Die österreichische Luftfahrtbranche blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück, das von einer stabilen Erholung und punktuellen Rekordwerten geprägt war. Wie die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV) in ihrer aktuellen Jahresbilanz bekannt gab, fertigten die sechs Verkehrsflughäfen des Landes – Wien, Salzburg, Innsbruck, Graz, Linz und Klagenfurt – insgesamt rund 36,5 Millionen Passagiere ab. Dies entspricht einer Steigerung von 2,75 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch der Bereich der Luftfracht, der als wichtiger Indikator für die konjunkturelle Dynamik gilt, verzeichnete ein deutliches Plus von rund drei Prozent auf über 390.000 Tonnen. Trotz dieser positiven Entwicklung stehen die Betreiber vor strukturellen Herausforderungen. Während die großen Standorte Wien und Salzburg ihre Position festigen konnten, weisen Branchenexperten darauf hin, dass die Gesamtzahl der Flugbewegungen noch immer deutlich hinter den Werten aus der Zeit vor der Pandemie zurückbleibt. In der politischen Debatte rückt zudem die nationale Flugabgabe verstärkt in den Fokus, die von Branchenvertretern als Wettbewerbsnachteil gegenüber internationalen Standorten kritisiert wird.
Wirtschaftsfaktor Luftfahrt: Wertschöpfung und Arbeitsmarkteffekte
Die Bedeutung der Luftfahrt für den Wirtschaftsstandort Österreich lässt sich eindrucksvoll mit Zahlen belegen. Laut aktuellen Analysen der AÖV erwirtschaftet der Sektor direkt und indirekt eine jährliche Wertschöpfung von 25,1 Milliarden Euro. Dies entspricht etwa 4,9 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts. Besonders hervorzuheben ist die Funktion als massiver Beschäftigungsmotor: Über 241.500 Arbeitsplätze hängen bundesweit an der Luftverkehrswirtschaft. Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG und Vizepräsident der AÖV, betont in diesem Zusammenhang, dass die Flughäfen als Infrastrukturknotenpunkte unverzichtbar für Industrie und Tourismus seien.
Neben dem Personentransport spielt die Luftfracht eine entscheidende Rolle für die Versorgungssicherheit und den Export der heimischen Wirtschaft. Mit 390.435 Tonnen im Jahr 2025 hat sich das Frachtaufkommen als resilienter Pfeiler erwiesen. Insbesondere hochwertige Industriegüter und zeitkritische Lieferungen für den Maschinenbau sowie die Pharmabranche werden über die österreichischen Drehkreuze abgewickelt. Der Zuwachs von drei Prozent unterstreicht die Attraktivität der hiesigen Logistikzentren im internationalen Warenverkehr.
Dynamik an den Regionalflughäfen: Linz und Klagenfurt als Wachstumssieger
Ein differenzierter Blick auf die einzelnen Standorte offenbart eine zweigeteilte Entwicklung. Während der Flughafen Wien mit über 32,5 Millionen Passagieren und einem Zuwachs von 2,65 Prozent das Rückgrat des österreichischen Luftverkehrs bildet, zeigten vor allem die kleineren Regionalflughäfen eine enorme relative Dynamik. Der Flughafen Linz verzeichnete einen Sprung von über 45 Prozent auf rund 262.000 Passagiere. Ähnlich positiv verlief das Jahr für den Flughafen Klagenfurt, der ein Plus von 27,2 Prozent auf rund 175.000 Fluggäste generierte.
Diese hohen Zuwachsraten sind primär auf die Wiederaufnahme wichtiger Linienverbindungen und ein verstärktes Charter-Angebot zurückzuführen. Norbert Draskovits, Präsident der AÖV und Geschäftsführer des Linzer Flughafens, sieht in diesen Zahlen eine Bestätigung für die Bedeutung der regionalen Anbindung. Dennoch bleibe viel zu tun, um die Kapazitäten früherer Jahre wieder voll auszuschöpfen. Ein zentrales Ziel für die kommenden Monate sei der Ausbau strategischer Strecken, wie etwa der Verbindung zwischen Linz und dem internationalen Drehkreuz Frankfurt, um die Erreichbarkeit für Geschäftsreisende weiter zu verbessern.
Herausforderungen im Flugbetrieb und Wettbewerbsdruck
Trotz der steigenden Passagierzahlen bleibt die operative Bilanz im Vergleich zum Referenzjahr 2019 getrübt. Die Zahl der Starts und Landungen lag 2025 mit 279.697 Bewegungen zwar um rund drei Prozent über dem Vorjahr, rangiert jedoch noch immer 12,58 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Dieser Umstand wird in der Branche auf verschiedene Faktoren zurückgeführt: Zum einen setzen Fluggesellschaften vermehrt auf größere Flugzeugtypen mit höherer Auslastung, zum anderen hat sich das Reiseverhalten im Segment der Kurzstrecken-Geschäftsreisen durch digitale Alternativen dauerhaft gewandelt.
Ein massiver Kritikpunkt der Flughafenbetreiber bleibt die nationale Flugabgabe. Im internationalen Vergleich, insbesondere gegenüber Standorten im osteuropäischen Raum oder im Nahen Osten, sieht die AÖV hier eine Benachteiligung des Standortes Österreich. Die Abgabe erhöhe den Kostendruck auf Airlines, was wiederum die Attraktivität Wiens und der Bundesländer-Flughäfen für neue Streckenaufnahmen schmälere. Branchenvertreter fordern daher für das Jahr 2026 eine deutliche Reduktion oder gänzliche Abschaffung dieser Steuer, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig abzusichern und den Luftverkehrsstandort zu stärken.
Ausblick auf 2026: Infrastruktur und Standortpolitik
Für das laufende Jahr 2026 erwarten Experten eine Fortsetzung des Wachstumstrends, sofern die konjunkturellen Rahmenbedingungen stabil bleiben. Die Flughäfen investieren verstärkt in die Modernisierung ihrer Infrastruktur, um die Effizienz der Abfertigungsprozesse zu steigern. In Wien steht der weitere Ausbau der Terminalkapazitäten im Fokus, während an den Regionalstandorten die Flexibilisierung des Betriebsangebots vorangetrieben wird.
Die enge Zusammenarbeit innerhalb der AÖV sowie der Austausch mit internationalen Partnerverbänden in Deutschland und der Schweiz sollen zudem dazu beitragen, regulatorische Hürden auf europäischer Ebene gemeinsam zu adressieren. Die zentrale Botschaft der Branche bleibt klar: Die Luftfahrt ist kein isoliertes Transportsystem, sondern ein integraler Bestandteil der österreichischen Gesamtinfrastruktur, dessen Leistungsfähigkeit unmittelbar mit dem Wohlstand und der internationalen Relevanz des Landes verknüpft ist. Die positive Bilanz von 2025 dient somit als solide Basis für die kommenden strategischen Weichenstellungen in der nationalen Verkehrspolitik.