Personalmangel: Wizz Air braucht Wetlease-Flugzeuge

A321-Sharklet (Foto: Jan Gruber).
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Personalmangel: Wizz Air braucht Wetlease-Flugzeuge

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Die Billigfluggesellschaft Wizz Air bedient sich selten den Dienstleistungen von ACMI-Anbietern. Doch momentan sind mehrere Carrier für den Lowcoster im Einsatz und in den nächsten Tagen könnte sich der Einsatz von Wetlease-Flugzeugen sogar noch ausweisen.

Angesichts des Umstands, dass Wizz Air noch nicht die gesamte eigene Flotte in die Luft gebracht hat, ist es auf den ersten Blick durchaus kurios, dass man sich Subunternehmern bedient. Ein Blick auf eine Pressemitteilung, die das Unternehmen vor einigen Wochen verschickt hat, zeigt jedoch die Ursache: Unter anderem für Wien sucht man händeringend neue Flugbegleiter. Wizz Air baute seit dem Vorjahr an vielen Bases den Personalstand ab, aber das Ausmaß der Dienstgeberkündigungen war im direkten Vergleich mit freiwilligen Kündigungen der Arbeitnehmer eher gering.

Das Bezahlungssystem von Wizz Air ist – mit geringen Abweichungen – an allen Bases gleich. Unterschiedlich sind je nach Staat lediglich die Höhe der Grundlöhne und sektorenabhängigen variablen Bestandteile. Den Löwenanteil des Monatsgehalts machen beim fliegenden Personal eben die leistungsbahängigen Teile aus und diese sind bei enorm vielen im Winter auf „fast null“ heruntergebrochen, weil pandemie- und nachfragebedingt wenig geflogen wurde. Die Folge daraus ist, dass der Verdienst (fast) nur aus dem Grundgehalt bestand und somit nicht gerade üppig ausgefallen ist. Die Folge daraus? Aus finanziellen Gründen haben sich viele Flugbegleiter nach neuen Jobs umgesehen und bei Wizz Air gekündigt.

An manchen Bases soll es zusätzliche Paycuts gegeben haben. Wizz Air hat sich zwar viel Geld gespart, doch unter dem Strich steht nun Personalmangel. Gleichzeitig wäre der eine oder andere Mitbewerber froh, wenn man sich von in Kurzarbeit „geparkten“ Mitarbeiter trennen könnte, da man mittelfristig von weniger Bedarf ausgeht.

Dringend Wetlease-Kapazitäten gesucht

Wizz Air treibt dies in eine Zwickmühle, denn man ist auf die Einnahmen aus den Ticketverkäufen angewiesen und Streichungen von Flügen, auf denen sich viele Urlauber befinden, machen sich so ganz und gar nicht gut. Der Lowcoster weiß sehr genau, dass das Vertrauen der Privatkunden gegenüber der gesamten Branche an einem seidenen Faden hängt und die Buchungszahlen aufgrund der vorsichtigen Haltung vieler Menschen rasch kippen können. Urlauber, die irgendwo „gestrandet“ sind, wirken sich so ganz und gar nicht verkaufsfördernd aus. Dabei spielt der Name der Airline gar keine Rolle.

Bis der Personalstand aufgestockt ist und die nachrückenden Flugbegleiter geschult sind, muss eine Zwischenlösung her. Diese ist keine Überraschung: Anmieten von Maschinen samt Besatzung bei auf ACMI- und Charterflügen spezialisierten Airlines. Namentlich sind das momentan GetJet Airlines, Titan Airways und Hifly mit je zwei Maschinen. Mit Just Us Air verhandelt man über das Wetlease eines Airbus A321. Von zahlreichen weiteren Airlines, darunter auch direkte Mitbewerber, hat Wizz Air in den letzten Tagen ebenfalls Angebote eingeholt, so dass mit dem Anheuern weiterer ACMI-Maschinen zu rechnen ist. Es ist noch völlig offen wer zum Zug kommt. Jedenfalls ist von Operators, die Offerte gelegt haben zu vernehmen, dass Wizz „dringend“ nach Kapazitäten sucht.

Cardiff: Basis-Eröffnung erst im Sommer 2022

Ganz unabhängig vom Festland gibt es auch im Vereinigten Königreich eine Änderung, die seitens Wizz Air UK nicht lautstark kommuniziert wurde. Die Eröffnung der Basis Cardiff wurde kurzfristig in den Sommerflugplan 2022 verschoben. Die geplanten Inlandsflüge nach Jersey wird man ebenfalls – zumindest in dieser Feriensaison – nicht aufnehmen.

Die Ursache in UK dürfte jedoch gänzlich anders gelagert sein: Generell nehmen zahlreiche Carrier Kapazitäten „heraus“, denn die Einreise- und Quarantänebestimmungen bei der Rückkunft ins Vereinigte Königreich sind durchaus kompliziert und nicht verkaufsfördernd. Dazu kommt, dass einige beliebte Urlaubsziele die Einreise von UK-Gästen an vollständige Impfungen knüpfen oder aber diese immer noch das Vereinigte Königreich auf dunkelroten Listen führen, was dann zumeist Quarantäne am Ferienort auslösen dürfte.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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