Lediglich dieser Sticker weist darauf hin, dass die in Ryanair-Farben lackierte Boeing 737-800 von Malta Air betrieben wird (Foto: Enrique Tabone).
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Pilot erleidet Zwischenfall: Sicherheitslandung in Porto unter dem Kommando des Ersten Offiziers

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Ein Flug der Fluggesellschaft Ryanair mußte am 10. August 2025 auf dem Weg von Barcelona nach Porto eine Notlandung durchführen, nachdem der Kapitän in der Luft das Bewußtsein verloren hatte. In einer Situation höchster Dringlichkeit übernahm der Erste Offizier das Kommando, erklärte den Luftnotfall und leitete das Flugzeug sicher zu einer Landung auf dem Flughafen in Porto.

An Bord befanden sich 137 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder, die den Vorfall unbeschadet überstanden. Die gelungene Landung und die reibungslose Koordination zwischen der Crew und den zuständigen Behörden am Boden unterstreichen die Wirksamkeit der strengen Sicherheitsprotokolle, die in der modernen Luftfahrt gelten.

Mayday über Portugal: Der Moment der Pilotenkrankheit

Der Vorfall ereignete sich am Vormittag auf dem Flug FR4587, der um 08:11 Uhr vom Flughafen Barcelona-El Prat startete und planmäßig um 08:50 Uhr in Porto landen sollte. Während des Endanfluges auf den Flughafen von Porto (OPO) gab der Erste Offizier über Funk den Notruf „Mayday“ aus. Er berichtete den Fluglotsen von der kritischen Situation im Cockpit: Der Kapitän sei plötzlich bewußtlos geworden und mußte aus dem Cockpit entfernt werden.

In solchen Momenten der Pilotenkrankheit ist das Training des verbleibenden Piloten von entscheidender Bedeutung. Der Erste Offizier meisterte die Situation mit großer Professionalität. Er übermittelte den Fluglotsen nicht nur die Dringlichkeit der Lage, sondern gab auch präzise Anweisungen für die erwartete Landung: Er informierte die Bodenkontrolle, daß das Flugzeug nach dem Aufsetzen nicht in der Lage sein würde, die Landebahn aus eigener Kraft zu verlassen, und daher einen Schlepper benötigen würde. Diese vorausschauende Planung ermöglichte es den Einsatzkräften am Boden, sich optimal auf die Landung vorzubereiten. Während das Flugzeug weiter auf den Flughafen zuhielt, erlangte der Kapitän Berichten zufolge langsam wieder das Bewußtsein, kehrte jedoch aus Sicherheitsgründen nicht mehr in das Cockpit zurück.

Das Sicherheitsprotokoll: Eine erfolgreiche Landung trotz Zwischenfall

Die Sicherheit in der zivilen Luftfahrt ist auf ein System der Redundanzen aufgebaut, das auch für den seltenen Fall einer gesundheitlichen Beeinträchtigung eines Piloten gewappnet ist. Das sogenannte Zwei-Pilot-System gewährleistet, daß immer ein qualifizierter Pilot in der Lage ist, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen. Im Falle des Ryanair-Fluges funktionierte dieses System reibungslos. Der Erste Offizier konnte die Boeing 737 sicher auf der Landebahn 17 aufsetzen.

Auf dem Flughafen von Porto waren bereits medizinische Notfallteams in Bereitschaft. Eine Ambulanz der Feuerwehr Moreira da Maia sowie ein medizinisches Einsatzfahrzeug des Pedro Hispano Hospitals wurden zur Landebahn entsandt. Nach der Landung wurde der Kapitän von Sanitätern untersucht. Ein Sprecher des Nationalen Instituts für Medizinische Notfälle (INEM) bestätigte, daß der Pilot „eine sich schnell erholende Synkope“ erlitten habe, was im medizinischen Sinne einen kurzzeitigen Bewußtseinsverlust beschreibt, von dem er sich rasch erholte. Obwohl die Untersuchung keine schwerwiegenden Befunde ergab, lehnte der Kapitän es ab, in ein Krankenhaus gebracht zu werden. Er muß nun, den Vorschriften entsprechend, eine medizinische Untersuchung durchlaufen, bevor er wieder als Pilot eingesetzt werden darf.

Die Folgen am Boden: Verzögerungen und Betriebsunterbrechung

Die Landung des Flugzeugs um 08:35 Uhr und der anschließende Schleppvorgang hatten eine vorübergehende Sperrung der Landebahn zur Folge. Dies führte zu einer kurzfristigen Störung des regulären Flugbetriebs am Flughafen von Porto. Fluglotsen mußten andere, sich im Anflug befindende Maschinen umleiten oder in Warteschleifen schicken. Einige Flüge, darunter auch solche von anderen Fluggesellschaften, mußten auf nahegelegene Flughäfen umgeleitet werden, was für die Passagiere eine erhebliche Reiseverzögerung bedeutete.

Das betroffene Flugzeug, eine von Malta Air im Auftrag von Ryanair betriebene Boeing 737-800 mit dem Kennzeichen 9H-QEH, verblieb nach dem Zwischenfall für etwa sechs Stunden am Boden. Die geplante Weiterreise nach Dublin, die um 11:50 Uhr starten sollte, verzögerte sich erheblich und konnte erst um 14:31 Uhr in Angriff genommen werden. Die darauffolgenden Flüge der Maschine waren ebenfalls von dieser Verzögerung betroffen. Der Vorfall in Porto zeigt exemplarisch, wie ein medizinischer Notfall an Bord eines einzelnen Flugzeugs weitreichende Konsequenzen für den gesamten Flugbetrieb eines Flughafens haben kann.

Sicherheit in der Luftfahrt: Die strenge Überwachung der Piloten-Gesundheit

Vorfälle, bei denen ein Pilot während des Fluges das Bewußtsein verliert, sind äußerst selten, finden aber in der Branche immer wieder Beachtung. Die Luftfahrtindustrie unterliegt strengen medizinischen Vorschriften, die eine regelmäßige und umfassende Gesundheitsüberprüfung der Piloten vorschreiben. Alle Flugkapitäne und Ersten Offiziere müssen sich in regelmäßigen Abständen einer gewiß strengen medizinischen Untersuchung unterziehen, um die körperliche und geistige Eignung für den Flugdienst zu gewährleisten.

Die Tatsache, daß es trotz dieser strengen Kontrollen zu Zwischenfällen kommt, beweist die Notwendigkeit von Sicherheitsprotokollen wie dem Zwei-Piloten-System. Die Branche ist sich der potenziellen Risiken bewußt und hat in den letzten Jahren das Training für Notfallsituationen, einschließlich der Handhabung von Piloten-Inkapazitationen, stetig verbessert. Andere ähnliche Fälle in der Vergangenheit, wie etwa bei einer Lufthansa-Maschine oder einer flydubai-Maschine, zeigen, daß derartige Zwischenfälle zwar selten sind, aber immer wieder auftreten können. In allen Fällen konnte die Sicherheit der Passagiere jedoch gewährleistet werden.

Eine turbulente Zeit für Portugals Luftverkehr: Der Streik als zusätzlicher Faktor

Der Notfall in Porto ereignete sich in einer ohnehin schon angespannten Phase für den portugiesischen Luftverkehr. Im Sommer 2025 sahen sich die Flughäfen des Landes mit geplanten Streiks des Bodenpersonals konfrontiert. Gewerkschaften, die das Bodenpersonal an den großen Flughäfen, darunter auch in Porto, vertreten, hatten Streiks an mehreren Wochenenden angekündigt, um bessere Löhne und Entschädigungen für Nachtschichten zu fordern.

Diese Streiks, die ursprünglich bis in den August hinein geplant waren, wurden zwar nach Verhandlungen abgesagt, hatten jedoch bereits in den Wochen zuvor für erhebliche Verzögerungen und Flugausfälle gesorgt. Die Kombination aus den streikbedingten Unannehmlichkeiten und dem medizinischen Notfall am Flughafen von Porto machte die Luftreise nach und von Portugal in dieser Zeit zu einem besonders herausfordernden Unterfangen.

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