Norwegian Aqua (Foto: Norwegian Cruise Line).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

NCL Holdings sichert sich langfristige Kapazitäten bei Fincantieri

Werbung

Der US-amerikanische Kreuzfahrtriese NCL Holdings hat seine langfristigen Wachstumspläne durch den Abschluss eines bedeutenden Vorvertrags mit der italienischen Fincantieri-Werft untermauert. Die Vereinbarung sieht den Bau von drei zusätzlichen Schiffen vor, die jeweils für die Tochtermarken Norwegian Cruise Line, Oceania Cruises und Regent Seven Seas Cruises bestimmt sind. Mit den geplanten Auslieferungsterminen in den Jahren 2036 und 2037 festigt der Konzern seine Marktposition in einer Zeit, in der Werftkapazitäten für große Passagierschiffe weltweit knapper werden.

Da die Auftragsbücher der führenden europäischen Schiffsbauer bereits bis weit in das nächste Jahrzehnt gefüllt sind, stellt dieser Schritt eine essenzielle Absicherung für die geplante Kapazitätserweiterung dar. Die Investition zielt darauf ab, die verschiedenen Marktsegmente von der massentauglichen Erlebniskreuzfahrt bis hin zum Ultra-Luxus-Sektor gezielt mit modernster Tonnage zu bedienen und die Flottenkontinuität über das Jahr 2035 hinaus zu gewährleisten.

Engpässe bei den globalen Großwerften

Der Schiffbaumarkt für Kreuzfahrteinheiten befindet sich derzeit in einer Phase der Hochkonjunktur, die die führenden Werften an ihre Kapazitätsgrenzen bringt. Neben dem italienischen Marktführer Fincantieri sind auch Chantiers de l’Atlantique in Frankreich sowie die Meyer Werft an ihren Standorten in Papenburg und Turku auf Jahre hinaus ausgebucht. Diese Knappheit resultiert aus einer Serie von Großaufträgen führender Reedereien, die nach der Erholung des globalen Tourismussektors ihre Flotten radikal modernisieren. Bereits im vergangenen Jahr hatten Wettbewerber wie MSC Cruises und die Royal Caribbean Group umfangreiche Verträge unterzeichnet, um sich Bauplätze für die nächste Generation ihrer Megaliner zu sichern.

Für NCL Holdings war der jetzige Abschluss daher ein strategisch notwendiger Schritt, um nicht im Wettbewerb um Produktionskapazitäten ins Hintertreffen zu geraten. Mit nun insgesamt 17 fest bestellten oder in Vorverträgen gesicherten Neubauten verfügt das Unternehmen über eines der umfangreichsten Expansionsprogramme der Branche. Die Zusammenarbeit mit Fincantieri hat dabei eine lange Tradition; die italienische Werftgruppe gilt als Spezialist für komplexe Schiffsarchitekturen und hat bereits zahlreiche Einheiten für die Marken des Konzerns erfolgreich abgeliefert.

Differenzierte Strategie für das Markentrio

Die drei neuen Schiffe sind jeweils auf die spezifischen Anforderungen der unterschiedlichen Zielgruppen zugeschnitten. Für die Marke Oceania Cruises, die im gehobenen Premium-Segment angesiedelt ist, wurde ein weiterer Neubau der sogenannten Sonata-Klasse avisiert. Diese Schiffe sind für rund 1.390 Passagiere konzipiert und setzen den Fokus auf ein hohes Raumverhältnis pro Gast sowie ein kulinarisch ausgerichtetes Bordkonzept. Das Ziel ist es, die Nische zwischen klassischen großen Kreuzfahrtschiffen und kleinen Luxusyachten weiter zu besetzen.

Im Segment des Ultra-Luxus-Sektors erhält Regent Seven Seas Cruises Zuwachs in der Prestige-Klasse. Mit einer Kapazität von lediglich 822 Passagieren gehört dieser Schiffstyp zu den exklusivsten Einheiten auf dem Weltmarkt. Hier liegt der Schwerpunkt auf Suiten-Konzepten, persönlichem Service und einem hohen Maß an Privatsphäre. Die Entscheidung, diese Klasse weiter auszubauen, spiegelt die steigende Nachfrage nach exklusiven Reiseerlebnissen wider, bei denen das Schiff selbst zum primären Ziel der Reise wird.

Die Marke Norwegian Cruise Line hingegen bedient das Volumen-Segment. Für sie ist ein Schiff einer noch nicht namentlich benannten Serie vorgesehen, die ab 2030 eingeführt wird. Diese Giganten sind für mehr als 5.000 Gäste ausgelegt und stellen technologisch sowie logistisch völlig andere Anforderungen an die Werft als die kleineren Luxuseinheiten. Hier stehen weitläufige Unterhaltungskomplexe, vielfältige Gastronomieangebote und eine komplexe Bordlogistik im Vordergrund, um die großen Passagierströme effizient zu steuern.

Wirtschaftliche Implikationen und Auslieferungsplan

Der finanzielle Umfang des Vorvertrags wurde bisher nicht im Detail kommuniziert, doch Experten schätzen das Investitionsvolumen basierend auf aktuellen Marktpreisen auf mehrere Milliarden Euro. Die langfristige Bindung an Fincantieri ermöglicht es NCL Holdings, Preissteigerungen bei Rohstoffen und Komponenten durch langfristige Kalkulationen teilweise abzufedern. Zudem profitieren beide Partner von Lerneffekten beim Bau von Serienschiffen derselben Klassen, was die Bauzeit verkürzen und die Fehlerquote minimieren kann.

Unmittelbar bevor steht jedoch erst einmal die Ablieferung der Norwegian Luna im April dieses Jahres. Das Schiff, das ebenfalls bei Fincantieri entstand, markiert den nächsten Meilenstein in der aktuellen Flottenverjüngung. Die Norwegian Luna wird als Schwestermodell der Norwegian Viva und Norwegian Prima in den Dienst gestellt und verfügt über die markante, farbenfrohe Rumpfbemalung, die zum Markenzeichen der Reederei geworden ist. Diese kurzfristigen Flottenzugänge sichern das operative Geschäft, während die Neuaufträge für 2036 und 2037 das strategische Wachstum für die übernächste Dekade definieren.

Infrastruktur und technologische Anforderungen

Der Bau von Schiffen dieser Größenordnung erfordert eine hochspezialisierte Infrastruktur, die nur wenige Standorte weltweit bieten können. Fincantieri nutzt für solche Aufträge ein Netzwerk aus verschiedenen Trockendocks und Fertigungsstätten, wobei die Endmontage oft an Standorten wie Marghera oder Monfalcone erfolgt. Die logistische Herausforderung besteht darin, die Lieferketten für tausende Einzelkomponenten über einen Zeitraum von über zehn Jahren stabil zu halten.

Technisch werden die Neubauten für 2036/37 voraussichtlich über modernste Antriebssysteme verfügen, die eine höhere Energieeffizienz und verbesserte Manövrierfähigkeit ermöglichen. Obwohl Details zur technischen Ausstattung erst zu einem späteren Zeitpunkt der Konstruktionsphase festgelegt werden, ist davon auszugehen, dass die Schiffe für einen weltweiten Einsatz in unterschiedlichsten Klimazonen und Häfen optimiert werden. Dies umfasst auch die Fähigkeit, Landstromanschlüsse zu nutzen und modernste Abwasserreinigungssysteme zu betreiben, um den immer strenger werdenden internationalen maritimen Standards gerecht zu werden.

Marktausblick und Wettbewerbssituation

Die Kreuzfahrtindustrie hat sich als äußerst resilient erwiesen und verzeichnet global steigende Buchungszahlen. Besonders der US-amerikanische Markt, das Kerngebiet von NCL Holdings, zeigt ein ungebrochenes Interesse an Seereisen. Mit der Diversifizierung über drei Marken hinweg kann der Konzern flexibel auf konjunkturelle Schwankungen reagieren. Während das Luxussegment oft weniger volatil ist, generieren die großen Schiffe von Norwegian Cruise Line die notwendigen Volumina für ein stabiles Betriebsergebnis.

Die Konkurrenz schläft indes nicht. Royal Caribbean hat mit der Icon-Klasse neue Maßstäbe bei der Schiffsgröße gesetzt, während Carnival Corporation und MSC ebenfalls massiv in ihre Flotten investieren. Der Kampf um die besten Werftplätze ist somit ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Wer heute keine Bauplätze für die Mitte der 2030er Jahre besetzt, riskiert, in einem Jahrzehnt keine neuen Kapazitäten zur Verfügung zu haben, um alte Schiffe zu ersetzen oder die steigende Nachfrage zu bedienen. NCL Holdings hat mit der neuen Vereinbarung mit Fincantieri sichergestellt, dass die Expansion des Unternehmens auch im übernächsten Jahrzehnt planmäßig fortgesetzt werden kann.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung