Eine Boeing 787 wird betankt (Foto: Jan Gruber).
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Neue SAF-Vorgaben in der EU: Risiken durch minderwertige Treibstoffe und Kriminalität im Luftfahrtmarkt

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Ab dem 1. Januar 2025 müssen alle Fluggesellschaften in der Europäischen Union einen bestimmten Anteil nachhaltiger Flugtreibstoffe (SAF) in ihren Kerosintanks haben. Diese neue Regelung ist Teil der europäischen Bemühungen, die Luftfahrtindustrie klimafreundlicher zu gestalten, da SAF als vielversprechende Lösung für die Reduktion von CO2-Emissionen gilt. Doch die europäische Luftfahrtaufsicht EASA warnt vor erheblichen Risiken, die mit der Einführung dieser neuen Treibstoffe verbunden sind. Insbesondere vor der Möglichkeit von betrügerischen Aktivitäten und Sicherheitsrisiken durch gepanschtes SAF.

SAF, oder Sustainable Aviation Fuel, ist ein Sammelbegriff für Flugtreibstoffe, die aus erneuerbaren Quellen wie Pflanzenöl, Algen oder auch Abfallstoffen aus der Industrie gewonnen werden. SAF bietet die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin erheblich zu reduzieren, was die Luftfahrtindustrie in ihrer Klimabilanz deutlich verbessern könnte.

Seit 1. Januar 2025 ist eine anfängliche Beimischungspflicht von 2 Prozent SAF in allen Flugtreibstoffen an EU-Flughäfen verpflichtend. Diese Quote soll schrittweise bis 2050 auf 70 Prozent ansteigen, was das Ziel der EU zur Dekarbonisierung des Luftverkehrs unterstreicht. In der Theorie ist SAF also ein entscheidender Baustein, um die Luftfahrtindustrie umweltfreundlicher zu machen.

Doch die Umsetzung dieser Maßnahmen ist alles andere als einfach. Die Produktion von SAF ist aufwändig und teuer, sodass der Preis für nachhaltigen Flugtreibstoff derzeit etwa fünfmal so hoch ist wie der von konventionellem Kerosin. Diese hohen Kosten stellen eine erhebliche Hürde für Fluggesellschaften dar und könnten zu Risiken im Markt führen.

Die Gefahren von minderwertigem SAF

Die Europäische Luftfahrtaufsicht EASA warnt in ihrem aktuellen Bulletin vor möglichen Risiken im Zusammenhang mit der steigenden Nachfrage nach SAF. Besonders problematisch könnte es werden, wenn Anbieter minderwertigen oder sogar gepanschten SAF liefern, um von den hohen Preisen zu profitieren. Dies könnte nicht nur zu einer Beeinträchtigung der Flugzeugleistung führen, sondern auch die allgemeine Betriebssicherheit gefährden.

„Mit der zunehmenden Einführung von SAF steigt das Risiko, dass Kraftstoffe angeliefert werden, die die Qualitätskriterien nicht erfüllen“, heißt es in der EASA-Warnung. Die Behörde betont, dass die Herstellung von SAF komplex ist, da der Treibstoff aus unterschiedlichen, oft biogenen Quellen gewonnen wird, die sorgfältig verarbeitet werden müssen. Besonders in der Anfangsphase der SAF-Einführung, in der die Produktion noch begrenzt ist und die Nachfrage stark steigt, könnte dies zu einem unkontrollierten Marktzugang von unzuverlässigen Lieferanten führen.

Ein solches Risiko ist nicht nur theoretisch: Die EASA warnt vor der Möglichkeit, dass kriminelle Akteure und betrügerische Händler in den SAF-Markt einsteigen, um von den hohen Preisen zu profitieren. „Die hohen Preise könnten betrügerische Aktivitäten anziehen, was das Risiko für nicht spezifizierten oder minderwertigen Treibstoff weiter erhöht“, erklärt die Behörde. Besonders neue Anbieter müssten genau überwacht und in regelmäßigen Audits überprüft werden.

Kriminalität im Luftfahrtsystem

Dass die Luftfahrtindustrie nicht vor kriminellen Machenschaften geschützt ist, hat sich in den letzten Jahren mehrfach gezeigt. Im Jahr 2023 und 2024 sorgten weltweite Skandale um gefälschte Ersatzteile und Titanlieferungen mit gefälschten Herkunftsnachweisen für Aufsehen. Zudem wurde eine groß angelegte Razzia in Italien bei einem Zulieferer für Boeing 787-Flugzeuge durchgeführt, die auf kriminelle Netzwerke hindeutete.

Im Kontext des SAF-Marktes könnte dies auf die Entstehung von neuen kriminellen Strukturen hinweisen, die versuchen, vom zunehmenden Bedarf an nachhaltigem Treibstoff zu profitieren. Der Zugang zu einem so lukrativen Markt könnte für organisierte Kriminalität und Betrüger ein Anreiz sein, minderwertigen oder gefälschten SAF auf den Markt zu bringen. In Anbetracht der hohen Sicherheitsanforderungen im Luftverkehr und der möglichen Auswirkungen auf die Flugzeuge bedeutet dies ein ernsthaftes Risiko für die gesamte Branche.

Die EASA fordert daher alle Beteiligten – vom Hersteller bis zum Betreiber – zu intensiven und kontinuierlichen Qualitätskontrollen auf allen Stufen der SAF-Lieferkette auf. Nur durch strenge Audits und klare Vorschriften könnte verhindert werden, dass minderwertiger oder gefährlicher SAF in die Flugzeuge gelangt und die Sicherheit der Passagiere und Besatzung gefährdet.

Ein Blick auf die Zukunft: Herausforderungen und Lösungen

Trotz der aktuellen Herausforderungen ist der Markt für SAF nicht nur ein Risiko, sondern auch eine große Chance für die Luftfahrtindustrie. Die zunehmende Nachfrage nach nachhaltigem Treibstoff könnte Innovationen in der Produktion und im Handel anregen und so langfristig zur Senkung der Produktionskosten führen. Die europäische Luftfahrtbranche ist sich der Probleme bewusst und arbeitet intensiv an Lösungen, um die Qualität des Treibstoffs zu gewährleisten und den Markt transparenter zu gestalten.

Ein wesentlicher Faktor wird dabei die Entwicklung von alternativen Herstellungsmethoden sein, die es ermöglichen, SAF kostengünstiger und in größeren Mengen zu produzieren. In Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die auf neue Technologien setzen, könnten so neue Quellen für nachhaltigen Treibstoff erschlossen werden.

Zusätzlich wird es entscheidend sein, den Markt für SAF von Anfang an streng zu überwachen und sicherzustellen, dass nur verlässliche und zertifizierte Anbieter zum Zug kommen. Hier könnte eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen der EASA, den nationalen Luftfahrtbehörden und der Industrie notwendig sein, um die Sicherheit und Qualität des Treibstoffs zu garantieren.

Die Einführung von SAF als Teil der Klimastrategie der EU ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Luftfahrt. Doch die Umsetzung dieser ambitionierten Ziele birgt auch Risiken – vor allem im Hinblick auf die Qualität des Treibstoffs und die Gefahr von betrügerischen Aktivitäten. Um die Sicherheit der Luftfahrt zu gewährleisten, müssen strenge Qualitätskontrollen eingeführt und der Markt für SAF sorgfältig überwacht werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Weg zu einer klimafreundlicheren Luftfahrt nicht auf Kosten der Sicherheit geht.

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