Der internationale Luftfahrtverband International Air Transport Association (IATA) hat die Anpassung der Vertragsbedingungen durch den Triebwerkshersteller Pratt & Whitney Canada (P&WC) zur Kenntnis genommen.
Vorausgegangen waren Ermittlungen der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken auf dem Markt für gebrauchte Triebwerksteile. Die Änderungen heben bisherige Beschränkungen für zertifizierte Wartungsbetriebe im P&WC-Netzwerk auf und erleichtern unabhängigen Zulieferern den Zugang zu gebrauchten Komponenten sowie den zugehörigen Instandhaltungsdienstleistungen. Die Neuregelung beschränkt sich auf die Turboprop-Triebwerksreihen PT6 und PW100, während größere Verkehrsflugzeugtriebwerke von der Vereinbarung ausgenommen bleiben.
Nach Einschätzung des Branchenverbandes stellt der Schritt einen Fortschritt für den Wettbewerb in einem Teilbereich des Aftermarkets dar. Nick Careen, Senior Vice President für Operations, Safety and Security bei der IATA, betonte jedoch die Notwendigkeit, Grundsätze des freien Zugangs und der Wahlfreiheit auf den gesamten Triebwerksersatzteilmarkt auszuweiten. Fluggesellschaften benötigten die uneingeschränkte Wahl zwischen allen behördlich zugelassenen Wartungsbetrieben sowie Ersatzteilen und Reparaturverfahren, um den aktuellen Engpässen in den globalen Lieferketten wirksam zu begegnen. Das Abkommen mit P&WC schließt an eine ähnliche Vereinbarung an, die die IATA zuvor mit dem Triebwerkshersteller CFM International zur Öffnung von Wartungsoptionen getroffen hatte.
Die Anpassungen erfolgen vor dem Hintergrund erheblicher wirtschaftlicher Belastungen für die Luftfahrtbranche durch Fehlteile und unzureichende Werftkapazitäten. Eine gemeinsame Untersuchung von IATA und der Unternehmensberatung Oliver Wyman bezifferte die Mehrkosten für Triebwerksleasing und -wartung infolge von Lieferkettenengpässen auf rund 5,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Das Fehlen verfügbarer Ersatzteile hat in den vergangenen Jahren wiederholt zu verlängerten Standzeiten von Verkehrsflugzeugen am Boden und zu Flugstreichungen geführt, was den Kostendruck auf die Betreiber verstärkt.
Branchenexperten verweisen darauf, dass die Beschränkung der neuen Regelungen auf Turboprop-Modelle den Handlungsspielraum für Fluggesellschaften mit großen Jet-Flotten vorerst begrenzt. Da die großen Verkehrsflugzeugtriebwerke von Pratt & Whitney nicht unter die Vereinbarung fallen, bleiben hochmargige Ersatzteilmärkte weiterhin stark unter der Kontrolle der Erstausrüster. Die dauerhafte Entlastung der Lieferketten wird daher davon abhängen, ob Wettbewerbsbehörden und Hersteller auch bei den volumenstarken Strahltriebwerken für mehr Marktöffnung und flexiblere Teileverfügbarkeiten sorgen.