Nightjet-Liegewagen (Foto: ÖBB / Marek Knopp).
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ÖBB stellen Nachtzüge von Berlin und Wien nach Frankreich ein

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Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sehen sich gezwungen, die erst vor kurzem etablierten Nachtzugverbindungen zwischen Deutschland und Österreich nach Paris mit dem kommenden Fahrplanwechsel im Dezember einzustellen.

Als entscheidenden Grund für diesen Betriebsstopp nannte das Unternehmen die Streichung französischer Subventionen, welche die Rentabilität der grenzüberschreitenden Nightjet-Strecken sicherstellten. Betroffen sind die Verbindungen Berlin-Paris und Wien-Paris (über München), welche beide erst in den Jahren 2021 und 2023 in Betrieb genommen worden waren. Der Wegfall der Finanzhilfen ist eine direkte Konsequenz der Sparmaßnahmen im französischen Staatshaushalt, der unter erheblichem Konsolidierungsdruck steht.

Französische Finanzhilfen als Grundpfeiler des Betriebs

Die Nachtzugverbindungen der ÖBB nach Paris waren stark von staatlichen Leistungsbestellungen durch das französische Verkehrsministerium abhängig. Diese Subventionen beliefen sich nach französischen Angaben auf rund zehn Millionen Euro jährlich. Die ÖBB teilten mit, daß das Verkehrsministerium in Paris entschieden habe, diese Finanzhilfen für das kommende Jahr nicht fortzuführen. Dieser Entscheid ist der direkte Auslöser für die Einstellung der Züge.

Der Nightjet von Berlin nach Paris wurde erst vor zwei Jahren in Betrieb genommen, während die Verbindung Wien-Paris (mit Halt in München) bereits 2021 aufgenommen wurde. Beide Strecken verkehrten jeweils dreimal wöchentlich. Die kurze Betriebszeit dieser Verbindungen deutet darauf hin, daß die wirtschaftliche Tragfähigkeit ohne die französische Finanzierung nicht gegeben ist. Nachtzugbetriebe sind im allgemeinen kapitalintensiv und erfordern oft eine staatliche Anschubfinanzierung oder Unterstützung, um im Wettbewerb mit dem Flugverkehr oder dem Hochgeschwindigkeitsverkehr bestehen zu können.

Die ÖBB bedauerten in ihrer Stellungnahme die Einstellung der beiden Nightjet-Verbindungen. Gleichzeitig betonten die Österreichischen Bundesbahnen, daß die Nachtzugstrecke zwischen Wien und Brüssel weiterhin im Angebot bleibe und dreimal pro Woche bedient werde.

Sparzwänge im Élysée

Die Streichung der Finanzhilfen für die Nachtzüge ist nach französischen Medienberichten ein Teil der geplanten Sparmaßnahmen, mit denen die französische Regierung versucht, den stark verschuldeten Staatshaushalt zu konsolidieren. Frankreich ringt nach dem Sturz der Regierung im Streit um einen Sparhaushalt weiter um die Sanierung seiner Staatsfinanzen. Die politische Instabilität und der ökonomische Druck führen zu harten Einschnitten, die nun auch den grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr betreffen.

Die Subventionen für die Nachtzüge galten als ein politisches Bekenntnis zum Ausbau des internationalen Schienennetzes. Der Wegfall dieser Zuschüsse ist ein deutliches Zeichen dafür, daß die nationalen Finanzinteressen und der Budgetausgleich in Paris derzeit Priorität vor dem Ausbau des europäischen Nachtzugnetzes haben.

Die französische Staatsbahn (SNCF) selbst hatte sich in den letzten Jahren wieder stärker im Nachtzugsegment engagiert, oft ebenfalls mit staatlicher Unterstützung. Die ÖBB wurden in den letzten Jahren zum Marktführer im europäischen Nachtzugsegment und nutzten die Subventionen anderer EU-Staaten, um ihr Nightjet-Netzwerk aufzubauen.

Auswirkungen auf den Internationalen Schienenverkehr

Der Wegfall der Nightjet-Verbindungen zwischen Wien, Berlin und Paris hinterläßt eine Lücke im europäischen Bahnnetz. Insbesondere die Verbindung Berlin-Paris, die nach Jahrzehnten der Unterbrechung erst vor zwei Jahren wiederbelebt worden war, war ein symbolisches Projekt der deutsch-französischen und europäischen Schienenkooperation.

Passagiere, die bisher die Nachtzüge als bequeme und zeitsparende Reiseoption zwischen den Hauptstädten nutzten, müssen nun auf Tageszüge oder den Flugverkehr ausweichen. Der Nachtzug ermöglichte es Reisenden, die Nacht für die Überbrückung der langen Distanz zu nutzen und morgens in der Zielstadt anzukommen.

Die ÖBB als Triebkraft des europäischen Nachtzugnetzes müssen nun ihre Strategie anpassen. Die Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung in den jeweiligen Fahrplanländern stellt ein strukturelles Risiko für den gesamten Nightjet-Betrieb dar. Der Fall Paris ist ein Präzedenzfall, der aufzeigt, daß politische Entscheidungen zur Haushaltskonsolidierung unmittelbare Auswirkungen auf das internationale Zugangebot haben können.

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