Die neuseeländische Verteidigungsstreitkraft (New Zealand Defence Force) investiert über zwei Milliarden US-Dollar in eine umfassende Modernisierung ihrer militärischen Transportkapazitäten.
Im Zentrum der Beschaffung stehen zwei Airbus A321XLR, die als Ersatz für die veralteten Boeing 757-Transportflugzeuge der Royal New Zealand Air Force (RNZAF) dienen sollen. Der Schritt, zivile Langstreckenflugzeuge für militärische Zwecke zu erwerben, unterstreicht die Priorität, eine moderne und effiziente Luftbrücke für den Personal- und Materialtransport zu schaffen. Parallel dazu wird auch die Marineflotte mit neuen Militärhubschraubern des Typs Sikorsky MH-60R Seahawk erneuert, um die enge Zusammenarbeit mit dem australischen Militär zu stärken.
Ein Langstreckenflugzeug für vielseitige Einsätze
Die Entscheidung Neuseelands, sich für den Airbus A321XLR zu entscheiden, ist ein strategischer Schritt, der die Vielseitigkeit des Flugzeugs hervorhebt. Mit einer Reichweite von 8700 Kilometern übertrifft der A321XLR die Vorgängermodelle Boeing 757 deutlich, deren Reichweite bei maximal 7220 Kilometern lag. Diese gesteigerte Reichweite vereinfacht Missionen erheblich, insbesondere solche, die eine lange Strecke ohne Zwischenlandung erfordern, wie zum Beispiel die Unterstützung der Forschungsstationen in der Antarktis oder humanitäre Missionen in entlegenen Regionen des Pazifiks.
Die beiden Flugzeuge werden in einer sogenannten „lease to buy“-Vereinbarung mit der Air Lease Corporation erworben. Die Kosten für die Beschaffung belaufen sich auf 620 Millionen US-Dollar an Kapitalkosten, zuzüglich 80,86 Millionen an Betriebsausgaben für die ersten vier Jahre. Die A321XLRs werden auf dem Fliegerhorst Whenuapai stationiert und von der 40. Staffel der RNZAF betrieben. Ihre Hauptaufgaben umfassen den Transport von militärischem Personal, aber auch humanitäre Hilfsaktionen, Katastrophenhilfe und diplomatische Flüge.
Die Wahl eines nicht modifizierten Verkehrsflugzeugs in Standard-Airline-Ausführung ermöglicht eine rasche Inbetriebnahme. Laut Regierungsangaben sollen die Flugzeuge bereits Anfang 2028 einsatzbereit sein. Sie werden eine Standardkonfiguration für 122 Passagiere besitzen. Die Vorgängermodelle, die Boeing 757, waren 32 Jahre alte Gebrauchtmaschinen, die im Jahr 2003 erworben wurden und ursprünglich seit 1993 bei der niederländischen Fluggesellschaft Transavia Airlines im Dienst standen.
Ersatz für die alternde Flotte: Eine Notwendigkeit
Die Boeing 757, die zuletzt von der RNZAF betrieben wurden, haben das Ende ihrer operativen Lebensdauer erreicht. Ihre Wartung wurde zunehmend aufwendiger und kostspieliger. Die Beschaffung von zwei fabrikneuen Flugzeugen sichert nicht nur die logistische Unabhängigkeit Neuseelands in der Region, sondern reduziert auch die Wartungs- und Betriebskosten. Die Entscheidung für den A321XLR unterstreicht den Trend, daß viele moderne Streitkräfte auf zivile Flugzeugtypen zurückgreifen. Diese sind oft günstiger in der Anschaffung und Unterhaltung, da sie von einer größeren industriellen Basis unterstützt werden. Auch andere Länder, wie etwa Dänemark, haben zivile Flugzeuge für ähnliche Transportzwecke erworben.
Die Boeing 757, die von der RNZAF zuletzt unter den Kennungen NZ7571 und NZ7572 betrieben wurden, galten lange als zuverlässige Arbeitsgeräte. Ihre kürzliche Präsenz beim Royal International Air Tattoo in Großbritannien, einer der größten Flugschauen der Welt, zeigte die Wertschätzung für die alten Flugzeuge. Ihre Ablösung ist jedoch unumgänglich, um die operationellen Anforderungen der Zukunft zu erfüllen.
Verstärkung der Seestreitkräfte: Neue Hubschrauberflotte
Neben dem Lufttransport investiert Neuseeland auch in die Modernisierung seiner Marineflotte. Die derzeit genutzten Marinehubschrauber des Typs Kaman SH-2G Seasprite sollen durch die Sikorsky MH-60R Seahawk ersetzt werden. Die neuen Hubschrauber sind kompatibel mit den Exemplaren des australischen Militärs, mit dem Neuseeland eng in der Region zusammenarbeitet.
Der Erwerb der MH-60R Seahawk ist im Rahmen des sogenannten Foreign-Military-Sales-Programms (FMS) der Vereinigten Staaten geplant. Derzeit laufen formale Gespräche über die Beschaffung von fünf Hubschraubern. Die endgültige Entscheidung wird für das kommende Jahr erwartet. Die Seahawk gilt als einer der modernsten und vielseitigsten Marinehubschrauber und ist in der Lage, eine Vielzahl von Missionen durchzuführen, von der U-Boot-Jagd über die Bekämpfung von Seezielen bis hin zu Such- und Rettungsaktionen. Die Interoperabilität mit Australien ist ein wichtiger strategischer Vorteil, der die gemeinsamen operativen Fähigkeiten beider Nationen stärkt.
Die Modernisierung der Flotte ist ein wesentlicher Schritt für Neuseeland, um seine Verteidigungsbereitschaft in einer zunehmend komplexen Sicherheitslandschaft zu sichern. Die Investitionen in neue Flugzeuge und Hubschrauber stellen sicher, daß die neuseeländischen Streitkräfte auch in Zukunft in der Lage sind, ihre vielfältigen Aufgaben im Pazifik und international zu erfüllen. Die Beschaffung von modernen, effizienten und interoperablen Systemen wird Neuseelands Position als verlässlicher Partner in der Region festigen.