Die Debatte um die wirtschaftliche Zukunft des Regionalflughafens Kassel-Calden verschärft sich. Die Fraktion der Grünen im hessischen Landtag fordert angesichts dauerhafter Defizite eine unabhängige wirtschaftliche Untersuchung des Standorts. Laut Fraktionschef Mathias Wagner und der verkehrspolitischen Sprecherin Katy Walther belasten die tatsächlichen Kosten den Steuerzahler weitaus stärker, als die offiziellen Bilanzen vermuten lassen. Während der ausgewiesene Jahresfehlbetrag bei etwa fünf Millionen Euro liegt, verweisen die Kritiker auf zusätzliche Ausgaben für Sicherheitsdienstleistungen sowie jährliche Abschreibungen in Höhe von zwölf Millionen Euro. Ein von der Opposition beauftragtes Gutachten der TU Chemnitz stützt diese Berechnungen und beziffert die Gesamtkosten deutlich höher.
Demgegenüber steht eine Analyse des Zentrums für Recht und Wirtschaft des Luftverkehrs (ZFL), die im Auftrag des Flughafens erstellt wurde. Diese kommt zu dem Schluss, dass der Airport durch generierte Steuereinnahmen und seine Funktion als Standortfaktor für Nordhessen einen volkswirtschaftlichen Gewinn darstellt. Die Opposition hält dagegen, dass der Erfolg des angrenzenden Gewerbeparks nicht zwangsläufig an die Vorhaltung einer Infrastruktur für Großraumflugzeuge gekoppelt sei. Gefordert wird daher eine organisatorische Trennung von Flughafen und Gewerbegebiet sowie eine Prüfung, ob der Betrieb durch private Investoren übernommen oder der Status auf einen Verkehrslandeplatz herabgestuft werden kann.
Die operativen Zahlen des Flughafens belegen die schwierige Lage des Standorts, der 2013 eröffnet wurde. Im Jahr 2025 wird erneut ein Defizit von rund fünf Millionen Euro erwartet. Besonders die Passagierzahlen blieben weit hinter den ursprünglichen Prognosen von bis zu 600.000 Reisenden zurück; im vergangenen Jahr nutzten lediglich 25.000 Fluggäste den Airport für Ferien- oder Linienflüge. Im Dezember 2025 verzeichnete der Flughafen im Liniensegment sogar gar keine Abflüge. Das Land Hessen hält als Hauptgesellschafter 68 Prozent der Anteile, während die Stadt und der Kreis Kassel sowie die Gemeinde Calden die restlichen Anteile tragen.
Die politische Forderung nach einer Prüfung „ohne Denkverbote“ schließt explizit auch die Option einer Schließung oder Umnutzung des Geländes ein. Die freiwerdenden Mittel sollten nach Vorstellungen der Kritiker vollständig in die nordhessische Wirtschaft fließen. Die Landesregierung hingegen hält bislang an der strategischen Bedeutung des Flughafens fest. Da die Grünen während ihrer vergangenen Regierungsbeteiligung den Flughafen mitverantworten mussten, markiert die aktuelle Initiative eine deutliche Verschärfung ihrer Position in der Opposition. Die Entscheidung über eine mögliche Neuausrichtung hängt nun maßgeblich davon ab, wie die Landespolitik die künftigen Investitionsbedarfe und die regionale Bedeutung gewichtet.