Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus hat das Geschäftsjahr 2025 mit einer Punktlandung bei seinen Auslieferungszahlen abgeschlossen und damit die im November revidierten Prognosen erfüllt. Nach einem intensiven Endspurt im Monat Dezember gelang es dem Unternehmen, die Marke von 790 Flugzeugen knapp zu überschreiten, was Branchenbeobachter angesichts massiver Lieferkettenprobleme und technischer Qualitätsmängel bei Zulieferern als logistische Meisterleistung werten.
Während die operative Leistung bei den Übergaben an Kunden stabil bleibt, zeichnet sich auf der Ebene der Neuaufträge eine Zäsur ab: Erstmals seit längerer Zeit muss Airbus den Spitzenplatz beim Auftragseingang wohl an den US-amerikanischen Rivalen Boeing abtreten. Diese Entwicklung wird maßgeblich auf geopolitische Verschiebungen und eine veränderte Handelspolitik unter der US-Administration zurückgeführt, was den Wettbewerb der beiden Branchenriesen in eine neue Phase führt.
Operative Aufholjagd im letzten Quartal
Das Erreichen des Jahresziels von 793 Auslieferungen basiert auf einer außergewöhnlichen Beschleunigung der Prozesse im letzten Monat des Jahres. Mit 136 ausgelieferten Maschinen im Dezember übertraf Airbus nicht nur den Vorjahreswert desselben Monats um 13 Einheiten, sondern setzte auch einen neuen internen Rekord für die Endabnahmephasen. Diese Zahlen, die zunächst über Wirtschaftskreise bekannt wurden und offiziell Mitte Januar bestätigt werden sollen, verdeutlichen den immensen Druck, unter dem die Montagehallen in Toulouse, Hamburg und Mobile standen. In der Luftfahrtindustrie ist das vierte Quartal traditionell die arbeitsintensivste Phase, da Fluggesellschaften darauf drängen, ihre bestellten Kapazitäten noch vor dem Jahreswechsel in die Bilanz und den Flugbetrieb zu integrieren.
Die Notwendigkeit dieses Sprints ergab sich aus einer Korrektur der Jahresziele im November 2025. Ursprünglich hatte die Konzernleitung unter Guillaume Faury die Messlatte auf 820 Flugzeuge gelegt. Diese Prognose musste jedoch kassiert werden, als deutlich wurde, dass sowohl Triebwerksengpässe als auch strukturelle Bauteilprobleme eine höhere Schlagzahl verhinderten. Dass Airbus nun bei 793 Maschinen landet, sichert dem Konzern zumindest die Glaubwürdigkeit gegenüber den Investoren an der Börse, die empfindlich auf das Verfehlen korrigierter Zielkorridore reagieren.
Qualitätsmanagement und Herausforderungen in der Lieferkette
Ein zentraler Grund für die Drosselung der ursprünglichen Ziele war ein spezifisches Qualitätsproblem bei einem spanischen Zulieferer. Berichten zufolge fielen Rumpfpanele für insgesamt 628 Flugzeuge der überaus gefragten A320neo-Familie aus den definierten Fertigungstoleranzen. Solche Abweichungen, auch wenn sie oft nur im Millimeterbereich liegen, erfordern in der Luftfahrt aufwendige Nachprüfungen oder den kompletten Austausch der betroffenen Komponenten, um die strukturelle Integrität über die gesamte Lebensdauer der Flugzeuge zu garantieren. Diese Komplikation traf Airbus zu einem Zeitpunkt, als die Produktion der Kurz- und Mittelstreckenjets eigentlich auf ein Rekordniveau von über 70 Maschinen pro Monat hochgefahren werden sollte.
Neben den Problemen in Spanien kämpfte Airbus das gesamte Jahr über mit der Verfügbarkeit von Kabinenausstattungen und Fahrwerken. Die globale Zulieferindustrie leidet weiterhin unter den Spätfolgen der vergangenen Krisenjahre, was zu einem chronischen Mangel an Fachkräften und Rohmaterialien geführt hat. Airbus hat angekündigt, die entstandenen Rückstände aus der Produktion bereits im ersten Quartal 2026 abarbeiten zu wollen, um den Zeitplan für die kommenden Jahre nicht zu gefährden. Der Auftragsbestand ist nach wie vor auf Rekordniveau, was die Planungssicherheit theoretisch erhöht, operativ jedoch eine fehlerfreie Kette voraussetzt.
Verschiebungen im globalen Auftragsranking
Während Airbus bei den Auslieferungen seine Position festigt, zeigt sich beim Auftragseingang ein ungewohntes Bild. Boeing konnte im Jahr 2025 wichtige Großaufträge verbuchen, die den US-Konzern in der Gunst der Bestelleingänge vor den europäischen Mitbewerber schoben. Dies liegt zum einen an der Erholung der 737-Max-Produktion und der starken Nachfrage nach Langstreckenmodellen wie der 787 Dreamliner, zum anderen aber auch an politischen Rahmenbedingungen. Airbus-Chef Guillaume Faury wies in Pressegesprächen darauf hin, dass die Handelspolitik der USA unter Präsident Donald Trump den Marktzugang für europäische Produkte erschwert habe.
Besonders im lukrativen US-Markt sowie bei Geschäften mit staatlich beeinflussten Airlines in bestimmten Weltregionen scheint Boeing von einer protektionistischen Wirtschaftspolitik zu profitieren. Boeing konnte durch aggressive Preisgestaltung und die Zusicherung schnellerer Liefertermine für bestimmte Typen Boden gutmachen. Zudem spielten geopolitische Spannungen eine Rolle, die dazu führten, dass einige Großbestellungen aus Asien eher in Richtung Seattle als nach Toulouse vergeben wurden. Dennoch bleibt der globale Markt ein Duopol, in dem beide Hersteller für die nächsten zehn Jahre nahezu ausgebucht sind, was den aktuellen Rangrückgang bei den Aufträgen für Airbus ökonomisch weniger schmerzhaft macht als symbolisch.
Technologische Vormachtstellung und künftige Marktsegmente
Trotz des Rückstands bei den Neuaufträgen im Jahr 2025 bleibt Airbus technologisch in einer starken Position. Die A321XLR, das neue Flaggschiff für Langstrecken mit nur einem Mittelgang, hat sich im vergangenen Jahr als Bestseller erwiesen und ermöglicht es Fluggesellschaften, Routen zu bedienen, die zuvor nur mit deutlich größeren und teureren Maschinen wirtschaftlich waren. Die Dominanz in diesem speziellen Segment sichert Airbus langfristig hohe Margen, da Boeing derzeit kein direktes Konkurrenzprodukt mit vergleichbaren Leistungsdaten am Markt hat. Die Integration neuer Fertigungstechnologien und die Automatisierung der Montagelinien in Hamburg und Tianjin sollen zudem die Kostenführerschaft weiter absichern.
Im Bereich der Großraumflugzeuge bleibt die A350 das Maß der Dinge für den Konzern. Die gesteigerte Nachfrage nach Frachtversionen dieses Typs hat dazu beigetragen, dass Airbus auch im Langstreckensegment wieder Boden gutmachen konnte. Die Produktionsrate für die A350 soll in den kommenden zwei Jahren sukzessive gesteigert werden, um den Bedarf der globalen Airlines nach moderneren Flotten zu decken. Dabei konzentriert sich das Unternehmen darauf, die Fertigungsprozesse so zu optimieren, dass Qualitätsmängel wie jene bei den spanischen Rumpfpanelen künftig durch digitalisierte Überwachungssysteme bereits im Entstehungsprozess erkannt werden.
Bilanz und strategische Ausrichtung für 2026
Der offizielle Jahresabschluss am 12. Januar wird zeigen, wie sich die Auslieferungen finanziell auf das Konzernergebnis ausgewirkt haben. Es wird erwartet, dass Airbus trotz der Zielkorrektur ein solides Ergebnis präsentieren kann, da die abgelieferten Maschinen meist margenstarke Konfigurationen aufwiesen. Die strategische Priorität für das Jahr 2026 liegt nun eindeutig auf der Stabilisierung der Lieferketten. Airbus plant, die Zusammenarbeit mit seinen wichtigsten Zulieferern auf eine neue Basis zu stellen, um proaktiver auf Störungen reagieren zu können.
Zusammenfassend lässt sich das Jahr 2025 für Airbus als ein Jahr der industriellen Resilienz bezeichnen. Die Bewältigung der Qualitätskrise im Herbst und der erfolgreiche Endspurt im Dezember zeigen die operative Stärke des europäischen Flugzeugbauers. Der vorübergehende Verlust der Marktführerschaft bei den Neuaufträgen an Boeing wird intern eher als Ansporn denn als Niederlage gewertet. Angesichts voller Auftragsbücher über das Jahr 2030 hinaus liegt der Fokus weniger auf dem bloßen Sammeln neuer Bestellungen, sondern auf der Fähigkeit, die versprochenen Maschinen termingerecht und in höchster Qualität an die Kunden zu übergeben. In einem Umfeld, das von geopolitischer Instabilität und handelspolitischen Hürden geprägt ist, bleibt die industrielle Exzellenz die wichtigste Währung im globalen Luftfahrtwettbewerb.