Das norwegische Start-up-Unternehmen Nor Cruises plant unter dem Markennamen Norsemen Cruises ab dem Jahr 2028 den Einstieg in den internationalen Kreuzfahrtmarkt. Im Rahmen der Schiffbaumesse SMM in Hamburg unterzeichnete die Unternehmensführung eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) mit der chinesischen Staatswerft Shanghai Waigaoqiao Shipbuilding.
Die Vereinbarung sieht den Bau von zwei Schiffen im hochpreisigen Marktsegment sowie Optionen für drei weitere Einheiten vor. Ein rechtsverbindlicher Bauvertrag ist bislang jedoch noch nicht zustande gekommen, da finale technische Spezifikationen und die Finanzierungsstrukturen noch verhandelt werden müssen.
Das Betriebskonzept des norwegischen Neulings sieht eine reine Suiten-Ausstattung vor, um sich im margenstarken Nischensegment der Luxuskreuzfahrten zu positionieren. Vorgesehen sind unter anderem Wohneinheiten mit Flächen zwischen 50 und knapp 100 Quadratmetern inklusive privater Außenbereiche. Der Entwurf basiert auf einer adaptierten Schiffsplattform des italienischen Werftkonzerns Fincantieri. Für die Werft Shanghai Waigaoqiao Shipbuilding, die bereits die ersten in China gebauten Großkreuzfahrtschiffe der Adora-Flotte fertiggestellt hat, bedeutet das Projekt eine weitere Gelegenheitsfenster zur Etablierung auf dem internationalen Passagierschiffbau-Markt.
Beim Schiffsantrieb plant das Unternehmen die Kombination von Flüssigerdgas-Motoren (LNG) mit großdimensionierten Batteriespeichersystemen. Laut Firmenangaben sollen die Akkumulatoren ausreichend Kapazität bieten, um Liegezeiten in Häfen oder Fahrten bei niedriger Geschwindigkeit über mehrere Stunden rein elektrisch zu überbrücken. Unabhängige Überprüfungen dieser Leistungswerte unter realen Einsatzbedingungen stehen jedoch aus. Geführt wird Nor Cruises von Branchenkennern wie dem Kapitän Terje Berg Adolfsen sowie Managern mit Vorerfahrung bei etablierten Anbietern wie Norwegian Cruise Line.
Branchenbeobachter reagieren zurückhaltend auf die Zeitpläne des Start-ups. Bis zum angestrebten Betriebsbeginn 2028 bleiben organisatorische und finanzielle Hürden bestehen, da weder feste Buchungssysteme noch konkrete Fahrpläne oder Zielgebiete definiert sind. Die Realisierung hängt maßgeblich davon ab, ob das Management die nötigen Investitionsmittel für den verbindlichen Werftauftrag aufbringen kann und ob die chinesische Bauwerft die komplexen Qualitätsanforderungen des europäischen Luxussegments termingerecht umsetzen kann.