Embraer 195 (Foto: Mario Caruana / MAviO News).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Podgorica: Air Montenegro einziger Bewerber für fünf PSO-Strecken

Werbung

Die montenegrinische Fluggesellschaft Air Montenegro hat als einziger Bieter Angebote im Rahmen einer staatlichen Ausschreibung zur Durchführung von subventionierten Flugverbindungen im gemeinwirtschaftlichen Interesse eingereicht.

Die Ausschreibung betrifft fünf Flugstrecken ab der Hauptstadt Podgorica, die das Ziel haben, ganzjährige Anbindungen an europäische Hauptstädte und Wirtschaftszentren sicherzustellen. Das Ministerium für Verkehr befindet sich derzeit in der Phase der formalen Prüfung der eingereichten Unterlagen, berichtet Ex-Yu-Aviation.com. Die Einreichungsfrist für das Vergabeverfahren endete am 31. August 2026. Eine Entscheidung über die endgültige Auftragsvergabe steht noch aus, da das Fehlen von Mitbewerbern nicht automatisch zu einem Zuschlag führt, sondern das Erfüllen sämtlicher geforderter Vergabekriterien voraussetzt.

Detaillierte Finanzierung und Streckenstruktur des Subventionsprogramms

Das staatliche Programm zur Sicherung der gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen umfasst ein Gesamtwertvolumen von rund 4,79 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer. Die Strecken wurden einzeln ausgeschrieben, um potenziell mehreren Fluggesellschaften die Abgabe von Angeboten für einzelne Destinationen zu ermöglichen. Air Montenegro reichte Angebote für alle fünf im Paket enthaltenen Flugziele ein.

Die fünf vorgesehenen Flugstrecken verbinden Podgorica mit Brüssel, Paris Charles de Gaulle, Frankfurt am Main, Zagreb und Bari. Den höchsten geschätzten Vertragswert weist die Verbindung nach Brüssel mit 1,49 Millionen Euro auf. Für die Strecke nach Paris sind 1,05 Millionen Euro veranschlagt. Die Verbindung nach Frankfurt wird mit 912.660 Euro kalkuliert, während für Bari 680.742 Euro und für die Verbindung in die kroatische Hauptstadt Zagreb 661.790 Euro veranschlagt sind. Das Ziel der Maßnahme besteht darin, Destinationen zu bedienen, die in den Sommermonaten kommerziell ertragreich sein können, jedoch in der verkehrsärmeren Wintersaison ohne staatliche Ausgleichszahlungen kaum eigenwirtschaftlich zu betreiben sind.

Anforderungen an die Fluggesellschaften und vertragliche Sanktionen

Die Ausschreibungsbedingungen schreiben vor, dass alle fünf Strecken während des gesamten Jahres mit einer Mindestfrequenz von drei wöchentlichen Umläufen bedient werden müssen. Zudem ist die Mindestgröße des einzusetzenden Fluggeräts auf eine Kapazität von 110 Sitzplätzen festgelegt. Diese Vorgabe schließt die Nutzung von kleineren Turboprop-Maschinen für das Subventionsprogramm weitgehend aus und verlangt den Einsatz von Regionaljets oder Standardrumpfflugzeugen.

Bei der Bewertung der Angebote gewichtet die Behörde die angebotenen Kosten pro Hin- und Rückflug mit 90 Prozent, während die zur Verfügung gestellte Sitzplatzkapazität mit 10 Prozent in die Evaluation einfließt. Der künftige Betreiber muss zudem eine Vertragserfüllungsgarantie in Höhe von 10 Prozent des jeweiligen Gesamtwertes hinterlegen. Die Vertragsbedingungen enthalten auch strikte Sanktionsmechanismen: Für jeden nicht durchgeführten Flug kann eine Strafzahlung von 2.000 Euro verhängt werden, es sei denn, die Absage wurde vorab von einer zuständigen Arbeitsgruppe des Verkehrsministeriums genehmigt.

Wirtschaftliche Einordnung und Debatte über staatliche Beihilfen

Im Vorfeld des Fristablaufs hatten mehrere internationale Luftfahrtunternehmen Interesse an den Strecken signalisiert, jedoch reichte am Ende ausschließlich die staatliche Air Montenegro Angebote ein. In Montenegro führte dieser Umstand zu Diskussionen über die Rechtskonformität und den Sinn des Programms, da Kritiker darin eine verdeckte Subventionierung der nationalen Fluggesellschaft sehen. Air Montenegro war im Jahr 2021 als Nachfolgegesellschaft der insolventen Montenegro Airlines gegründet worden und greift seither auf staatliche Unterstützung und Eigenkapitalspritzen zurück.

Vukadin Stojanovic, Geschäftsführer von Air Montenegro, wies die Vorwürfe einer direkten Finanzspritze für die Fluggesellschaft zurück. Die Durchführung von Flügen im gemeinwirtschaftlichen Interesse sei keine Beihilfe für das Unternehmen selbst, sondern eine vertraglich vereinbarte Vergütung für eine klar definierte Dienstleistung im öffentlichen Interesse, die in einem offenen Verfahren vergeben werde. Die Sicherstellung einer durchgehenden Fluganbindung sei notwendig, um den Isolationsrisiken des Landes während der Wintermonate entgegenzuwirken und die internationalen Beziehungen Montenegros aufrechtzuerhalten. Das Verkehrsministerium betonte, dass die genauen Details und Verträge erst nach dem formalen Abschluss des Prüfverfahrens und der behördlichen Genehmigung bekanntgegeben werden.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung