Massive Verzögerungen und chaotische Szenen prägten am Montag den Betrieb am Amsterdamer Flughafen Schiphol. Von insgesamt 679 geplanten Abflügen verspäteten sich 279 Maschinen erheblich, da Passagiere aufgrund extrem langer Warteschlangen vor den Sicherheitskontrollen ihre Gates nicht rechtzeitig erreichten.
Berichte von Reisenden schildern eine angespannte Atmosphäre bis hin zu Panikreaktionen unter den Fluggästen. Um eine Überfüllung der Terminals zu verhindern, mussten zeitweise sogar Zugangstore gesperrt werden. In den Abflughallen staute sich der Personenverkehr bis weit in die Check-in-Bereiche zurück, während die Flughafenverwaltung versuchte, die Situation durch den Einsatz von zusätzlichem Büropersonal und die Verteilung von Wasser zu stabilisieren.
Hintergrund der Störungen ist eine tiefgreifende Umstrukturierung des Sicherheitswesens am niederländischen Drehkreuz. Mit Wochenbeginn wurde die Anzahl der Sicherheitsdienstleister von fünf auf drei reduziert. Rund 4.000 Mitarbeiter wechselten im Zuge dieser Neuordnung den Arbeitgeber. Die neuen Sicherheitsfirmen, an denen Schiphol teilweise selbst beteiligt ist, operieren im Rahmen eines auf zehn Jahre angelegten Vertrags mit einem Volumen von sechs Milliarden Euro. Ziel dieses Wechsels war es eigentlich, dem Flughafen mehr operative Kontrolle zu geben und personelle Engpässe, wie sie im Sommer 2022 auftraten, künftig zu vermeiden. Am Tag der Umstellung waren jedoch in einigen Hallen weniger als die Hälfte der Kontrollspuren besetzt, was auf erhebliche Anlaufschwierigkeiten bei Dienstplänen und Arbeitsabläufen hindeutet.
Zusätzlich verschärft wurde die Lage durch die Einführung des neuen europäischen Ein- und Ausreisesystems (EES) für Transitpassagiere aus Nicht-Schengen-Staaten. Das System erfordert eine biometrische Registrierung, was zu weiteren Zeitverzögerungen bei Umsteigevorgängen führt. Gewerkschaften wie die FNV hatten bereits im Vorfeld vor einer möglichen Instabilität durch den Dienstleisterwechsel und den anhaltend hohen Arbeitsdruck gewarnt. Die niederländische Fluggesellschaft KLM forderte ihre Kunden auf, deutlich mehr Zeit einzuplanen und den Flugstatus kontinuierlich zu prüfen. Aktuell empfiehlt der Flughafen eine Anreise von mindestens zwei Stunden vor europäischen und drei Stunden vor interkontinentalen Flügen.
Branchenexperten sehen in den Vorfällen ein deutliches Zeichen für die Komplexität bei der Integration neuer Sicherheitsstrukturen an einem der größten Luftfahrt-Knotenpunkte Europas. Unterschiedliche Unternehmenskulturen und IT-Systeme der neuen Kontraktoren scheinen den reibungslosen Übergang behindert zu haben. Während Schiphol das Ausmaß der Verantwortung durch den Strukturwechsel noch prüft, bleibt die Belastung für das Personal und die Passagiere hoch. Die Vorfälle verdeutlichen, wie anfällig der Flugbetrieb auf Änderungen in der bodengebundenen Infrastruktur reagiert, insbesondere wenn mehrere neue Verfahren gleichzeitig implementiert werden.