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„Oskar Werner“: Inszenierung zeigt Österreichs Alkohol-Probleme auf höchstem Niveau auf

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Im Wiener Odeon-Theater wird derzeit das Stück „Oskar Werner – Kompromisslos in die Wiedergeburt“ aufgeführt, eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Leben und Wirken des legendären österreichischen Schauspielers Oskar Werner. Die Produktion, getragen von Bernhard Dechant und Stefan Sterzinger unter der Regie von Sophie Resch, beleuchtet die Höhen und Tiefen von Werners Karriere und persönlichem Leben, wobei insbesondere seine Beziehung zum Alkohol thematisiert wird.

Die Inszenierung basiert auf einer zehnjährigen künstlerischen Auseinandersetzung Dechants mit dem Erbe Werners. Sie verbindet Zitate aus Interviews sowie Video- und Audioaufnahmen des Schauspielers mit autobiographischen Elementen von Dechant selbst. Diese Verschmelzung ermöglicht es, die Parallelen zwischen den beiden Künstlern herauszuarbeiten und einen tiefen Einblick in die Herausforderungen und Dämonen zu geben, denen sie begegneten.

Dechant und Werner hatten das gleiche Problem

Bernhard Dechant, geboren 1976 in Wien, begann seine Schauspielkarriere bereits als Jugendlicher am Wiener Burgtheater und am Theater in der Josefstadt. Nach einem Psychologiestudium von 1997 bis 2000 absolvierte er eine Schauspielausbildung und war von 2004 bis 2008 Ensemblemitglied am Theaterhaus Jena. 2009 wurde er von Christoph Schlingensief als Stipendiat für das Fach Regie an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart ausgewählt. Dechants Schaffen zeichnet sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen und eine Vorliebe für unkonventionelle Inszenierungen aus.

Die Parallelen zwischen Dechant und Werner sind augenfällig. Beide Künstler teilen eine tiefe Leidenschaft für das Theater und eine kompromisslose Hingabe an ihre Kunst. In „Oskar Werner – Kompromisslos in die Wiedergeburt“ reflektieren Dechant und Resch nicht nur Werners Leben, sondern auch seine eigenen Erfahrungen mit Alkohol und den Herausforderungen des Künstlerdaseins. Diese Selbstoffenbarung verleiht der Inszenierung eine besondere Authentizität und Tiefe.

„Oskar Werner“ im „Spitzer“ in Wien (Foto: Jan Gruber).

Anspruchsvolles Stück auf höchstem Niveau

Die Zeitung „Falter“ bezeichnete Dechants Spiel als „den reinen Wahnsinn“ und hob die Intensität seiner Darstellung hervor.  Das Stück wurde zudem mit dem Spezialpreis im Rahmen der Nestroy-Preisverleihung ausgezeichnet, was seinen Stellenwert in der aktuellen Theaterlandschaft unterstreicht.

„Oskar Werner“ ist eine Inszenierung, die anspruchsvoll auf höchstem Niveau ist. Hauptdarsteller Dechant befindet sich in einer Art „Konflikt“ mit Oskar Werner, den er ebenfalls verkörpert. Das schauspielerische Talent des Künstlers wird dabei deutlich, denn er schafft es nicht nur zu begeistern, sondern er fesselt im positiven Sinn. Die eine oder andere Einbindung des Publikums sowie gelegentlich humorvoll präsentierte Zitate des Oskar Werner fehlen genau so wenig wie Kritik an der Gesellschaft, Wirtschaft und Regierung. Es ist ein Theaterstück, in dem äußerst viel Intelligenz und Tiefgründigkeit steckt. Wer nur auf flache Unterhaltung aus ist, ist hier definitiv falsch. „Oskar Werner“ ist eine Inszenierung, die zum Nachdenken und Handeln anregt. Sowohl der Musiker Stefan Sterzinger als auch Schauspieler Bernhard Dechant begeistern mit beeindruckenden Leistungen und das nonstop ohne Pause.

„Oskar Werner – Kompromißlos in die Wiedergeburt“ ist ein eindrucksvolles Theatererlebnis, das nicht nur das Leben eines der größten österreichischen Schauspieler beleuchtet, sondern auch universelle Fragen nach Kunst, Sucht und Selbstzerstörung aufwirft. Reschs Inszenierung besticht durch ihre Intensität und die herausragende schauspielerische Leistung von Bernhard Dechant, der es versteht, die Komplexität und Tragik Oskar Werners eindrucksvoll auf die Bühne zu bringen.

Hauptdarsteller war selbst in der Alkoholfalle

Hinter dem Theaterstück „Oskar Werner“ steht die eigene Lebensgeschichte des Bernhard Dechant, der ganz offen darüber spricht, dass er selbst in die Alkoholfalle geraten ist. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Er hat es geschafft herauszukommen, Oskar Werner, dem das Theaterstück gewidmet ist, jedoch nicht. Allein dieser Umstand ist eine eindringliche Warnung, denn es gibt sehr viele Menschen in der österreichischen, europäischen und weltweiten Gesellschaft, die alkoholabhängig sind. Dechant selbst bezeichnet diese als „größte Randgruppe Österreichs“ und verweist darauf, dass erst unter dem Gesundheitsminister Anton Proksch (SPÖ) in den 1960er Jahren überhaupt anerkannt wurde, dass Alkoholabhängigkeit eine behandlungsbedürftige Krankheit ist. In der breiten Gesellschaft wäre dies aber bis heute nicht wirklich angekommen.

Laut Dechant ist das Stück eher durch Zufall in Zusammenarbeit mit Sibylle Fritsch, die auf der Suche nach einem Darsteller für Klaus Kinski war. „Der Kinski ist einfach zu spielen. Einfach nur ein Schreihals“, so Dechant. „Entstanden ist dann eine Inszenierung über Oskar Werner, die sich stark von der heutigen unterscheidet. Beispielsweise wurde viel mit Videos von Originalaufnahmen gearbeitet. Auch gab es da wirklich den Affenmenschen-Kellner, der den Zuschauern Alkohol angeboten hat bis die besoffen waren. Das gibt es jetzt nicht mehr, denn in der Weinflasche ist Traubensaft.“

Zu Beginn begrüßt Oskar Werner, dargestellt von Bernhard Dechant, die Zuschauer im Brauhofhaus in Krems in Niederösterreich. Das ist kein Fehler, wie der Schauspieler erklärt: „Ich beziehe mich dabei auf eine originale Theaterkritik aus einer Zeitung aus den 1980er Jahren. Werner hat damals versucht in der Provinz eigene Festivals hochzuziehen. Diese sind in einer regelrechten Katastrophe geendet, denn er war eigentlich nur noch dauerbesoffen“.

Angesprochen darauf, ob das aus Bernhard Dechant, Stefan Sterzinger und Sophie Resch bestehende Team auch in den Bundesländern auftreten wird, meinte Resch: „Zunächst planen wir eine Wirtshaustour in Wien. Wir wollen in jedem Bezirk in zumindest einem Wirtshaus auftreten. Vielleicht gehen wir dann ein Jahr darauf auf eine Österreich-Tournee, aber zunächst steht die Wirtshaustour im Fokus“.

„Oskar Werner“ im „Spitzer“ in Wien (Foto: Jan Gruber).

Gaststättentour durch die Wiener Bezirke geplant

Das hat auch seinen guten Grund warum ausgerechnet in Gaststätten aufgetreten werden soll, denn Dechant betrachtet Österreich als Hochrisikoland, wenn es darum geht in die Fänge der Alkoholabhängigkeit zu geraten. Häufig stehen weltweit agierende Konzerne hinter den Produkten, die ein sehr großes Interesse daran haben, dass ihre Produkte möglichst häufig gekauft werden. Angesprochen darauf was sinnvolle Sofortmaßnahmen wären, meinte Dechant: „Ein Werbeverbot für alkoholische Getränke und gleichzeitig auch ein Rabattverbot. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wenn es zum Beispiel Vodka 25 Prozent billiger oder gar zum halben Preis gibt, nimmt man als Alkoholiker das Angebot wahr. Das Problem ist, dass man dann in der gleichen Zeit auch erheblich mehr Alkohol trinkt und da liegt das wahre Problem. Die Politik muss also handeln und eine Diskussion auf wissenschaftlicher Basis in Gang bringen. Momentan wird doch nur auf Gefühlsbasis diskutiert und das ist ein Problem.

Dechant: „All-You-Can-Drink-Angebote müssen verboten werden“

Ein wichtiger Appell von Bernhard Dechant richtet sich an die Politik: Es geht um so genannte All-You-Can-Drink-Angebote, die von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mitunter sehr exzessiv in Anspruch genommen werden. „Da gibt es Lokale, in denen zahlt man 35 Euro und kann so viel saufen wie man will. Man braucht nur am nächsten Morgen schauen wie es vor diesen Lokalitäten aussieht. Sowas gehört verboten und es ist verantwortungslos junge Menschen über solche Flatrates in den Alkohol zu treiben“.

Plakat „Oskar Werner“ im Spitzer in Wien (Foto: Jan Gruber).

Oskar Werner – Ein Schauspieler zwischen Genie und Tragik

Oskar Werner, geboren am 13. November 1922 in Wien, zählt zu den bedeutendsten Schauspielern Österreichs. Seine Laufbahn begann am Theater, als er 1941 am Wiener Burgtheater debütierte. Werner galt als sensibler Darsteller, dessen markante Stimme und ausdrucksstarke Mimik seine Rollen unverkennbar machten. Bereits in jungen Jahren fiel er durch seine außergewöhnliche Bühnenpräsenz auf, die ihm den Ruf eines künstlerischen Visionärs einbrachte.

Der Durchbruch auf der Leinwand gelang ihm mit dem Film Der Engel mit der Posaune (1948). Zu seinen bekanntesten Werken zählen François Truffauts Verfilmung von Ray Bradburys Fahrenheit 451 (1966) sowie Jules et Jim (1962), die beide seinen Status als internationaler Star festigten. Mit Das Narrenschiff (1965) erhielt er eine Oscar-Nominierung, was seine Karriere auf eine neue Ebene hob. Trotz dieser Erfolge wurde Werners Laufbahn immer wieder von privaten Problemen überschattet, insbesondere seinem langjährigen Alkoholproblem, das auch auf seine schwierige Beziehung zum Filmgeschäft zurückzuführen war.

Werners Spielweise war geprägt von einer tiefen Emotionalität und intellektuellen Durchdringung seiner Figuren. Er vereinte Fragilität und Stärke in einzigartiger Weise und verlieh seinen Rollen eine Tiefe, die weit über die Anforderungen vieler Filmproduktionen hinausging. Mit seinem Engagement für anspruchsvolle, oft avantgardistische Werke beeinflußte er sowohl die österreichische Theaterwelt als auch den internationalen Film nachhaltig.

Seine Beziehung zur Theaterwelt blieb ambivalent. Während er einerseits die Bühne als seine wahre Heimat ansah, war er andererseits durch Konflikte mit Institutionen wie dem Burgtheater geprägt. Dennoch gilt Werner als Wegbereiter einer neuen Schauspielgeneration, die das psychologische Tiefenspiel und den intellektuellen Anspruch in den Mittelpunkt rückte. Seine Karriere spiegelt die Zerrissenheit eines Künstlers wider, der zwischen persönlichem Dämon und künstlerischem Streben ein einzigartiges Vermächtnis hinterließ.

Oskar Werner im Jahr 1947 (Foto: Fotograf im Auftrag der United States Information Agency).

Oskar Werner und der Schatten des Alkohols

Der Alkoholkonsum von Oskar Werner war eine Tragödie, die sowohl sein Leben als auch seine Karriere nachhaltig beeinflußte. Bereits in den 1960er Jahren, auf dem Höhepunkt seines internationalen Ruhms, wurde sein problematischer Umgang mit Alkohol zunehmend sichtbar. Werners Alkoholproblem spiegelte sich nicht nur in seinem Privatleben wider, sondern hatte auch direkte Auswirkungen auf seine berufliche Laufbahn. Dreharbeiten gerieten ins Stocken, Proben wurden abgesagt, und seine oftmals brillante Bühnenpräsenz war nicht immer konstant abrufbar.

Die Öffentlichkeit reagierte ambivalent auf seine Sucht. Während Kritiker und Kollegen häufig Verständnis für den Druck äußerten, dem Werner als Künstler ausgesetzt war, blieb die Medienlandschaft wenig zimperlich. Sein erratisches Verhalten am Set oder auf der Bühne wurde regelmäßig thematisiert, was seinen Ruf zunehmend beschädigte. Doch trotz aller Rückschläge wurde er von vielen weiterhin als Ausnahmegenie wahrgenommen. Nicht selten wurde sein Alkoholkonsum auch romantisiert und als Ausdruck seines künstlerischen Leidens gedeutet, ein Narrativ, das seiner Gesundheit und seinem Vermächtnis gleichermaßen schadete.

Der Alkohol beeinträchtigte nicht nur seine Disziplin und Belastbarkeit, sondern auch seine Beziehungen zu Kollegen und Institutionen. So kam es zu mehrfachen Spannungen mit Filmproduzenten und Theaterintendanten, die ihn schließlich aus wichtigen Projekten ausschlossen. Sein Scheitern an großen Ambitionen, etwa der Leitung eines eigenen Theaters, wird ebenfalls auf seinen Alkoholkonsum zurückgeführt.

In der Rückschau bleibt die Frage, ob Werners geniales Schaffen ohne seine Abhängigkeit noch intensiver oder länger anhaltend hätte sein können. Fest steht, daß der Alkohol ihm einerseits den Kampf gegen die eigenen Dämonen erleichterte, ihn andererseits aber daran hinderte, sein Potential vollständig zu entfalten. Sein tragisches Schicksal bleibt eine Mahnung, wie schmal der Grat zwischen Genie und Selbstzerstörung sein kann.

Oskar Werner im Jahr 1949 (Foto: Fotograf im Auftrag der United States Information Agency).
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