Auf dem Areal des im November 2020 geschlossenen Passagierflughafens Berlin-Tegel hat eine vielschichtige städtebauliche und gewerbliche Umgestaltung begonnen. Wo über Jahrzehnte der zivile Luftverkehr das Bild prägte, entwickelt das Land Berlin über die landeseigene Berlin TXL Management GmbH ein Nutzungskonzept, das Forschung, Industrie, Gewerbe und Wohnen auf einer Gesamtfläche von rund 500 Hektar miteinander verbindet.
Fünf Jahre nach der behördlichen Übernahme des Geländes im August 2021 zeigen sich erste Betriebsansiedlungen in den Bestandsobjekten, während parallel dazu die infrastrukturelle Erschließung großer Freiflächen für den Geschosswohnungsbau und für Neubauten im Gewerbesektor voranschreitet. Die praktische Umsetzung des Großprojekts verläuft in mehreren Etappen und ist auf einen Zeitraum bis weit in die 2030er Jahre angelegt.
Gewerbliche Ansiedlungen und Versuchsflächen in der Urban Tech Republic
Der westliche und zentrale Teil des ehemaligen Flughafengeländes rund um das historische Terminalgebäude wird unter dem Namen Urban Tech Republic als Forschungs- und Industriepark entwickelt. Derzeit nutzen 42 Unternehmen und Institutionen mit zusammengenommen etwa 450 Beschäftigten die bestehenden Gebäude wie frühere Hangars und Frachthallen. Die inhaltlichen Schwerpunkte der dort angesiedelten Einheiten liegen in den Bereichen Mobilität, Werkstoffentwicklung, Sensorik, Energieversorgung und digitale Infrastruktur. So nutzt beispielsweise das Unternehmen Earthbound einen früheren Hangar für die Herstellung von Lehmbaustoffen aus Baustellenaushub.
Neben den reinen Gebäudeflächen bietet das Gelände auf einer Fläche von 60 Hektar Freiraum, der für Tests von boden- und luftgebundenen Systemen eingesetzt wird. Firmen wie das Projekt Q, das Ortungssysteme, Sensoren und Drohnentechnologien für den zivilen und militärischen Einsatz entwickelt, nutzen das ehemalige Rollfeld als Erprobungsraum unter kontrollierten Bedingungen. Laut Angaben der Standortgesellschaft existiert ein vergleichbares Testareal dieser Größenordnung im norddeutschen Raum bisher nicht.
Ausdehnung des Gewerbeareals und Erbbaurechtsvergabe
Die Bautätigkeit in der Urban Tech Republic beschränkte sich bislang im Wesentlichen auf die Umgestaltung und Nutzung von Bestandsgebäuden. Nunmehr beginnt die Vermarktung von erschlossenen Neubauflächen, die mit Leitungsnetzen für die Wasser- und Energieversorgung ausgestattet wurden. Der Abschluss eines Vertrages mit einem ersten Investor für ein Grundstück von 7.000 Quadratmetern steht unmittelbar bevor, während ein weiteres Baufeld für das Spätjahr angekündigt ist.
Die weitere Planung sieht vor, im Jahr 2027 rund 95.000 Quadratmeter Gewerbefläche auf den Markt zu bringen. Für das Jahr 2028 ist die Anbietung von weiteren 124.000 Quadratmetern vorgesehen. Ziel der Standortgesellschaft ist es, langfristig bis zu 1.000 Unternehmen mit insgesamt 20.000 Arbeitsplätzen auf dem Areal anzusiedeln. Das Land Berlin vergibt die Grundstücke ausschließlich im Erbbaurecht, sodass das Eigentum am Grund und Boden beim Land verbleibt.
Sanierung und Umnutzung der denkmalgeschützten Terminals
Das sechseckige Terminalgebäude sowie die angrenzenden Bauten stehen weitgehend unter Denkmalschutz und sollen schrittweise neuen Nutzungen zugeführt werden. Das Terminal A wird für die Berliner Hochschule für Technik umgebaut. Nach dem Abschluss der Vorbereitungsarbeiten ist der Baubeginn für die Anpassung des Gebäudes an den Hochschulbetrieb für die nächste Zeit angesetzt. Es wird angestrebt, dass ab Beginn der 2030er Jahre rund 2.500 Studierende an diesen Standort wechseln.
Für das Terminal B ist die Einrichtung eines Gründungs-, Innovations- und Kongresszentrums vorgesehen, wobei die eigentlichen Umbaumaßnahmen für das Jahr 2028 geplant sind. Das Terminal D soll künftig als Zentrum für Mobilität, Künstliche Intelligenz und Robotik dienen; die entsprechende Bauplanung startet im Jahr 2027.
Wohnungsbau im Schumacher Quartier
Am östlichen Rand des Areal erstreckt sich das sogenannte Schumacher Quartier. Auf einer Fläche von 46 Hektar sollen dort mehr als 5.000 Wohnungen für über 10.000 Menschen entstehen. Den Auftakt für die Hochbauten bildet ein Projekt der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo, die im August 2026 mit bauvorbereitenden Maßnahmen für 337 Wohnungen beginnt. Die Fertigstellung dieser Einheiten ist für Ende 2028 vorgesehen, wobei Einstiegsmieten ab sieben Euro pro Quadratmeter angepeilt werden.
Für die Bauausführung kommt eine Holzhybridbauweise zum Einsatz. Neben der Degewo übernimmt die ebenfalls kommunale Gesobau die Erschließung weiterer Baufelder. Ergänzend sollen in späteren Abschnitten Genossenschaften beim Wohnungsbau berücksichtigt werden. Das städtebauliche Konzept für das Quartier sieht vor, die innere Erschließung weitgehend frei von individuellem Kraftfahrzeugverkehr zu halten und das Niederschlagswasser über dezentrale Versickerungs- und Speichersysteme im Quartier zu belassen.
Anbindung an das städtische Verkehrsnetz
Die verkehrsinfrastrukturelle Anbindung des Geländes ist Gegenstand anhaltender Planungen. Nach der Erwägung verschiedener Optionen, wie der Verlängerung von U-Bahn-Linien oder der Errichtung einer Magnetschwebebahn, hat sich der Berliner Senat Anfang 2024 grundsätzlich für den Bau einer Straßenbahnlinie entschieden. Diese soll die Verbindung zum Hauptnetz und zur U-Bahn-Linie U6 herstellen.
Die konkrete Vorplanung für die Neubaustrecke durch die Berliner Verkehrsbetriebe und die Senatsverwaltung für Verkehr steht vor dem Beginn. Als zeitlicher Horizont für die Inbetriebnahme der Straßenbahnlinie wird derzeit das Jahr 2034 genannt, weshalb in der Übergangsphase die Erschließung des Areals vorrangig über den bestehenden Busverkehr abgewickelt werden muss.