Airbus A320neo (Foto: Airbus).
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Pratt & Whitney beseitigt Lieferengpässe und ebnet Airbus den Weg für ehrgeiziges Jahresziel

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Die globalen Lieferketten in der Luftfahrtindustrie zeigen zum Jahresende 2025 entscheidende Anzeichen der Erholung, welche die Produktionsziele des europäischen Flugzeugbauers Airbus maßgeblich beeinflussen. Der amerikanische Triebwerkshersteller Pratt & Whitney (P&W) gab bekannt, seinen Lieferrückstand für das laufende Jahr vollständig aufgeholt zu haben. Diese Entwicklung gilt als kritischer Durchbruch, da die Versorgung mit Triebwerken von P&W und dem Konkurrenten CFM International lange Zeit als einer der Hauptengpässe für die Auslieferungsrate von Airbus identifiziert wurde.

Zum Ende des Oktobers 2025 hatte Airbus 585 Flugzeuge an Kunden ausgeliefert. Um das ehrgeizige Jahresziel von 820 Auslieferungen zu erreichen, müssen in den letzten beiden Monaten des Jahres noch beeindruckende 235 Flugzeuge fertiggestellt und übergeben werden. Die nun erfolgte Zusicherung von P&W, die vertraglich vereinbarten Triebwerksmengen für das laufende Jahr geliefert zu haben, gibt Airbus die notwendige Voraussetzung, um die Produktion deutlich zu beschleunigen. Rick Deurloo, Präsident für kommerzielle Triebwerke bei P&W, bestätigte vor Journalisten im Vorfeld der Dubai Airshow, dass sein Unternehmen nun bereits Triebwerke für die Auslieferungen des kommenden Jahres produziere, was die Erfüllung der 2025er-Verpflichtungen untermauert.

Pratt & Whitney im Fokus der Lieferkette

Pratt & Whitney, ein Unternehmen der RTX-Gruppe und mit einer hundertjährigen Geschichte in der Luftfahrt, ist ein zentraler Akteur in der Versorgungskette von Airbus. Das aktuelle kommerzielle Portfolio wird von der Geared Turbofan (GTF) Triebwerksfamilie angeführt. Diese Technologie findet breite Anwendung, nicht nur bei Airbus und Boeing, sondern auch bei Herstellern wie Embraer und Irkut. Für die erfolgreichen Airbus-Muster sind insbesondere die Varianten PW1100G-JM für die A320neo-Familie und PW1500G für die A220-Familie von Bedeutung.

P&W ist derzeit der alleinige Triebwerkslieferant für den Schmalrumpfjet A220 und hält einen signifikanten Anteil von rund 50 Prozent aller A320neo-Bestellungen. Die nun gemeldete Überwindung des Lieferrückstands ist besonders bemerkenswert, da das Unternehmen in jüngster Vergangenheit mit eigenen Herausforderungen konfrontiert war. Materialfehler in bestimmten Triebwerken, die zu Nachrüstungen und zeitweiligen Stilllegungen von A320-Flugzeugen führten, sowie Korrosionsprobleme bei A220-Triebwerken hatten die Belastung der ohnehin fragilen post-pandemischen Lieferketten zusätzlich erhöht. Diese Schwierigkeiten, kombiniert mit dem generellen langsamen Wiederanlauf der industriellen Kapazitäten nach der Coronakrise, verzögerten die Auslieferungen erheblich.

Trotz dieser Rückschläge hat P&W nicht nur die aktuellen Verpflichtungen erfüllt, sondern arbeitet aktiv an der Entwicklung einer neuen Generation von Triebwerken für Schmalrumpfflugzeuge, in enger Kooperation mit Airbus, Boeing und Embraer. P&W betont, signifikant in neue Produktionsanlagen investiert zu haben, um die Kapazitäten für die künftigen Triebwerksgenerationen zu sichern.

Airbus kämpft um das ambitionierte Jahresziel

Mit 585 ausgelieferten Flugzeugen bis Ende Oktober steht Airbus vor einer beachtlichen Herausforderung. Das Unternehmen muss in den verbleibenden zwei Monaten des Jahres eine durchschnittliche monatliche Auslieferungsrate von 117 Flugzeugen erreichen, um die Zielmarke von 820 zu halten. Obwohl die Monatszahlen für November noch ausstehen, bekräftigt der europäische Luftfahrtriese seine Entschlossenheit, das kommunizierte Ziel nicht zu korrigieren. Für 2026 plant Airbus sogar eine weitere Steigerung der Produktionsgeschwindigkeit.

Die enge Abstimmung mit den Lieferanten ist dabei entscheidend. Aktuell verfügt P&W über die Kapazität, Triebwerke für etwa 63 A320neo-Auslieferungen pro Monat bereitzustellen. Airbus strebt jedoch an, die monatliche Rate der A320neo-Familie bis 2027 auf 75 Flugzeuge zu erhöhen. Zwischen P&W und Airbus laufen intensive Gespräche, um die industrielle Kapazität des Triebwerkherstellers auf dieses höhere Niveau zu bringen. P&W-Präsident Deurloo betonte die tägliche Kommunikation mit Airbus, um sowohl die Produktionsausweitung als auch die Wartungsunterstützung für die bereits in Betrieb befindlichen Flugzeuge zu optimieren. Reduzierte Wartungszeiten sind ein wesentlicher Faktor, um die Flottenverfügbarkeit der Airlines zu verbessern.

Historischer Meilenstein und beispielloser Auftragsbestand

Unabhängig von den aktuellen Produktionsengpässen hat Airbus im Jahr 2025 einen historischen Erfolg in der kommerziellen Luftfahrt erzielt. Die A320-Flugzeugfamilie übertraf die Auslieferungszahlen des langjährigen Konkurrenten, der Boeing 737-Serie, und sicherte sich damit den Titel des meistverkauften Verkehrsflugzeugs in der Geschichte der zivilen Luftfahrt. Dank der anhaltenden Nachfrage und der erfolgreichen Markteinführung der A320neo-Variante im Jahr 2016 durchbrach Airbus die Marke von 12.250 Gesamtauslieferungen der A320-Serie.

Die 737, die seit ihrem Debüt in den späten 1960er Jahren, abgesehen von der Douglas DC-3, das meistverkaufte Passagierflugzeug war, wurde durch die zeitweise geringere Produktionsleistung der 737 max und den massiven Erfolg der A320neo überholt. Dieser historische Wandel spiegelt die Marktführerschaft von Airbus im Segment der Schmalrumpfflugzeuge wider.

Zusätzlich zum Erreichen dieses Meilensteins verfügt Airbus über einen enormen Auftragsbestand von 7.262 Flugzeugen. Dieser Rekordauftragsbestand unterstreicht die langfristige Marktdominanz des europäischen Herstellers und verdeutlicht die Notwendigkeit, die Produktionsraten massiv zu erhöhen und die Lieferketten nachhaltig zu stabilisieren, um die anhaltend hohe Nachfrage der Fluggesellschaften zu bedienen. Die Erholung und Kapazitätssteigerung bei Schlüsselzulieferern wie Pratt & Whitney ist somit nicht nur für die Jahresziele 2025 von Bedeutung, sondern zentral für die gesamte Wachstumsstrategie von Airbus in den kommenden Jahren.

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