Airbus A320 (Foto: Rafael Luiz Canossa).
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Pilotenstreik bei LATAM Airlines Chile

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Die chilenische Luftfahrtbranche wird durch einen umfassenden Streik der Piloten von LATAM Airlines, der größten Fluggesellschaft des Landes, empfindlich getroffen. Nachdem die vermittelten Tarifverhandlungen zwischen dem Unternehmen und dem Sindicato de Pilotos de LATAM (SPL) gescheitert sind, trat die Gewerkschaft am 12. November um Mitternacht Ortszeit in den Ausstand.

Die Arbeitsniederlegung der 464 in Chile ansässigen Piloten, die mehr als die Hälfte der gesamten Pilotenschaft des Konzerns in dem südamerikanischen Land darstellen, hat umgehend zur Annullierung von mindestens 173 Flügen geführt, die zwischen dem 12. und 17. November geplant waren. Schätzungen zufolge sind davon rund 20.000 Passagiere betroffen.

Der Kern des Konflikts liegt in der Forderung der Piloten nach der Wiederherstellung der Beschäftigungs- und Lohnbedingungen aus der Zeit vor der globalen Krise. Die Gewerkschaft argumentiert, dass ihre Forderungen, die weniger als ein Prozent des jüngst erzielten Gewinns von LATAM ausmachten, angesichts der erfreulichen finanziellen Erholung des Unternehmens gerechtfertigt seien. LATAM Airlines hingegen hat Maßnahmen ergriffen, um die Betriebsstörungen abzumildern und den betroffenen Kunden Optionen wie Umbuchungen und Rückerstattungen anzubieten. Trotz dieser Bemühungen bleibt die kurzfristige Betriebssicherheit der Fluggesellschaft durch den festgefahrenen Verhandlungsstand stark beeinträchtigt.

Der Kern des Arbeitskampfes: Post-Krisen-Löhne und Gewinnsituation

Die Pilotengewerkschaft (SPL) betont, dass ihre Mitglieder eine Rückkehr zu den Lohn- und Sozialleistungen anstreben, die vor den pandemiebedingten Anpassungen galten. Im Zuge eines Notfallplans hatte LATAM in den Jahren zuvor Sparmaßnahmen ergriffen, die unter anderem Gehaltskürzungen und Entlassungen umfassten. Nun, da die LATAM Group aus ihrer tiefen Krise herausgefunden hat und sich finanziell robust präsentiert, fordern die Piloten eine Korrektur dieser Einschnitte.

Die jüngsten Finanzberichte untermauern die Position der Gewerkschaft: Im zweiten Quartal des Jahres 2025 meldete die LATAM Airlines Group einen Nettoertrag von 242 Millionen US-Dollar, was eine Steigerung von 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellte. Die Gesamteinnahmen stiegen auf 3,279 Milliarden US-Dollar, und die bereinigte operative Marge erreichte 12,9 Prozent – den höchsten Wert, den das Unternehmen jemals in einem zweiten Quartal verzeichnete. Zudem transportierte die Gruppe 20,6 Millionen Passagiere, eine Steigerung von 7,6 Prozent. Angesichts dieser „höchsten Gewinne in ihrer Geschichte“, wie der SPL-Vorsitzende Mario Troncoso kritisierte, sei die Weigerung des Managements, die Verhandlungen fortzusetzen und die moderaten Forderungen zu erfüllen, unverständlich und ein Akt der Ungerechtigkeit. Die Gewerkschaft beschuldigte das Management sogar, die Eskalation des Konflikts bewusst herbeigeführt zu haben.

Der Eskalationsweg und die Reaktion des Managements

Die Verhandlungen zwischen LATAM und der SPL scheiterten trotz umfangreicher Schlichtungsbemühungen durch die chilenische Arbeitsdirektion. Bereits am 3. November hatten 97 Prozent der teilnehmenden Piloten die letzten Vertragsangebote des Unternehmens abgelehnt, was den Weg für den Streik ebnete. Die Gewerkschaft, die rund 464 Piloten vertritt, sah sich in ihren Forderungen bestärkt, die in einer Wiederherstellung des ursprünglichen variablen Gehaltsmodells münden.

Die Fluggesellschaft, die sich derzeit in einer Hochphase operativer Stärke befindet, versuchte zunächst, die Auswirkungen des Streiks kleinzureden. Frühe Mitteilungen deuteten an, dass weniger als 10 Prozent der Passagiere von oder nach Chile betroffen sein würden, und dass präventive Flugplananpassungen vorgenommen worden seien. Die Entwicklung in den ersten Tagen der Arbeitsniederlegung zeigte jedoch eine Ausweitung der Annullierungen. Die Zahl von 173 abgesagten Flügen binnen weniger Tage betrifft hauptsächlich innerchilenische sowie einige internationale Verbindungen, die von und nach Chile operiert werden.

Maßnahmen zur Schadensbegrenzung:

LATAM hat schnell mit einem Notfallplan reagiert, der den betroffenen Passagieren verschiedene Optionen bietet:

  • Kostenlose Flugdatumänderungen.
  • Freiwillige Änderungen der Reiseroute ohne zusätzliche Gebühren.
  • Vollständige Rückerstattungen für Tickets und damit verbundene Dienstleistungen.

Kunden werden über die firmeneigene App, die Webseite und per E-Mail kontaktiert, um die sich ständig ändernden Flugpläne zu überwachen. Die chilenische Verbraucherschutzorganisation Sernac kündigte zudem eine aktive Überwachung des Streiks an, um sicherzustellen, dass das Unternehmen seiner professionellen Sorgfaltspflicht nachkommt und die Rechte der Konsumenten auf Rückerstattung oder Umbuchung respektiert.

Konzentrierte Auswirkungen und Betriebssicherheit

Der Streik bei LATAM Airlines konzentriert sich derzeit stark auf den chilenischen Betrieb. Dies umfasst sowohl nationale Routen innerhalb Chiles als auch einige internationale Flüge, die den Flughafen Santiago (SCL) als Drehkreuz nutzen. Die Konzentration der Störungen auf einen Teil des Konzernnetzwerks ist ein Versuch des Managements, die Auswirkungen auf den gesamten LATAM-Verkehr zu begrenzen. Dennoch beeinträchtigen die 173 Annullierungen das kurzfristige Einnahmenwachstum und treiben die Kosten für die Kundenbetreuung und die Neu-Positionierung von Besatzungen in die Höhe.

Die Unsicherheit, die der Streik mit sich bringt, könnte auch die Reputation des Managements, insbesondere im Verhältnis zur Belegschaft, nachhaltig beschädigen. Die finanzielle Stärke des Unternehmens wird durch die kurzfristigen Störungen zwar nicht fundamental gefährdet, Investoren müssen jedoch mit erhöhten kurzfristigen Stückkosten und möglichen Einschränkungen bei der Guidance rechnen, falls der Konflikt länger andauern sollte. Das Risiko einer Ausweitung des Streiks auf andere Gewerkschaften oder Betriebsteile der LATAM-Gruppe, die in mehreren lateinamerikanischen Ländern aktiv ist, stellt für das Management ein erhebliches Risiko dar. Die Passagiere müssen sich in den kommenden Tagen auf potenziell längere Wartezeiten bei den Hotlines und im Kundenservice einstellen. Aufgrund der hohen Auslastung der Flüge in der Hochsaison ist auch mit einer begrenzten Verfügbarkeit von Umbuchungsmöglichkeiten am selben Tag zu rechnen. Reisende mit zeitkritischen Terminen werden daher von der Fluggesellschaft und Behörden ermutigt, Reisen um einen oder zwei Tage vorzuverlegen oder zu verschieben, um die Umbuchungsoptionen optimal nutzen zu können. Der aktuelle Konflikt bei LATAM Airlines in Chile unterstreicht die anhaltenden Spannungen in der Luftfahrtindustrie, in der die Belegschaft nach Jahren der Krisenopfer nun an den Rekordgewinnen der Fluggesellschaften teilhaben möchte.

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