Das tschechische Amt für Wettbewerbsschutz (ÚOHS) hat der türkischen Pegasus-Gruppe die Übernahme der Fluggesellschaft Smartwings sowie deren Tochtergesellschaft Czech Airlines (CSA) unter Bedingungen genehmigt.
Die Regulierungsbehörde knüpft die Zustimmung an eine wesentliche kartellrechtliche Auflage: Zur Vermeidung einer marktbeherrschenden Stellung muss Pegasus einen Teil ihrer Start- und Landerechte (Slots) für die Sommersaison auf der Verbindung zwischen Prag und Antalya an einen unabhängigen Konkurrenten abtreten. Die Entscheidung der Behörde ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig, da noch Rechtsmittel eingelegt werden können.
Die geplante Akquisition markiert einen tiefgreifenden Strukturwandel im tschechischen Luftfahrtsektor. Smartwings gilt als führender Charter- und Freizeitflieger des Landes, während die Traditionsmarke Czech Airlines nach ihrer Insolvenz und langwierigen Restrukturierungsphasen in den vergangenen Jahren stark zusammengestumpft ist. Für die in Istanbul ansässige Pegasus Airlines bietet der Zusammenschluss einen direkten Zugang zum mitteleuropäischen Markt und verstärkt die Eigenkapazität im Punkt-zu-Punkt- sowie im Touristikverkehr zwischen der EU und der Türkei.
Branchenbeobachter und Wettbewerbshüter sehen die Konzentration auf den beliebten Urlaubsstrecken in den Ostmeerraum dennoch kritisch. Auf der Flugroute von Prag nach Antalya hätten Pegasus und Smartwings ohne Auflagen eine marktbeherrschende Stellung eingenommen, was das Potenzial für Preissteigerungen zu Lasten von Reiseveranstaltern und Endkunden erhöht hätte. Die Vergabe der abzutretenden Slots soll nun sicherstellen, dass Drittanbieter – etwa andere europäische Low-Cost-Carrier oder türkische Mitbewerber – den Preiswettbewerb auf dieser stark nachgefragten Ferienverbindung aufrechterhalten können.
Die operative Umsetzung der Übernahme hängt nun vom weiteren Verfahrensverlauf ab. Sollte die kartellrechtliche Genehmigung nach Ablauf der Einspruchsfristen rechtskräftig werden, steht Pegasus vor der komplexen Aufgabe, die Flotten- und IT-Strukturen der tschechischen Fluggesellschaften in das eigene Low-Cost-Geschäftsmodell zu integrieren. Insbesondere die Weiterführung des traditionsreichen Namens Czech Airlines sowie die künftige Ausrichtung des Drehkreuzes am Flughafen Prag-Ruzyně verbleiben dabei als zentrale Fragen für den neuen Eigentümer.