Die Luftstreitkräfte des österreichischen Bundesheeres verzeichnen im Jahr 2026 eine signifikante Zunahme an Assistenzeinsätzen zur Bekämpfung von Bränden in schwer zugänglichem Gelände.
Bis August dieses Jahres wurden die Hubschrauber der Streitkräfte bereits 17-mal zur Vegetationsbrandbekämpfung aus der Luft angefordert. Im gesamten Jahr 2025 war dies lediglich ein einziges Mal der Fall. Bei den bisherigen Einsätzen in den Bundesländern Tirol, Kärnten, Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich absolvierten die Piloten knapp 340 Flugstunden und beförderten dabei mehr als drei Millionen Liter Löschwasser an die jeweiligen Einsatzorte. Die Einsätze unterstreichen die Bedeutung der Luftunterstützung für die zivilen Einsatzkräfte am Boden, werfen jedoch auch Fragen hinsichtlich der Verfügbarkeit, der Materialbelastung und der künftigen Ausrüstung der Streitkräfte auf.
Anforderungsprozedere und operative Umsetzung der Luftunterstützung
Die Einbindung von militärischen Luftfahrzeugen in zivile Schadenslagen erfolgt in Österreich im Rahmen von Assistenzeinsätzen. Die Anforderung von Hubschraubern wird durch die Landeswarnzentralen der jeweiligen Bundesländer initiiert, sobald die zivilen Feuerwehren am Boden an ihre kapazitären oder topografischen Grenzen stoßen. In steilem oder unwegsamem Gelände ist ein direkter Löschangriff vom Boden aus oft unmöglich oder stellt ein zu hohes Risiko für die Feuerwehrkräfte dar.
In diesen Fällen übernehmen die Luftstreitkräfte die Wasserförderung und den zielgerichteten Abwurf über den Brandherden. Die Piloten müssen die mit mehreren hundert Litern Wasser gefüllten Außenlastbehälter präzise manövrieren, was bei thermischen Aufwinden, starker Rauchentwicklung und im Gebirge ein hohes Maß an Flugerfahrung erfordert. Für einen reibungslosen Ablauf ist die Koordination mit den Einsatzleitungen am Boden sowie anderen fliegenden Einheiten wie der Flugpolizei oder privaten Helikopterbetreibern essenziell. Regelmäßige gemeinsame Übungen und Seminare zur fliegerischen Einsatzleitung sollen Schnittstellenprobleme im Reallabor reduzieren.
Eingesetzte Flugmuster und Standorte der Streitkräfte
Für die Brandeinsätze griff das Bundesheer auf drei verschiedene Hubschraubertypen zurück. Zum Einsatz kamen der moderne Mehrzweckhubschrauber AW169 Lion, der Transporthubschrauber S-70 Black Hawk sowie die bewährte Agusta-Bell 212. Die Fluggeräte starteten von den Fliegerhorsten in Aigen im Ennstal in der Steiermark, Hörsching in Oberösterreich und Langenlebarn in Niederösterreich.
Die Verteilung der Fliegerhorste ermöglicht zwar eine Abdeckung des Bundesgebiets, doch hängen die Anflugzeiten stark vom jeweiligen Einsatzort ab. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner betonte in einer Stellungnahme die Notwendigkeit der eingeleiteten Beschaffungs- und Modernisierungsmaßnahmen für die Hubschrauberflotte. Neben dem Personal, das die intensiven Flugstunden bewältigen muss, gerät auch die Wartung und technische Instandhaltung der Maschinen bei gehäuften Einsätzen stärker in den Fokus.
Erweiterung der Kapazitäten durch Transportflugzeuge ab 2028
Um den steigenden Anforderungen bei der Brandbekämpfung aus der Luft künftig mit höheren Kapazitäten zu begegnen, plant das Bundesheer eine Erweiterung der technischen Fähigkeiten. Im Rahmen der Beschaffung von vier neuen Transportflugzeugen des Typs C-390 Embraer sollen zwei dieser Maschinen mit speziellen Löschmodulen ausgerüstet werden. Diese Systeme ermöglichen die Aufnahme und den Abwurf von bis zu 11.000 Litern Löschmittel pro Flugeinsatz, was die Kapazität eines Hubschraubers um ein Vielfaches übersteigt.
Die Zulaufphase der ersten C-390-Maschinen ist für das Jahr 2028 vorgesehen. Die Integration von Löschmodulen in Flächenflugzeugen erfordert jedoch veränderte Taktiken, da Starrflügler im Vergleich zu Hubschraubern eine höhere Mindestgeschwindigkeit aufweisen und im Gebirge weniger agil manövrierbar sind. Der geplante Einsatz stellt daher eine Ergänzung, aber keinen vollständigen Ersatz für die bodennahe Hubschrauberunterstützung dar. Bis zum Eintreffen der neuen Flugzeuge bleibt die Last der Luftunterstützung vollständig auf die bestehende Helikopterflotte und deren Besatzungen verteilt.