Einige Verantwortliche bei Play Airlines haben durchaus Erfahrung damit wie eine defizitäre Fluggesellschaft enden kann, wenn das Geschäftsmodell dauerhaft an den Marktbedürfnissen vorbeischießt. Eine Pleite wie seinerseits als Wow Air will man bei Play vermeiden. Der Stecker aus dem Transatlantik-Geschäft soll nun rasch gezogen werden und weiters wird man künftig mehr oder weniger maltesisch und nicht mehr isländisch sein.
Erst vor wenigen Wochen gab das junge Luftfahrtunternehmen bekannt, dass man einen Ableger mit Sitz auf Malta hochgezogen hat. Diesen braucht man, um Strecken innerhalb der Europäischen Union bedienen zu können, denn mit dem isländischen AOC ist man diesbezüglich stark eingeschränkt. Das vom Vorgänger Wow Air defacto kopierte Geschäftsmodell, also mit vergleichsweise kleinem Fluggerät Passagiere im Europa „einsammeln“, in Keflavik zum Beispiel in Richtung USA umsteigen lassen und damit Geld verdienen ist somit zum zweiten Mal gescheitert. Diesmal wollen es die Verantwortlichen aber nicht bis zum Konkursrichter darauf ankommen lassen, sondern ziehen sich von den Transatlantik-Routen komplett zurück. Damit dürfte auch Gewissheit darüber herrschen, dass das Geschäftsmodell schlichtweg nicht funktioniert, denn die Nachfrage zu sekundären Airports wie Stewart International scheint sich in sehr eng gesteckten Grenzen zu bewegen.
Die Lage dürfte bei Play Airlines mittlerweile stark angespannt sein. Viel Spielraum hat man nicht mehr, weshalb unter dem maltesischen AOC ein defacto-Neustart gemacht werden soll. Künftig will man sich als Leisure- und ACMI-Carrier positionieren. Ob hierfür eine Nachfrage vorhanden ist oder ob auch dieser Markt mehr oder weniger gesättigt ist, wird sich zeigen. Immerhin konnte man vier Maschinen, vorerst mal über den Sommer, im Rahmen eines Wetlease-Auftrags bei der ebenfalls auf Malta ansässigen SkyUp MT unterbringen.
Die isländische Fluggesellschaft Play steht am Vorabend einer umfassenden Neuausrichtung, die nicht nur ihre strategische Ausrichtung, sondern auch ihre Kernstrukturen betrifft. Einar Örn Ólafsson, der amtierende Chef der Fluggesellschaft, und Elías Skúli Skúlason, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates, haben Pläne für eine vollständige Übernahme aller Aktien von Play bekanntgegeben.
Diese am Dienstag, den 10. Juni, publik gewordene Absicht ist der Auftakt zu einer fundamentalen Umstrukturierung, deren zentrale Pfeiler die Verlagerung der gesamten Flotte auf ein maltesisches Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) und das Delisting des Unternehmens von der isländischen Börse sind. Diese Schritte signalisieren eine Abkehr von der bisherigen operativen und finanziellen Ausrichtung zugunsten eines schlankeren, auf Rentabilität ausgerichteten Modells.
Delisting von der Börse: Kontrolle in privater Hand
Ein wesentlicher Bestandteil der geplanten Umstrukturierung ist die Absicht von Einar Örn Ólafsson und Elías Skúli Skúlason, die verbleibenden Aktien von Play zu erwerben und das Unternehmen von der isländischen Börse zu nehmen. Die Fluggesellschaft wird derzeit nur mit elf Millionen Euro bewertet, während Ólafsson und Skúlason, die bereits rund zwanzig Prozent der Aktien halten, ein Angebot von einer isländischen Krone pro Aktie unterbreiten, was umgerechnet etwas über dreizehn Millionen Euro insgesamt entspricht. Dieses Delisting von der Börse ermöglicht es den beiden Hauptaktionären, die vollständige Kontrolle über die Gesellschaft zu übernehmen und tiefgreifende Entscheidungen ohne die Notwendigkeit der Zustimmung zahlreicher externer Aktionäre zu treffen. Dies soll die Umsetzung der avisierten „tiefgreifenden Umstrukturierung“ beschleunigen und vereinfachen.
Die Entscheidung für ein Delisting ist oft ein Zeichen dafür, daß die Unternehmensführung der Ansicht ist, daß der Börsenwert nicht den tatsächlichen Wert oder das Potenzial des Unternehmens widerspiegelt, oder daß die regulatorischen und administrativen Lasten eines Börsenlistings die Vorteile überwiegen. Im Falle von Play könnte die private Führung eine flexiblere und schnellere Anpassung an die sich ändernden Marktbedingungen ermöglichen, insbesondere angesichts der notwendigen Neuausrichtung des Geschäftsmodells hin zur Profitabilität. Es ist ein klarer Bruch mit der jüngeren Vergangenheit des Unternehmens, das ursprünglich mit großem Optimismus als börsennotierter Billigflieger in den Markt eingetreten war.
Verlagerung des Flugbetriebs nach Malta: Strategische Neupositionierung
Die wohl radikalste und weitreichendste Veränderung im Zuge der Neuausrichtung von Play ist die geplante Verlagerung des gesamten Flugbetriebs auf das maltesische Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC). Dies bedeutet, daß das isländische AOC aufgegeben wird und die Flugzeuge zukünftig unter maltesischer Registrierung fliegen werden. Eine solche Verschiebung ist für eine Airline mit nationaler Identität, wie Play sie ursprünglich anstrebte, ein symbolischer Schritt. Obwohl beteuert wird, daß Island weiterhin der fliegerische Fokus bleiben soll, wird die administrative und operative Basis des Unternehmens nun auf Malta liegen.
Die Gründe für eine solche Verlagerung sind vielfältig und in der Luftfahrtindustrie nicht unüblich. Malta hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Standort für Fluggesellschaften entwickelt, da es einen regulatorischen Rahmen bietet, der oft als unternehmensfreundlicher und flexibler als in anderen europäischen Ländern angesehen wird. Dies kann Vorteile in Bezug auf Betriebs- und Lizenzkosten, steuerliche Aspekte und den Zugang zu einem breiteren Personalpool bieten. Die Verlagerung könnte es Play ermöglichen, ihre Betriebskosten weiter zu senken und ihre Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Markt zu steigern.
Parallel zur Verlagerung des AOC planen Ólafsson und Skúlason, die Büros in Malta und Litauen auszubauen, während die Aktivitäten in Island reduziert werden sollen. Diese geografische Anpassung der administrativen Strukturen ist eine logische Konsequenz der operativen Verlagerung. Obwohl die Fluggesellschaft versichert, daß für isländische Fluggäste sich nichts ändern soll – Fluggerät, Personal und Service sollen gleich bleiben – bleibt abzuwarten, wie diese Maßnahme von der isländischen Öffentlichkeit und den Mitarbeitern aufgenommen wird. Eine solche Entscheidung könnte als Bruch mit der nationalen Verwurzelung der Airline wahrgenommen werden, ungeachtet der potenziellen wirtschaftlichen Vorteile. Die Beibehaltung der isländischen Besatzung und der Arbeitsverträge ist hierbei ein wichtiger Faktor, um die Akzeptanz zu sichern.
Flottenanpassung und neues Geschäftsmodell: Weg vom Transatlantik-Drehkreuz
Die Flottenanpassung geht Hand in Hand mit der Verlagerung des AOC. Die selbst genutzte Flotte soll auf vier eigene Flugzeuge reduziert werden. Die übrigen Jets, von denen Play derzeit noch zehn – allesamt Airbus A320neo und A321neo Modelle – besitzt, sollen verstärkt im sogenannten Wet-Lease betrieben werden. Dies bedeutet, daß die Flugzeuge mitsamt Besatzung, Wartung und Versicherung an andere Fluggesellschaften vermietet werden. Ein Beispiel hierfür ist die bestehende Vereinbarung mit SkyUp Malta Airlines, bei der ab Juli vier Airbus-Flugzeuge unter einem ACMI-Vertrag bis Ende 2027 eingesetzt werden. Diese Wet-Lease-Operationen sollen laut CEO Ólafsson einen „stabilen, vorhersehbaren und profitablen“ Einnahmestrom generieren, was für die finanzielle Stabilität von Play entscheidend ist.
Die Neuausrichtung des Geschäftsmodells beinhaltet auch die vollständige Einstellung der Flüge nach Nordamerika Ende Oktober. Das ursprüngliche Drehkreuzmodell, welches auf Transatlantikflüge via Island setzte, hat sich als nicht ausreichend profitabel erwiesen. Stattdessen soll der Fokus zukünftig verstärkt auf europäische Freizeitziele und insbesondere auf den VFR-Bereich (Visiting Friends and Relatives), mit einem Schwerpunkt auf Polen und Litauen, gelegt werden. Diese Märkte versprechen eine höhere Rentabilität und eine stabilere Nachfrage.
Die jüngsten Quartalszahlen von Play unterstreichen die Notwendigkeit dieser drastischen Schritte. Im ersten Quartal 2025 verzeichnete Play einen Umsatzrückgang von 15 Prozent auf 46,4 Millionen US-Dollar und einen Rückgang der Passagierzahlen auf 286.000. Obwohl der Nettoverlust leicht auf 26,8 Millionen US-Dollar reduziert werden konnte, ist die Rentabilität weiterhin das primäre Ziel. Die geplante Ausweitung der auf Freizeitreisen ausgerichteten Kapazität aus Island um sieben Prozent im Sommer 2025, trotz Flottenreduzierung, zeigt die konsequente Umsetzung der neuen Strategie. Ólafsson betonte: „Dies ist in Einklang mit unserer Vision, ein robusteres, saisonal ausgeglicheneres Geschäftsmodell zu schaffen, das das ganze Jahr über eine starke Performance unterstützt.“
Die Kombination aus Delisting, Flottenverlagerung und einer strategischen Neuausrichtung des Streckennetzes stellt einen mutigen Schritt für Play dar. Er zielt darauf ab, das Unternehmen von Grund auf zu sanieren und auf eine nachhaltige profitable Basis zu stellen. Ob diese radikalen Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen und Play als wichtigen Akteur im europäischen Regionalflugverkehr etablieren können, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.