Alice (Foto: Matthias Baus).
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Österreichische Erstaufführung von Unsuk Chins Alice in Wonderland

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Das MusikTheater an der Wien, Teil der Vereinigten Bühnen Wien und der Wien Holding, präsentiert am 17. November 2025 die österreichische Erstaufführung der Oper Alice in Wonderland der renommierten koreanischen Komponistin Unsuk Chin. Das 2007 uraufgeführte Werk, das auf Lewis Carrolls berühmter Erzählung basiert, wird als eine tiefgründige und surreale Reise ins eigene Ich inszeniert. Unsuk Chin, die 2024 mit dem Ernst von Siemens Musikpreis – dem sogenannten „Nobelpreis für Musik“ – ausgezeichnet wurde, gilt als eine der profiliertesten Komponistinnen der Gegenwart und Schülerin von György Ligeti.

Die Neuinszenierung am MusikTheater an der Wien steht unter der Regie von Elisabeth Stöppler, die international für ihre Arbeit mit zeitgenössischem Repertoire bekannt ist. Die Titelpartie der Alice übernimmt die isländische Sopranistin Álfheiður Erla Guðmundsdóttir. Für die musikalische Leitung kehrt Stephan Zilias, der am Haus bereits Erfahrung mit modernen Werken sammeln konnte, zurück und dirigiert das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Die Produktion wird ergänzt durch den Arnold Schoenberg Chor unter der Leitung von Erwin Ortner und die Gumpoldskirchner Spatzen unter der Leitung von Katja Kalmar. Mit diesem Werk setzt das MusikTheater an der Wien seine Linie fort, bedeutende zeitgenössische Opernwerke dem österreichischen Publikum zugänglich zu machen.

Klang, Licht und Traum: Die musikalische Welt von Unsuk Chin

Unsuk Chin, geboren in Seoul, gilt als eine Schlüsselfigur der zeitgenössischen Musikszene. Ihre musikalische Ausbildung führte sie 1988 als Schülerin des einflussreichen Komponisten György Ligeti nach Hamburg, eine Erfahrung, die ihren Stil maßgeblich prägte. Trotz dieser akademischen Prägung entzieht sich Chins Musik bewusst allen starren stilistischen Einordnungen. Sie stellt stattdessen immaterielle und sinnliche Qualitäten wie Klangfarbe, Licht und Traum in den Mittelpunkt ihrer Kompositionen. Ihre Musik wird oft als filigran, transparent und von funkelnder Textur beschrieben, was ihr den Ruf eingebracht hat, eine einzigartige Klangwelt zu erschaffen, die sowohl intellektuell anspruchsvoll als auch unmittelbar packend ist.

Die renommierte Auszeichnung mit dem Ernst von Siemens Musikpreis 2024 bestätigt ihre herausragende Stellung in der globalen Musikwelt. Die Preisjury würdigte insbesondere ihre Fähigkeit, komplexe musikalische Strukturen mit einem tiefen Sinn für Poesie und Dramatik zu verbinden. Ihre erste Oper Alice in Wonderland, die 2007 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde, demonstriert diese Vielseitigkeit eindrücklich. Chin greift humorvoll verschiedenste musikalische Stile auf und erschafft damit eine faszinierend schillernde und zugleich surreale Welt, die perfekt zu Carrolls literarischer Vorlage passt.

Wer bin ich?: Alices Fall in die Selbstreflexion

Lewis Carrolls Erzählung Alice im Wunderland dient Unsuk Chin nicht nur als fantastische Kulisse, sondern als philosophische Grundlage für die zentrale Frage des Werkes: „Wer bin ich?“ Alices Sturz in den Kaninchenbau wird in der Oper zur Metapher für den Fall in die bodenlose Tiefe des eigenen Ichs. Die Begegnungen, die Alice in dieser fremden Welt macht – das gehetzte Weiße Kaninchen, die Raupe, die Teeparty des Verrückten Hutmachers und das despotische Gericht der Herzkönigin – sind fernab von reinem Märchenhaften inszeniert. Sie fungieren vielmehr als surreale Traumbilder und Projektionsflächen für die Identitätskrise der Protagonistin.

Die Regisseurin Elisabeth Stöppler, die zum ersten Mal am MusikTheater an der Wien inszeniert, greift diese Traumlogik auf. Sie interpretiert die Geschichte von Alice als eine unablässige und fragmentierte Begegnung eines Menschen mit sich selbst. Die scheinbar einfachen, aber philosophischen Fragen, die Alice auf ihrer Reise begegnen, führen weniger zu einer finalen Erkenntnis, als vielmehr zu einem ständigen Hinterfragen und einer Neubewertung der eigenen Existenz. Diese Deutung rückt die psychologische Tiefe des Werkes in den Vordergrund und nutzt die bunte, aber oft beunruhigende Welt des Wunderlandes zur Darstellung innerer Prozesse.

Künstlerische Besetzung und musikalische Ausführung

Die Wiener Erstaufführung versammelt ein international besetztes Ensemble und etablierte musikalische Kräfte. Die isländische Sopranistin Álfheiður Erla Guðmundsdóttir, die die Titelpartie übernimmt, hat sich wie die Regisseurin Stöppler in der Interpretation zeitgenössischer Musik einen Namen gemacht. Ihre Erfahrung mit anspruchsvollem modernem Repertoire ist für die komplexe musikalische Sprache Chins von besonderem Wert.

Am Pult steht Stephan Zilias, der als versierter Dirigent für zeitgenössisches Musiktheater gilt und seine Rückkehr an das MusikTheater an der Wien feiert. Zilias, der zuvor bereits die Familienoper Wo die wilden Kerle wohnen dirigierte, leitet das renommierte ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Das Orchester, bekannt für seine Beschäftigung mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, gewährleistet die präzise und klangfarbenreiche Umsetzung von Chins Partitur.

Die Gesangspartien werden maßgeblich vom Arnold Schoenberg Chor unter der Leitung von Erwin Ortner sowie den Gumpoldskirchner Spatzen unter der Leitung von Katja Kalmar unterstützt. Die Einbeziehung des Kinderchores ist für die Darstellung der fantastischen Welt im Wunderland von Bedeutung und unterstreicht die stilistische Bandbreite und den humorvollen Tonfall, den Chin in das Werk integriert hat. Die Premiere am 17. November 2025 markiert einen Höhepunkt im Programm des MusikTheaters an der Wien für die aktuelle Saison. Die weiteren Aufführungstermine folgen im November 2025.

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