“Österreichische Lösung” ist Geschichte – Das war’s dann mit Laudamotion

Airbus A320 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
Airbus A320 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).

“Österreichische Lösung” ist Geschichte – Das war’s dann mit Laudamotion

Airbus A320 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
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Die österreichische Fluggesellschaft Laudamotion ist nun Geschichte. Der Flugbetrieb wurde endgültig eingestellt und das Unternehmen wird in Kürze in die freiwillige Liquidation treten. Der Carrier bestätigte gegenüber Aviation Direct, dass keine Flüge mehr durchgeführt werden.

Laudamotion war damit eine sehr kurzlebige Linienfluggesellschaft, die im Jahr 2018 aus den Resten der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki hervorgegangen ist. Nach einer regelrechten Seifenoper um die Gerichtszuständigkeit für das Insolvenzverfahren wurde der vom deutschen Masseverwalter geschlossene Kaufvertrag mit der IAG-Tochter Niki gekippt. Im zweiten Anlauf ging der Zuschlag für die Niki-Assets an die damalige Laudamotion GmbH, ein Bedarfsluftfahrtunternehmen des Niki Lauda, das aus Amira Air hervorgegangen ist. Der Businessjet-Bereich wurde rasch in die Laudamotion Executive GmbH abgespalten und befindet sich heute im Eigentum eines schweizerischen Unternehmens und hat daher mit der Billigfluggesellschaft nichts mehr gemeinsam.

Die Niki Luftfahrt GmbH, deren Assets auf die Laudamotion GmbH aufgesetzt wurden, ging im November 2003 aus der Aero Llyod Austria GmbH hervor. Die deutsche Mutter des Ferienfliegers ging pleite und Niki Lauda übernahm die Mehrheit. Die Partnerschaft mit Air Berlin, die ein paar Jahre später in einer vollständigen Übernahme mündete, wurde Niki letztlich zum Verhängnis. Der Kollaps der Air Berlin riss die österreichische Tochter gleichermaßen wie ihre Schwester in der Schweiz mit.

Niki Lauda kündigte – nachdem er im zweiten Anlauf die insolvente Niki erhalten hatte – zunächst einen Fullservice-Carrier an. Als Kooperationspartner fungierte für eine ganz kurze Zeit Condor, eher im Zuge des Erstflugs – eine Medienpräsentationsveranstaltung – Ryanair als Partner vorstellte. Der von Michael O’Leary geleitete Konzern übernahm zunächst 75 Prozent und nur wenige Monate später auch die restlichen 25 Prozent. Der Gesundheitszustand des Niki Lauda, der bald darauf an den Folgen seiner Erkrankung verstorben ist, war ab Sommer 2018 sehr stark angeschlagen.

Zahlreiche Laudamotion-Mitarbeiter berichten übereinstimmend, dass mit dem Tod von Niki Lauda auch ein anderer Wind einzog. Ryanair baute mehr und mehr Druck auf und sorgte in Österreich für einen arbeitsrechtlichen Skandal nach dem anderen. Der traurige Höhepunkt dürfte die Ignoranz des Betriebsrats gewesen sein, wobei Laudamotion in erster Instanz vor Gericht unterlag. Da man der Vorsitzenden des Arbeitnehmergremiums den Zutritt zu den Räumlichkeiten verweigerte, musste diese sich bei Gericht eine Einstweilige Verfügung beschaffen. Gegen diese hat das Unternehmen nach Ansicht des Bezirksgerichts Schwechat im September 2020 verstoßen, weshalb weit über 20.000 Euro Geldstrafe verhängt wurden. Dagegen kann Laudamotion ein Rechtsmittel einlegen.

Die Ära Laudamotion, die auch als Österreichs Lowcoster Nummer 1 beworben wurde, war kurzlebig. Die Bases in Düsseldorf und Stuttgart wurden dichtgemacht und das dortige Personal ist ein Fall für die lokalen Arbeitsämter. In Wien sorgte Lauda mit einer vermutlich von A bis Z durchinszenierten Show rund um den Kollektivvertrag, der übrigens beim Nachfolger Lauda Europe Ltd gar nicht anwendbar ist, wochenlang für Aufsehen in der Öffentlichkeit. Gleich zweimal gingen zahlreiche Mitarbeiter auf die Straße. Entgegen dem Versprechen des Niki Lauda, dass es keine Leiharbeit mehr geben wird, führte Ryanair nur knapp ein Jahr später diese wieder ein und wandte den Kollektivvertrag bei Crewlink-Arbeitsverhältnissen einfach nicht mehr an.

Was bleibt nun von Laudamotion übrig? Nichts. Das Unternehmen wird nun abgewickelt und alles, das für Ryanair ein sogenanntes Asset darstellt, wird bereits von der maltesischen Nachfolgegesellschaft Lauda Europe Ltd betrieben. Die Löhne sind aufgrund der Corona-Pandemie stark gesunken und nun ist Lauda definitiv keine österreichische Airline mehr, sondern hat seinen Firmensitz in Malta. Die Aufsicht obliegt daher der maltesischen Luftfahrtbehörde. Die “österreichische Lösung” für Niki ist daher – zumindest was das Unternehmen Laudamotion GmbH anbelangt – vorbei. Die österreichischen Lizenzen werden zurückgegeben, denn diese braucht man nicht mehr, da man in Malta neue bekommen hat. Die nunmehr ehemalige Fluggesellschaft Laudamotion bestätigte gegenüber Aviation Direct, dass der allerletzte Linienflug am 19. Oktober 2020 durchgeführt wurde. Das wars dann mit der österreichischen Laudamotion.

1 Comment

  • stefan , 9. November 2020 @ 21:33

    hallo
    ich warte seit ende märz auf eine bestätigte eu261 entschädigung von laudamotion.
    haben Sie eine ahnung wo ich die bezahlung dieser noch durchsetzen kann?

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  • stefan , 9. November 2020 @ 21:33

    hallo
    ich warte seit ende märz auf eine bestätigte eu261 entschädigung von laudamotion.
    haben Sie eine ahnung wo ich die bezahlung dieser noch durchsetzen kann?

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