Flughafen Linz (Foto: Michael David).
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Neuausrichtung der Flugverbindung zwischen Linz und Frankfurt am Main

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Der Flughafen Linz steht am Beginn einer entscheidenden Verhandlungsphase über seine künftige internationale Anbindung. Nachdem die für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich zentrale Flugstrecke zum Drehkreuz Frankfurt im Oktober des vergangenen Jahres durch die Lufthansa eingestellt wurde, bemüht sich das Land nun um eine Wiederaufnahme des Betriebs. Am heutigen Tag endete die offizielle Frist für die Abgabe von Angeboten im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung.

Wie das Wirtschaftsressort des Landes Oberösterreich mitteilte, haben mehrere Luftverkehrsgesellschaften Interesse an der Durchführung der Linienflüge bekundet. Die kommenden Wochen werden durch intensive Verhandlungen geprägt sein, wobei eine endgültige Entscheidung über den künftigen Betreiber und den Zeitpunkt der Wiederaufnahme für das erste Quartal 2026 angestrebt wird. Ziel dieser Bemühungen ist es, die oberösterreichische Industrie und den Tourismus wieder direkt an das weltweite Flugnetz anzuschließen, um die Standortattraktivität langfristig zu sichern.

Die Bedeutung des Drehkreuzes Frankfurt für den Wirtschaftsstandort

Für den Flughafen Linz, auch bekannt als Blue Danube Airport, stellt die Verbindung nach Frankfurt weit mehr als eine gewöhnliche Flugroute dar. Frankfurt am Main fungiert als einer der bedeutendsten Luftfahrt-Knotenpunkte weltweit. Von dort aus haben Passagiere Zugriff auf hunderte Anschlussverbindungen in alle Kontinente. Für die exportorientierte Wirtschaft in Oberösterreich ist diese Anbindung von strategischer Relevanz.

Viele der im Großraum Linz und Wels ansässigen Unternehmen agieren global und sind auf effiziente Reisen ihrer Mitarbeiter sowie auf schnelle Luftfrachtverbindungen angewiesen. Der Wegfall der Strecke zwang Reisende zuletzt dazu, auf die Bahnverbindung zum Flughafen Wien oder auf andere regionale Flughäfen auszuweichen, was jedoch mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden ist.

Historischer Rückblick und wirtschaftliche Hintergründe der Einstellung

Die Einstellung der Flugverbindung am 25. Oktober des vergangenen Jahres kam nicht völlig überraschend, markierte jedoch einen tiefen Einschnitt für die regionale Infrastruktur. Die Lufthansa-Gruppe hatte die Strecke über Jahre hinweg bedient, sah sich jedoch mit zunehmenden Rentabilitätsproblemen konfrontiert. Ein wesentlicher Faktor war die veränderte Nachfragestruktur nach der Pandemie sowie die Konkurrenz durch die Schiene. Da die Fluggesellschaften ihre Kapazitäten auf hochprofitable Routen konzentrieren, gerieten Regionalflughäfen wie Linz zunehmend unter Druck.

Trotz einer stabilen Auslastung in der Business-Class reichten die Erlöse laut Unternehmensangaben zuletzt nicht mehr aus, um die gestiegenen Betriebskosten und Gebühren zu decken. Dies führte letztlich zur Entscheidung, Linz aus dem Flugplan des deutschen Kranich-Konzerns zu streichen.

Das Modell der staatlichen Unterstützung durch Ausschreibung

Um die drohende dauerhafte Abkoppelung zu verhindern, hat das Land Oberösterreich unter der Führung von Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner ein rechtliches Instrumentarium gewählt, das in der Europäischen Union für die Sicherung wichtiger Infrastruktur vorgesehen ist. Die Ausschreibung der Flugverbindung basiert auf dem Prinzip der Übernahme von potenziellen Verlusten. Konkret bedeutet dies, dass das Land Oberösterreich bereit ist, finanzielle Defizite auszugleichen, die einer Fluggesellschaft durch den Betrieb dieser spezifischen Route entstehen könnten.

Dieses Modell soll das wirtschaftliche Risiko für die Betreiber minimieren und die Strecke wieder attraktiv für Fluglinien machen, die über die notwendigen Kapazitäten verfügen. Die Finanzierung erfolgt aus Landesmitteln, die für die Standortsicherung vorgesehen sind.

Aktueller Stand des Vergabeverfahrens und nächste Schritte

Mit dem Ende der Angebotsfrist am heutigen Nachmittag beginnt für die Verantwortlichen die Phase der detaillierten Prüfung. Markus Achleitner, der auch als Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens fungiert, betonte, dass man sich nun in einer sensiblen Verhandlungsphase befinde. Es gilt nicht nur den günstigsten Preis für das Land zu erzielen, sondern vor allem einen Partner zu finden, der eine verlässliche Frequenz und passende Zeitfenster für Geschäftsreisende garantieren kann.

Üblicherweise werden auf solchen Strecken mindestens zwei Rotationen täglich angestrebt, um Tagesreisen nach Frankfurt oder effiziente Anschlüsse an Interkontinentalflüge zu ermöglichen. Welche Fluggesellschaften sich konkret beworben haben, bleibt vorerst unter Verschluss, um die Verhandlungsposition des Landes nicht zu schwächen.

Herausforderungen für Regionalflughäfen im europäischen Luftraum

Die Situation in Linz ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für die Entwicklung im europäischen Regionalflugverkehr. Viele Flughäfen abseits der großen Hauptstädte kämpfen darum, ihre Anbindungen an die großen Hubs wie London, Paris, Amsterdam oder eben Frankfurt zu halten. Die Konsolidierung der Luftfahrtbranche führt dazu, dass kleinere Flugzeuge, die für solche Strecken ideal wären, zunehmend aus den Flotten verschwinden oder durch größere, schwerer auszulastende Maschinen ersetzt werden. Zudem steigen die Anforderungen an die Bodeninfrastruktur und die Sicherheitsvorkehrungen kontinuierlich. Der Flughafen Linz muss sich in diesem Umfeld als spezialisierter Anbieter behaupten, der durch kurze Wege und effiziente Abfertigung punktet.

Sollten die Verhandlungen wie geplant im ersten Quartal 2026 abgeschlossen werden, könnte der Flugbetrieb kurz darauf wieder aufgenommen werden. Dies würde eine erhebliche Erleichterung für die Reiseplanung der oberösterreichischen Wirtschaft bedeuten. Neben der Zeitersparnis spielt auch die psychologische Komponente eine Rolle: Ein Flughafen mit internationaler Anbindung wird von globalen Investoren als Qualitätsmerkmal eines Wirtschaftsraumes wahrgenommen. Parallel zur Wiederbelebung der Frankfurt-Route arbeitet der Linzer Flughafen auch an der Stärkung des Frachtgeschäfts und der Charterflüge für den Tourismus, um die Einnahmebasis auf mehrere Säulen zu stellen.

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