Die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines sieht sich aufgrund von anhaltenden Problemen mit den Getriebefan-Triebwerken (GTF) des Herstellers Pratt & Whitney mit massiven Einschränkungen im Flugbetrieb konfrontiert. Finanzchef Murat Seker gab auf der Luftfahrtkonferenz ISTAT bekannt, dass der Wartungsstau bei den Triebwerksreparaturen die Airline noch mindestens bis Mitte 2027 belasten werde. Das Problem betrifft primär die Flugzeuge der Airbus A320neo-Familie in der Flotte von Turkish Airlines.
Der Wartungsstau und der Mangel an Ersatzteilen führen dazu, dass eine erhebliche Zahl von Maschinen über ungewöhnlich lange Zeiträume am Boden bleiben muss. Seker zufolge wird Turkish Airlines das laufende Jahr mit 45 stillgelegten Airbus-Flugzeugen beenden. Dies stellt eine Steigerung dar, da zu Jahresbeginn noch von 35 betroffenen Jets ausgegangen wurde. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Anzahl der aufgrund der PW1100G-JM-Triebwerksprobleme gegroundeten Flugzeuge bei rund 40. Die durchschnittliche Reparaturdauer für ein Triebwerk bezifferte Seker auf rund 200 Tage, was weit über den üblichen Zeitrahmen hinausgeht.
Die Schwierigkeiten resultieren aus einem Materialfehler in den Turbinenscheiben, die aus einem bestimmten Pulvermetall gefertigt wurden. Dieses Problem, welches von Juli 2023 an massiv bekannt wurde, betrifft weltweit rund 3000 der bisher ausgelieferten GTF-Triebwerke. Turkish Airlines ist dabei eine von mehreren internationalen Fluggesellschaften, darunter auch Wizz Air und die Lufthansa Group, die mit den Folgen des notwendigen Inspektionsprogramms und des daraus resultierenden Kapazitätsengpasses in den Wartungswerkstätten kämpfen.
Um die operativen Störungen und die entstandenen Verluste auszugleichen, hat Turkish Airlines nach eigenen Angaben bereits angemessene Kompensation von Pratt & Whitney, einem Teil des US-Konzerns RTX Corp, erhalten. Trotz Zusicherungen des RTX-Managements, dass sich die Situation der Stilllegungen stabilisiere, sieht Turkish Airlines die Entspannung erst für Mitte 2027. Diese Situation zwingt die Fluggesellschaften, Flottenplanung und Flugpläne langfristig anzupassen und teilweise ältere Flugzeuge länger im Dienst zu halten, während moderne Jets am Boden stehen.