Die norwegische Fluggesellschaft Norwegian Group steht vor einer wichtigen Entscheidung bezüglich ihrer zukünftigen Flottenstrategie. Bis zum Herbst 2025 soll entschieden werden, ob das Unternehmen von den 30 Optionen Gebrauch macht, die es zusätzlich zu einer bereits bestehenden Bestellung über 50 Boeing B737-8 Max Flugzeuge erworben hat. Dies teilte CEO Geir Karlsen während der Präsentation der Ergebnisse des vierten Quartals am 13. Februar 2025 mit. Das Unternehmen steht dabei vor der Herausforderung, die Flotte gemäß seiner Expansionspläne zu erweitern, um sich langfristig auf dem europäischen und internationalen Markt zu behaupten.
Norwegian hatte bereits 2022 eine Bestellung über 50 Boeing B737-8 Max Flugzeuge aufgegeben. Mit den zusätzlichen Optionen, die das Unternehmen nun prüft, könnte sich die Flotte der Airline in den kommenden Jahren erheblich vergrößern. Diese Optionen sind besonders attraktiv, da sie laut Karlsen zu einem günstigeren Preis als die ursprüngliche Bestellung abgewickelt werden könnten. Die endgültige Entscheidung, ob diese zusätzlichen 30 Flugzeuge bestellt werden, soll jedoch erst in den nächsten sechs Monaten fallen. Karlsen geht davon aus, dass die Option auf Lieferungen zwischen 2028 und 2031 wahrgenommen werden könnte.
Im Jahr 2023 erklärte Karlsen, dass die Entscheidung über die 30 Optionen voraussichtlich im Jahr 2025 getroffen werden würde, nachdem die Verhandlungen mit Boeing und weiteren Beteiligten abgeschlossen sind. Bis dahin wolle man die Entwicklung des Marktes und die künftigen Anforderungen an die Flotte genau beobachten, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.
Aktuelle Situation der Flotte und der Lieferungen
Trotz der zukünftigen Flottenplanung hat Norwegian in den ersten Monaten des Jahres 2025 bereits Fortschritte gemacht. Das Unternehmen hat in diesem Jahr bereits drei Flugzeuge erhalten, von denen zwei derzeit im Einsatz sind. Diese Maschinen stammen aus Leasingverhältnissen und wurden unabhängig von der direkten Bestellung bei Boeing beschafft. Insgesamt erwartet Norwegian, dass bis Ende 2025 zwischen 11 und 13 weitere Flugzeuge zur Flotte hinzukommen, sodass die Gesamtzahl der Flugzeuge auf 94 bis 96 steigen dürfte.
Die ersten 18 Boeing B737-8 Max Flugzeuge, die im Rahmen der festen Bestellung von 50 Flugzeugen geliefert werden, wurden bereits mit einer Finanzierung abgesichert. Dabei erklärte Karlsen, dass Norwegian beabsichtige, 13 dieser Flugzeuge in das Eigentum zu übernehmen, während zwölf Maschinen durch sogenannte Sale-Leaseback-Transaktionen finanziert werden. Diese Transaktionen ermöglichen es dem Unternehmen, die Finanzierung der Flugzeuge zu sichern und gleichzeitig flexibel bei der Flottenstruktur zu bleiben.
Lieferverzögerungen und Herausforderungen im Luftfahrtsektor
Trotz dieser positiven Entwicklungen gab Karlsen zu, dass die Lieferungen von Boeing langsamer als ursprünglich geplant vorankommen. Dies sei auf verschiedene logistische und produktionstechnische Probleme zurückzuführen, die auch die weltweite Luftfahrtindustrie betreffen. Neben den Herausforderungen bei Boeing stehen auch Airbus und seine Zulieferer vor Schwierigkeiten: Besonders die Pratt & Whitney Triebwerke für die A320-200N-Flotte verursachen in der Branche Verzögerungen. Dies betrifft weltweit etwa 350 Maschinen.
Die langsamen Lieferungen und die Probleme bei den Herstellern führen dazu, dass die Kapazitäten auf dem Markt begrenzt sind, was auch die Dauer von Leasingverträgen verlängern könnte. Karlsen sieht hierin eine mögliche Chance, die Verhandlungen über neue Flugzeuge und Leasingverhältnisse zu verlängern und somit bessere Konditionen für Norwegian zu erzielen.
Effizienzsteigerungen und Ausblick auf 2025
Ein weiteres zentrales Thema für Norwegian in 2025 ist die Optimierung der betrieblichen Abläufe und Kostensenkungen. Nachdem das Unternehmen im Jahr 2024 fast 700 neue Mitarbeiter eingestellt hatte, wird der Fokus nun verstärkt auf die Effizienzsteigerung gelegt. Eine neue Initiative zur Profitabilität soll bis 2026 laufen und sowohl Umsatzsteigerungen als auch Kostensenkungen zum Ziel haben. Karlsen betonte, dass die Fluggesellschaft in diesem Jahr weiterhin auf eine stärkere Zusammenarbeit mit der Tochtergesellschaft Widerøe setzen werde. Hierbei wolle man vor allem den operativen Betrieb zwischen Norwegian und Widerøe optimieren.
Des Weiteren investiert Norwegian in eine neue Vertriebsplattform, die nicht nur den Umsatz steigern soll, sondern auch Partnerschaften mit anderen Fluggesellschaften ausbauen und den interline-Verkehr verbessern wird. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Marktposition des Unternehmens zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Finanzielle Ergebnisse und positive Marktaussichten
Für das Jahr 2024 konnte Norwegian trotz der Herausforderungen eine positive finanzielle Entwicklung verzeichnen. Die Gruppe erzielte einen Betriebsgewinn von 1,87 Milliarden norwegischen Kronen (ca. 168,4 Millionen USD), was im Vergleich zu 2023 einen leichten Rückgang darstellt (1,87 Milliarden NOK im Jahr 2024 gegenüber 2,2 Milliarden NOK im Jahr 2023). Die Umsätze stiegen jedoch auf 35,3 Milliarden NOK (ca. 3,2 Milliarden USD), was eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (25,5 Milliarden NOK) darstellt.
Die Aussichten für 2025 sind vielversprechend: Karlsen rechnet mit einer zunehmenden Nachfrage, die durch steigende Löhne, sinkende Zinsen und eine geringere Inflation in Skandinavien begünstigt wird. Dies könnte zu einer weiteren Verbesserung der Buchungszahlen führen, da die Fluggesellschaft optimistisch in das kommende Jahr blickt.