Airbus A320neo (Foto: Steffen Lorenz).
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Pegasus Airlines übernimmt Smartwings samt CSA

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In einer überraschenden Transaktion im europäischen Luftverkehrsmarkt hat die türkische Fluggesellschaft Pegasus Airlines den Bieterwettbewerb um die tschechische Smartwings und ihre Tochtergesellschaft Czech Airlines (CSA) für sich entschieden. Der Deal, dessen Gesamtwert sich auf 154 Millionen Euro beläuft, markiert einen wichtigen Schritt in der Expansionsstrategie des türkischen Billigfliegers und verschafft ihm eine stärkere Präsenz in Mitteleuropa. Pegasus Airlines setzte sich damit gegen den als Favoriten gehandelten Konkurrenten LOT Polish Airways beziehungsweise deren Mutterkonzern PGL durch, der dem Vernehmen nach eine niedrigere Offerte von etwa 110 Millionen Euro vorgelegt hatte.

Der Kauf beendet eine dreijährige Suche der bisherigen Smartwings-Eigner nach einem passenden Käufer, nachdem zwischenzeitlich auch Gespräche mit der israelischen Israir gescheitert waren. Für Pegasus Airlines, die zu den effizientesten Niedrigpreis-Anbietern weltweit zählt, bedeutet die Akquisition eine strategische Verstärkung ihres europäischen Netzwerks und einen deutlichen Kapazitätszuwachs.

Die erworbenen tschechischen Fluggesellschaften

Smartwings, die größte tschechische Fluggesellschaft, operiert derzeit mit einer Flotte von 42 Flugzeugen, zu der unter anderem 13 Maschinen des Typs Boeing 737 max 8 gehören. Die Flotte der Smartwings-Gruppe, die insgesamt 47 Flugzeuge umfasst, wird künftig in die Pegasus-Gruppe integriert. Smartwings gilt als wichtiger Akteur im mittel- und osteuropäischen Markt für Ferienflüge. Das Streckennetz umfasst rund 80 Ziele in 20 Ländern und zeichnet sich durch starke Verbindungen zu Reiseveranstaltern aus, insbesondere in den sogenannten Leisure-Segmenten. Die Flugziele erstrecken sich hauptsächlich auf Städte- und Urlaubsregionen rund um das Mittelmeer.

CSA Czech Airlines, die ebenfalls Teil der Übernahme ist, zählt zu den ältesten Luftfahrtmarken der Welt und verfügt über eine lange Tradition im Linienverkehr. Zusammen mit Smartwings bietet das Duo ein etabliertes Netzwerk in der Region. Die türkische Erwerberin, die bereits 158 Ziele in 55 Ländern bedient, verspricht sich durch die Integration erhebliche Synergien.

Der strategische Vorteil für Pegasus Airlines

Für Pegasus Airlines, die mit einer Flotte von 127 Flugzeugen operiert, bedeutet die Übernahme der tschechischen Gruppe eine sofortige Vergrößerung der Gesamtkapazität und einen direkten Zugang zu Schlüsselmärkten in Mitteleuropa. Die strategische Beteiligung soll die Unternehmenspräsenz in Europa verstärken und den globalen Wachstumskurs unterstützen. Die türkische Fluggesellschaft plant, das kombinierte Know-how zu nutzen, um das Angebot zu erweitern und den Passagieren ein größeres Netzwerk sowie weiterhin wettbewerbsfähige Tarife zu bieten. Die Vorstände von Pegasus betonten, man schlage „ein neues Kapitel in der Wachstumsgeschichte“ auf.

Die Akquisition ermöglicht Pegasus, ihre Position gegenüber anderen europäischen Billigfluggesellschaften zu stärken, insbesondere in Märkten, in denen Smartwings bereits eine gefestigte Präsenz besitzt. Trotz des Eigentümerwechsels sollen sowohl Pegasus Airlines als auch Smartwings weiterhin als eigenständige Marken am Markt auftreten und ihre jeweiligen Stärken in einem kooperativen Rahmen nutzen.

Die Herausforderung der Eigentumsverhältnisse

Die Transaktion steht aufgrund der Eigentumsverhältnisse vor einer Besonderheit. Da Pegasus Airlines eine nicht-EU-Fluggesellschaft ist, darf sie laut den geltenden europäischen Luftverkehrsbestimmungen maximal 49 Prozent der Anteile an einer EU-Fluggesellschaft direkt halten. Die volle Kontrolle über Smartwings und CSA Czech Airlines kann Pegasus daher nur über eine komplexe Unternehmensstruktur erlangen. Medienberichten zufolge soll Pegasus Airlines für die Übernahme eine EU-Gesellschaft in den Niederlanden gründen.

Diese Struktur ist notwendig, um die Betriebsrechte und das Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) in der Europäischen Union zu sichern. Die gesamte Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der notwendigen regulatorischen Genehmigungen, was bei Übernahmen in der Luftfahrtindustrie ein übliches und entscheidendes Verfahren ist.

Der Bieterwettbewerb und die Rolle von LOT Polish Airways

Der Verkaufsprozess war von einem intensiven Bieterkrimi geprägt. Als zeitweiliger Favorit galt der polnische Konzern PGL (Polish Aviation Group), die Muttergesellschaft der nationalen polnischen Fluggesellschaft LOT Polish Airways. Eine Übernahme durch PGL hätte eine Konsolidierung im mittelosteuropäischen Luftverkehrsraum unter polnischer Führung bedeutet. Das Angebot von PGL soll jedoch mit etwa 110 Millionen Euro deutlich unter der Offerte von Pegasus Airlines gelegen haben. Die Bereitschaft der türkischen Airline, einen höheren Preis von 154 Millionen Euro zu zahlen, war letztlich ausschlaggebend für den Zuschlag. Die Eigner von Smartwings, die seit etwa drei Jahren einen Käufer suchten, entschieden sich damit für den finanziell attraktiveren Vorschlag, der eine rasche Transaktion ermöglichte.

Die Entscheidung für Pegasus Airlines spiegelt die Dynamik des europäischen Luftverkehrsmarktes wider, der sich weiterhin durch Fusionen und Übernahmen neu ordnet. Besonders die Billigfluggesellschaften, zu denen Pegasus zählt, suchen aktiv nach Expansionsmöglichkeiten, um ihre Netzwerke zu erweitern und ihre Marktanteile zu festigen. Die strategische Übernahme von Smartwings und Czech Airlines ist in diesem Kontext als ein gezielter Kauf von europäischer Marktpräsenz und etablierter Ferienflugkapazität zu werten. Die Integration der tschechischen Marken in die Pegasus-Gruppe wird voraussichtlich zu einem verstärkten Wettbewerbsdruck führen, insbesondere im Segment der Niedrigpreis-Carrier in den von Smartwings bedienten Märkten.

Hintergrund und weitere Entwicklungen

Der Kauf der Smartwings-Gruppe ist der ambitionierteste Schritt von Pegasus Airlines, um sich als bedeutender paneuropäischer Akteur zu etablieren. Pegasus wurde 1990 gegründet und hat sich seit 2005 zu einem der größten und profitabelsten Billigflieger entwickelt. Die Flotte von Pegasus ist bekannt für ihre jungen und effizienten Flugzeuge.

Das Unternehmen nutzt die Akquisition, um seine Flotte und sein Streckennetz zu ergänzen. Analysten erwarten, dass die Kombination der jungen, modernen Flotte von Pegasus mit der etablierten europäischen Präsenz von Smartwings erhebliche Netzwerksynergien freisetzen wird, die eine bessere Konnektivität zwischen der Türkei und Mitteleuropa sowie eine Steigerung der Gesamtkapazität ermöglichen. Der Abschluss der Transaktion und die konkrete Ausgestaltung der zukünftigen Kooperation zwischen den Marken bleiben nun abzuwarten, wobei die regulatorische Freigabe durch die zuständigen Behörden der nächste entscheidende Schritt ist.

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