiederherstellung der nationalen Luftverkehrsverbindung wird als wirtschaftliche Notwendigkeit und als Frage des nationalen Selbstverständnisses betrachtet. Aktuell wird der namibische Inlands- und Regionalverkehr vorwiegend von der privaten namibischen Fluggesellschaft FlyNamibia bedient, einem Joint Venture mit der südafrikanischen Airlink. Auch internationale Kapazitäten werden von einer Reihe ausländischer Fluggesellschaften bereitgestellt, darunter South African Airways, Discover Airlines, Ethiopian Airlines und TAAG Angola Airlines, was die Abhängigkeit des Landes von ausländischen Anbietern unterstreicht. Die neue staatliche Fluggesellschaft soll diese Lücke schließen und die nationale Kontrolle über einen strategisch wichtigen Sektor zurückgewinnen.
Finanzielle und politische Rückendeckung
Das Projekt der neuen nationalen Fluggesellschaft hat eine klare politische Rückendeckung der Regierungspartei SWAPO. Beobachter weisen darauf hin, dass die Gründung des neuen Carriers auch ein wichtiges Element im Vorfeld der kommenden Wahlen darstellt. Gerüchten zufolge sind im Regierungsprogramm bis zu drei Milliarden Namibische Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren für die Gründung der Airline vorgesehen, was die Ernsthaftigkeit des Vorhabens unterstreicht.
Namibia Air steht vor einer komplexen Aufgabe: Es muss die Vorteile eines staatlichen Engagements, wie die strategische Steuerung der nationalen Anbindung und die Förderung des Tourismus, mit der Notwendigkeit einer strengen kommerziellen Geschäftsführung in Einklang bringen. Die Regierung betont, dass man sich bewusst von den Fehlern der Vergangenheit distanziere und ein zukunftsfähiges Unternehmen aufbauen wolle, das den Steuerzahler nicht erneut belastet. Die ersten operativen Schritte von Namibia Air werden daher sowohl in Namibia als auch in der gesamten afrikanischen Luftfahrtgemeinschaft genau beobachtet werden.