In Niederösterreich wurde ein bedeutender technologischer Systemwechsel bei der Kennzeichnung von Windkraftanlagen vollzogen. Im neuen Windpark Gnadendorf-Stronsdorf kommt erstmals die sogenannte bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung (BNK) zum Einsatz.
Diese Technik ersetzt das bisher vorgeschriebene rote Dauerblinken, das zur Sicherung des Flugverkehrs diente, durch ein intelligentes Steuerungssystem. Die Warnlichter der Windräder bleiben künftig in den Nachtstunden dunkel und werden nur dann aktiviert, wenn sich ein Luftfahrzeug in unmittelbarer Nähe befindet. Damit reagiert das Land Niederösterreich auf langjährige Forderungen der Bevölkerung und zielt auf eine Steigerung der Akzeptanz für den weiteren Ausbau der Windenergie ab.
Die technische Umsetzung basiert auf einem innovativen System der österreichischen Flugsicherung Austro Control. Durch die Verknüpfung von Radardaten und Flugzeuginformationen erkennt das System in Echtzeit, ob ein Flugzeug oder Hubschrauber in einen definierten Schutzbereich eindringt. Dieser Bereich umfasst einen Radius von mindestens acht Kilometern um die Anlage sowie eine Höhe von 600 Metern über dem höchsten Punkt des Hindernisses. Um die Sicherheit von Rettungs- und Einsatzflügen lückenlos zu gewährleisten, können Piloten oder Leitstellen die Beleuchtung im Bedarfsfall auch manuell per Fernaktivierung einschalten. Gesetzlich ermöglicht wurde dieser Schritt durch eine Anpassung der Luftverkehrsregeln, die den Einsatz radargestützter Systeme zur Hindernisbefeuerung nun explizit vorsieht.
Der Energieversorger EVN plant, nicht nur neue Projekte mit dieser Technologie auszustatten, sondern auch bestehende Windparks sukzessive umzurüsten. Dies stellt die Betreiber vor technische Herausforderungen, da ältere Anlagen oft umfangreiche Anpassungen der Steuerungselektronik benötigen, um eine kompatible Schnittstelle zum System der Austro Control herzustellen. Zudem erfordert die Umrüstung bei Bestandsanlagen oft ein neues Genehmigungsverfahren nach aktuellem Standard. Trotz dieses Aufwands sieht die EVN in der Maßnahme einen notwendigen Baustein für ihre Wachstumsstrategie, die eine Erhöhung der installierten Windkraftleistung auf 770 Megawatt bis zum Jahr 2030 vorsieht.
Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Landtagspräsident Karl Wilfing betonten die Bedeutung der Neuerung für die Lebensqualität in den ländlichen Regionen, insbesondere im Weinviertel. Durch das Ende des Dauerblinkens soll die Belastung durch Lichtemissionen in der Nacht deutlich reduziert werden. In Niederösterreich wurden im Rahmen des aktuellen Arbeitsübereinkommens zwischen ÖVP und FPÖ bereits rund 180 neue Windkraftanlagen genehmigt. Die Einführung der bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung gilt als entscheidender Kompromiss, um den massiven Ausbau der Energiekapazitäten im Sinne der Anwohner verträglicher zu gestalten.