Der US-Billigflieger Sun Country Airlines sieht sich gezwungen, sein Flugangebot an der Heimatbasis auf dem Flughafen Minneapolis/St. Paul voraussichtlich bis Ende des Jahres 2026 weiter einzuschränken.
Grund für die Streichungen ist ein plötzlicher Mangel an Cockpitpersonal, der nach der Übernahme der Fluggesellschaft durch den Konkurrenten Allegiant Air im Mai ausgelöst wurde. Nach Angaben der Konzernleitung lag die Kündigungsrate unter den Pilotinnen und Piloten zeitweise dreimal höher als im Vorfeld prognostiziert. Vor allem jüngere Flugzeugführer nutzten den Übergang, um zu größeren Netzwerkgesellschaften wie der am selben Standort stark vertretenen Delta Air Lines zu wechseln.
Die personellen Engpässe haben unmittelbare Auswirkungen auf den Flugbetrieb im späten Sommer und Herbst. Bereits für den Monat September streicht das Unternehmen etwa ein Drittel des geplanten Flugprogramms in Minneapolis. Auch für die darauffolgenden Monate werden weitere Kapazitätskürzungen geprüft, um einen stabilen Restbetrieb ohne kurzfristige Flugausfälle zu gewährleisten. Im Vergleich zum Verkehrsaufkommen des Jahres 2024 rechnet die Führung der Fluggesellschaft für das Gesamtjahr 2026 mit einem Rückgang der angebotenen Sitzplatzkapazitäten am Hauptstandort um rund 15 Prozent.
Die Reduzierung des Streckennetzes trifft das Unternehmen in einer ohnehin angespannten Marktsituation. Während Sun Country Kapazitäten abbauen muss, nutzen Mitbewerber wie Delta Air Lines und der Low-Cost-Konkurrent Frontier Airlines die Situation, um ihre Marktanteile und das Flugangebot am Drehkreuz Minneapolis/St. Paul gezielt auszubauen. Dem Branchenumfeld zufolge verdeutlicht der Fall die strukturellen Risiken bei Übernahmen in der Luftfahrtbranche, wenn Piloten aufgrund von Gehaltsunterschieden oder Unsicherheiten bezüglich der Senioritätslisten zu Konkurrenzunternehmen abwandern.
Die Muttergesellschaft Allegiant versucht derweil, die Lage zu beruhigen, und verweist darauf, dass die Welle an Kündigungen im Cockpitbereich inzwischen deutlich nachgelassen habe. Gleichzeitig verzeichne die Airline wieder eine steigende Zahl an Neueinstellungen und Bewerbungen, was die schrittweise Stabilisierung des Flugbetriebs unterstützen soll. Dennoch bleibt der personelle Wiederaufbau zeitintensiv, weshalb Passagiere am Standort Minneapolis bis auf Weiteres mit einem reduzierten Flugangebot rechnen müssen.