Ein Pilot der Fluggesellschaft Air Canada hat kürzlich während eines Fluges seine Frustration über den akuten Personalmangel bei der kanadischen Flugsicherung (Air Traffic Control, ATC) zum Ausdruck gebracht. Dieser Mangel führt vermehrt zu Verspätungen und Flugausfällen am Vancouver International Airport (YVR) sowie an anderen Flughäfen im ganzen Land. Vancouver sah sich in den letzten Wochen zudem mit zusätzlichen Verzögerungen aufgrund von Bauarbeiten und notwendigen Ausrüstungs-Upgrades konfrontiert.
Der Personalengpass in der Flugsicherung beeinträchtigt die Flugpläne zahlreicher Fluggesellschaften, darunter auch Air Canada, die größte Fluglinie des Landes, sowie kleinere Anbieter. Diese Situation führt zu wachsender Verärgerung bei Passagieren und Crews gleichermaßen. Das Unternehmen, das für den Betrieb des kanadischen Luftraumsystems verantwortlich ist, arbeitet nach eigenen Angaben intensiv daran, mehr Fluglotsen einzustellen, um die angespannte Lage zu entschärfen.
Verärgerung bei Passagieren und Crews über anhaltende Verzögerungen
Während eines Fluges von Vancouver nach Montreal am vergangenen Samstag äußerte ein Air-Canada-Pilot seine deutliche Frustration über die anhaltenden Probleme per Lautsprecheranlage. Die Passagiere dieses Fluges mußten eine 50-minütige Verspätung hinnehmen, und die Ansprache des Piloten wurde von einem Reporter des öffentlich-rechtlichen Senders CBC an Bord aufgezeichnet. Der Pilot betonte die negativen Auswirkungen der Verspätungen auf die Fluggesellschaften und die Reisenden und wies darauf hin, daß sowohl das Unternehmen als auch die Passagiere dadurch finanzielle Verluste erleiden.
Laut Aussage des Piloten ist der kanadische Flugsicherungssektor chronisch unterbesetzt, und krankheitsbedingte Ausfälle hätten am besagten Samstag zu erheblichen Staus am Flughafen geführt. Das kanadische Luftraumsystem wird von NAV Canada betrieben, einer privaten, gemeinnützigen Gesellschaft. Bereits am 23. Mai hatte NAV Canada eingeräumt, daß es am Flughafen Vancouver aufgrund von Ressourcenengpässen zu Verzögerungen bei einigen Flügen gekommen sei. Der Air-Canada-Pilot kommentierte die Situation auf dem Rollfeld mit den Worten: „Es ist sehr ärgerlich, es kostet die Firma viel Geld, es kostet Geschäftsleute viel Geld.“ Einige Passagiere quittierten seine offenen Worte mit leichtem Schmunzeln. Der Pilot forderte die Passagiere sogar auf: „Da wir gerade Zeit haben, wenn Sie einen Brief an Ihren Parlamentsabgeordneten schreiben möchten und ihm mitteilen, was hier vor sich geht. Vielleicht können sie dieses Problem angehen.“
Fluggesellschaften passen Flugpläne notgedrungen an
NAV Canada gab am 23. Mai bekannt, daß Ressourcenbeschränkungen den Flugbetrieb am Flughafen Vancouver beeinträchtigten und daß die Teams des Unternehmens daran arbeiteten, Flugzeuge so sicher wie möglich abzufertigen. Bereits am folgenden Tag teilte das Unternehmen mit, daß der Verkehrsfluß am Flughafen wieder normale Werte erreicht habe. Ähnliche Erklärungen hatte NAV Canada bereits am 16. April abgegeben, nachdem der Flughafen in den vorangegangenen Wochen mehrfach mit erheblichen Verspätungen zu kämpfen hatte.
Die von NAV Canada auferlegten Beschränkungen haben spürbare Auswirkungen auf die Flugpläne der Fluggesellschaften, insbesondere auf Air Canada, die ein umfangreiches Streckennetz ab Vancouver betreibt. Die kanadische Fluggesellschaft betonte, daß die Probleme kurzfristig auftreten und außerhalb ihrer Kontrolle lägen. Die daraus resultierenden Verspätungen und Flugausfälle hätten negative Folgen für Kunden und Crews. Air Canada wies darauf hin, daß ihre Flugpläne mit Drittanbietern von Dienstleistungen abgestimmt würden und die Fluggesellschaft im Vorfeld die Bestätigung ihrer Partner erhalte, daß die notwendigen Ressourcen zur Unterstützung der Flugpläne verfügbar seien. Wenn die Fluggesellschaft frühzeitig über betriebliche Einschränkungen informiert werde, passe sie ihre Flugpläne proaktiv an. Air Canada steht nach eigenen Angaben in regelmäßigem Austausch mit NAV Canada, um die betriebliche Situation zu besprechen. Daten des Luftfahrtanalyseunternehmens Cirium zeigen, daß Air Canada im Juni 2025 bis zu 1.028 wöchentliche Flüge ab Vancouver geplant hat und Nonstop-Flüge zu etwa 60 nationalen und internationalen Zielen anbietet. Insgesamt sind für Juni in Vancouver fast 2.500 wöchentliche Abflüge geplant.
Gewerkschaft fordert systemische Lösungen statt Schuldzuweisungen
Der Präsident der Air Line Pilots Association, Tim Perry, wies darauf hin, daß die einzelnen Fluglotsen nicht für die aktuellen Probleme verantwortlich seien, sondern es sich um ein systemisches Problem handele. Er forderte eine intensivere Zusammenarbeit aller Beteiligten, einschließlich der Regierung, der Arbeitnehmervertreter und der Arbeitgeber, um eine angemessene Personalbesetzung sicherzustellen.
NAV Canada gab seinerseits bekannt, daß das Unternehmen derzeit seine Ausbildungskapazitäten im ganzen Land ausbaue, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Aktuell befinden sich fast 500 Studenten in den Ausbildungsprogrammen des Unternehmens. Bis zum Jahr 2028 sollen voraussichtlich rund 1.500 neue Fluglotsen in die Ausbildungsprogramme aufgenommen worden sein.
Neben Air Canada sind auch kleinere Fluggesellschaften von den Engpässen in der Flugsicherung betroffen. Die in Vancouver ansässige Iskwew Air sah sich ebenfalls mit Verspätungen auf ihren Flügen von YVR nach Qualicum Beach auf Vancouver Island konfrontiert. Obwohl die Strecke nur 48 nautische Meilen (89 Kilometer) beträgt, mußte die Fluggesellschaft Verspätungen von „irgendwo zwischen 20 Minuten und zwei Stunden“ hinnehmen. Dies ist besonders gravierend für einen Flug, der normalerweise nur 20 bis 25 Minuten dauert, wie die Geschäftsführerin von Iskwew Air, Teara Fraser, betonte.