Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) begegnet dem veränderten Buchungsverhalten von Hotelgästen mit einer Schulungsinitiative für Beherbergungsbetriebe.
Wie der ÖHV-Campus mitteilte, richtet sich der Lehrgang „Preisgestaltung & Vertrieb“ gezielt an Betriebe, die ihre Einnahmen durch die Abkehr von starren Saisonpreisen stabilisieren wollen. Hintergrund sind die gestiegenen Betriebs- und Personalkosten im Hotelgewerbe bei gleichzeitig immer kurzfristiger eingehenden Reservierungen. Laut Christoph Taussig, Leiter des ÖHV-Campus, stellt die Einführung dynamischer Preismodelle ein wichtiges Instrument dar, um Auslastungsschwankungen wirtschaftlich abzufedern.
Der im Herbst 2026 startende Lehrgang vermittelt Grundlagen zur bedarfsorientierten Preisanpassung und Kostenrechnung. Neben der Ermittlung von Nachfragespitzen stehen Ansätze zur Optimierung von Stornobedingungen, der Ausbau des Direktvertriebs sowie das Zielgruppenmanagement im Mittelpunkt. Die Weiterbildungsveranstaltung gliedert sich in zwei viertägige Module, die im Oktober im Ausseerland sowie im November im Pinzgau stattfinden. Ziel ist die Senkung von Provisionszahlungen an externe Buchungsplattformen und die gezielte Steuerung der Zimmerpreise auf Basis aktueller Buchungsdaten.
Branchenbeobachter sehen in der algorithmischen und nachfragebasierten Preisgestaltung zwar einen hebelstarken Ansatz zur Ertragssteigerung, weisen jedoch auch auf bestehende Risiken hin. Zu schnelle Preissprünge oder intransparente Preisschwankungen können Stammkunden verunsichern und die Kundenzufriedenheit beeinträchtigen. Zudem erfordert die kontinuierliche Datenanalyse entsprechende Personalkapazitäten und technologische Schnittstellen, die vor allem in kleinen Familienbetrieben oft nur eingeschränkt vorhanden sind.
Die Ausrichtung der ÖHV spiegelt den anhaltenden Wandel in der europäischen Hotellerie wider, in der klassische Festpreise zunehmend durch datengestützte Vertriebsstrategien abgelöst werden. Für den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg von Beherbergungsbetrieben bleibt entscheidend, eine ausgewogene Balance zwischen ertragsoptimierten Preisen und einer verlässlichen Preispolitik gegenüber dem Gast zu halten.