Die politischen Spannungen und Blockaden rund um den regionalen Luftverkehr in Neukaledonien verschärfen sich weiter. Die Oppositionsgruppen auf den Loyalitätsinseln haben angekündigt, ihre Proteste gegen die geplante Verlegung des operativen Schwerpunkts von Air Calédonie fortzusetzen.
Konkret richtet sich der Widerstand der traditionellen Regionalkomitees von Iaai, Ne Drehu und Nengone gegen den Umzug der Fluggesellschaft vom stadtnahen Inlandsflughafen Nouméa-Magenta zum internationalen Drehkreuz Nouméa-La Tontouta. Wie lokale Medien berichten, soll die Mobilisierung auch nach den für den 28. Juni 2026 angesetzten Provinzwahlen aufrechterhalten werden, was die massiven Transportdisruptionen im Überseeterritorium voraussichtlich bis mindestens Mitte Juli verlängern wird.
Der seit mittlerweile 16 Wochen andauernde Dauerkonflikt beeinträchtigt den Flugplan der Fluggesellschaft drastisch. Aufgrund der anhaltenden Blockadeaktionen kann Air Calédonie die Destinationen Ouvéa und Maré derzeit überhaupt nicht anfliegen. Zwar gelang es dem Unternehmen Anfang Juni, stark eingeschränkte Flugverbindungen nach Lifou und zur Île des Pins provisorisch wiederaufzunehmen, jedoch kommt es auch in der Nähe des Flughafens von Lifou weiterhin zu täglichen Demonstrationen der Anwohner. Die Protestkomitees forderten den Hochkommissar der Republik sowie die Kongressmitglieder am 21. Juni in einem Folgebrief erneut auf, zu einem bereits am 19. Mai eingereichten gemeinsamen Protokoll Stellung zu beziehen, auf das es von offizieller Regierungsseite bislang keine Reaktion gab.
Die wirtschaftlichen Folgen der anhaltenden Flugausfälle haben die Fluggesellschaft in eine existenzbedrohliche Krise gestürzt. Air Calédonie musste bereits Mitte April ein gerichtliches Sanierungsverfahren einleiten, nachdem sich die Verbindlichkeiten auf 256 Millionen CFP-Francs (rund 2,4 Millionen US-Dollar) summiert hatten. Das Unternehmen verzeichnet durch die anhaltenden Unruhen und Streiks tägliche Verluste von schätzungsweise 10 Millionen CFP-Francs (ca. 95.000 US-Dollar). Die finanzielle Schieflage erschwert den Sanierungsprozess erheblich, da ein regulärer Flugbetrieb unter den gegebenen Sicherheitsrisiken und Blockaden im gesamten Archipel kaum wirtschaftlich planbar ist.
Aktuell verfügt die Fluggesellschaft über eine stark reduzierte Flotte, die sich aus drei Turboprop-Maschinen des Typs ATR 72-600 zusammensetzt. Das stark eingeschränkte Streckennetz beschränkt sich notgedrungen auf die verbliebenen Inlandsrouten zwischen Nouméa-La Tontouta, Lifou und der Île des Pins sowie auf eine einzige internationale Verbindung nach Port Vila, der Hauptstadt des benachbarten Inselstaates Vanuatu. Luftfahrtanalysten warnen, dass ohne eine schnelle politische Einigung nach den anstehenden Wahlen und ohne finanzielle Überbrückungshilfen der französischen Zentralregierung die dauerhafte Aufrechterhaltung der regionalen Infrastruktur im südpazifischen Raum gefährdet ist.