Cockpit Boeing 787-9 (Foto: Jan Gruber).
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Neues NOTAM-System soll veraltete Infrastruktur ersetzen

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Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hat die erste Phase eines umfassend modernisierten Warnmeldungsdienstes für Piloten und Flugbetriebsleitzentralen in Betrieb genommen. Das als NOTAM Management Service (NMS) bezeichnete neue System ging am 29. September 2025 in den sogenannten Early-Adopter-Betrieb und löst damit schrittweise eine auf Technologie der 1980er Jahre basierende Infrastruktur ab, die seit Langem wegen ihrer Komplexität und Anfälligkeit für Ausfälle in der Kritik stand.

Die Einführung des NMS, die nach Angaben der Behörden Monate vor dem geplanten Zeitrahmen erfolgte, soll die dringend benötigte Zuverlässigkeit und Klarheit in die Übermittlung flugsicherheitsrelevanter Informationen bringen. Die Modernisierung gilt als zentraler Pfeiler der Bemühungen der aktuellen US-Regierung, das nationale Luftraumsystem technologisch auf den neuesten Stand zu bringen.

Eine Geschichte der Komplexität und Ausfälle

Notices to Airmen (NOTAMs) sind essentielle Mitteilungen, die Piloten und Flugbetriebsleitern über zeitweilige Gefahren, Änderungen an Einrichtungen, Verfahren oder Diensten informieren, wie etwa zeitweilige Landebahnschließungen, Luftraumbeschränkungen oder Hindernisse in der Nähe von Flughäfen. Jährlich werden in den Vereinigten Staaten über vier Millionen dieser Meldungen veröffentlicht. Trotz ihrer kritischen Bedeutung haben Piloten die Handhabung jahrzehntelang als mühsam und unübersichtlich empfunden. Die Informationen waren oft in kryptischen Codes verpackt und in langen Textwänden verborgen, was die schnelle Extraktion entscheidender Sicherheitsdetails erschwerte.

Die Schwächen des alten Systems, des sogenannten US NOTAM System (USNS), wurden durch mehrere hochkarätige Vorfälle deutlich. Ein markantes Beispiel war der Landeunfall von Senator James Inhofe im Jahr 2010. Der Senator landete seine Cessna auf einer gesperrten Landebahn in Texas, auf der Bauarbeiten stattfanden. Obwohl die Information in einem NOTAM veröffentlicht worden war, wurde sie in der Masse der Meldungen übersehen, was die Notwendigkeit einer nutzerfreundlicheren Aufbereitung unterstrich. Als direkte Reaktion auf diesen Vorfall wies der US-Kongress die FAA im Rahmen eines nachfolgenden Gesetzes zur Neugenehmigung der FAA-Aktivitäten an, das überholte System grundlegend zu reformieren.

Die Dringlichkeit der Modernisierung erhöhte sich dramatisch durch eine Reihe von Betriebsausfällen in jüngster Zeit. Der schwerwiegendste Vorfall ereignete sich im Januar 2023, als das veraltete USNS nach der versehentlichen Löschung wichtiger Dateien durch beauftragte Dienstleister vollständig abstürzte. Dieser Fehler führte zu einem landesweiten Ground Stop, der ersten derartigen flächendeckenden Stilllegung des Flugverkehrs seit den Anschlägen vom September 2001. Mehr als 11.000 Flüge wurden verzögert oder annulliert. Der Vorfall legte die strukturelle Fragilität der in die Jahre gekommenen digitalen Infrastruktur der US-Luftfahrt offen und lieferte den endgültigen Beweis für die Notwendigkeit eines raschen Technologiewechsels.

Die Architektur der nächsten Generation

Das neue NOTAM Management Service (NMS) wurde laut FAA von Grund auf neu entwickelt und soll die Schwachstellen des Vorgängersystems beheben. FAA-Administrator Bryan Bedford betonte, das System sei ausfallsicher, benutzerfreundlich und skalierbar konzipiert worden. Ein wesentliches Merkmal des neuen Systems ist seine Cloud-Architektur. Im Gegensatz zum anfälligen lokalen Betrieb des USNS wird das NMS in der Cloud gehostet, was eine höhere Ausfallsicherheit und Zuverlässigkeit gewährleisten soll. Die moderne Architektur ist darauf ausgelegt, Daten nahezu in Echtzeit mit Piloten, Fluggesellschaften und Fluglotsen auszutauschen.

Nach Angaben des US-Verkehrsministers Sean Duffy ist die vorzeitige Inbetriebnahme ein Beweis für das Engagement der Regierung zur Modernisierung. Duffy lobte das Tempo des Rollouts und bezeichnete es als Beleg dafür, wie schnell und effektiv das nationale Luftfahrtsystem unter der aktuellen Führung ins 21. Jahrhundert gebracht werden könne.

Das neue System wurde bewusst mit dem Nutzer-Input aus der Pilotengemeinschaft entwickelt. Eines der Hauptziele des NMS ist die klarere und strukturiertere Präsentation der kritischen Informationen, um das Problem der in Textmassen verborgenen Sicherheitshinweise zu eliminieren. Anstatt kryptischer Codierungen und dichter Prosa soll das neue System Informationen so aufbereiten, dass sie schneller erfasst und interpretiert werden können, was direkt zur Verbesserung der Flugsicherheit beitragen soll.

Zeitplan und politische Dimension

Die Einführung des NMS erfolgt in einer schrittweisen Übergangsphase. Die FAA hat angekündigt, das NMS zunächst für mehrere Monate parallel zum alten USNS zu betreiben, um umfangreiche Tests und Validierungen durchzuführen. Die endgültige Außerbetriebnahme des veralteten USNS ist für Februar 2026 geplant. Bis zum späten Frühjahr 2026 soll die Migration der mehr als 12.000 globalen Nutzer abgeschlossen sein, wonach das NMS als alleinige verbindliche Quelle für alle Sicherheitsmitteilungen dienen wird.

Interessanterweise war das Projekt auch von einem kurzen politischen Schlagabtausch um die Terminologie begleitet. Im Dezember 2021 hatte die Regierung des ehemaligen Präsidenten Joe Biden den Namen offiziell von „Notices to Airmen“ in die geschlechtsneutrale Bezeichnung „Notices to Air Missions“ geändert. Die aktuelle Trump-Administration hat diese Änderung jedoch rückgängig gemacht und ist zur ursprünglichen Bezeichnung „Notices to Airmen“ zurückgekehrt.

Unabhängig von der Namensgebung betonen die Akteure in der Luftfahrt, dass die Funktionalität und Zuverlässigkeit des Systems das Entscheidende sei. Mit der Einführung des Cloud-basierten, resilienten NMS unternimmt die FAA einen bedeutenden Schritt, um die technologische Schuldenlast im amerikanischen Luftraum zu verringern und die Betriebssicherheit für Millionen von Flügen pro Jahr zu erhöhen.

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